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Badehose oder Speedo?
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Badehose oder Speedo? Die schwule Community disktuiert über Mode und Trends 2026

ms - 23.07.2026 - 16:00 Uhr
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Verschwindet die klassische Speedo langsam von den Stränden? Genau darüber diskutieren derzeit zahlreiche schwule Männer in den sozialen Medien. Auslöser war ein Beitrag auf der Plattform X, der innerhalb weniger Tage mehr als 240.000 Mal aufgerufen wurde. Inzwischen hat sich die hitzige Debatte auf das Thema Freeballing ausgeweitet. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein viraler Beitrag auf X löste die Tage eine Debatte über den möglichen Abschied von klassischen Speedos aus.
  • Während einige einen Trend zu längeren Badehosen beobachten, widersprechen andere und verweisen auf beliebte Gay-Strände.
  • Auch in der schwulen Männermode zeichnet sich offenbar ein Wandel hin zu weiteren Schnitten und einem betont maskulinen Look ab.
  • Modeexperten sehen darin eine Gegenbewegung zu Trends in der heterosexuellen Männermode.
  • Erweitert wird so auch der Trend des Freeballing immer präsenter, also das bewusste Weglassen von Unterhosen – die Jogginghose reicht aus. 

Speedos bleiben präsent?

„Traurigerweise muss ich berichten, dass Badehosen gerade im Trend liegen und Schwule die Speedo langsam ausmustern“, schrieb ein Nutzer. Die Aussage löste umgehend widersprüchliche Reaktionen aus. Während einige User dem Eindruck zustimmten, widersprachen andere entschieden. Ein US-Amerikaner, der die Feiertage auf Fire Island und in Provincetown verbracht hatte – zwei der bekanntesten schwulen Treffpunkte in den USA –, schrieb: „Ich bin mir nicht so sicher, dass sie ausgemustert werden.“ Ähnliches berichten einige Besucher von Schwulenstränden anderenorts weltweit. Gleichzeitig räumen nicht wenige ein, dass längere Badehosen zunehmend häufiger unter schwulen Männern getragen würden.

Weitere Schnitte liegen im Trend

Offenbar verändert sich derzeit die schwule Männermode insgesamt. Locker sitzende Kleidung werde beliebter, wodurch auch klassische Badehosen besser in das aktuelle Modebild passten. Während heterosexuelle Männer heute häufiger kurze Shorts trügen, würden viele schwule Männer inzwischen bewusst zu weiten Badeshorts, Cargohosen oder eben auch locker geschnittenen T-Shirts greifen, so das Feedback online.  Der Modejournalist Max Berlinger bezeichnet diesen Stil als „Heartland Drag“. Dahinter stehe die Beobachtung, dass sich homosexuelle Männer zunehmend betont maskulin kleideten, während heterosexuelle Männer Kleidungsstücke übernähmen, die früher eher mit Schwulen verbunden gewesen seien. Dabei seien gegenkulturelle Entwicklungen schon immer ein wichtiger Bestandteil schwuler Ästhetik gewesen. Das erkläre auch den Trend zu stärkerer Körperbehaarung und einem insgesamt natürlicheren Erscheinungsbild.

Körperbehaarung verändert Speedo-Look

Mit dem Trend zu behaarten Körpern gehe jedoch auch ein praktisches Problem einher, denn oftmals lässt sich die Haarpracht im Intimbereich dann nicht in einer engen kleinen Speedo unterbringen. Auf der anderen Seite haben viele heterosexuelle Männer ihre frühere Scheu vor eng anliegenden Badehosen abgelegt, wie die New York Times zuletzt feststellte. „Es ist albern, am Strand lange Badehosen zu tragen, wenn es doch gerade darum geht, Haut, Sonne, Sand und Wasser zu genießen. Kurze Badehosen sind aber bequemer als Speedos – das habe ich schon immer gesagt“, schrieb ein Nutzer auf X.

Ein anderer kommentierte: „Stimmt, der Speedo ist geschmacklos und ordinär.“ Ein weiterer Nutzer erklärte: „Gut so! Ich mochte diesen Speedo-Thirst-Trap-Trend ohnehin nicht. Ich verstehe zwar, was ihr damit erreichen wollt, aber lasst doch etwas mehr der Fantasie über. Manchmal ist weniger mehr.“ Ob sich der Trend also tatsächlich dauerhaft durchsetzt, bleibt daher noch offen. An vielen Schwulenstränden dominiert die Speedo wohl immer noch – und zieht sehr gerne viele Blicke auf sich.  

Lieber gleich Freeballing?

Noch einen Schritt weiter geht dabei inzwischen die Debatte um das sogenannte „performative Freeballing“ – das Thema ließ die Diskussionen um Männlichkeit, Mode und Selbstdarstellung weiter anschwellen. Gemeint ist damit das generelle demonstrative Verzichten auf Unterwäsche als Teil einer bewusst inszenierten Selbstdarstellung. Für viele online demnach eine verständliche Weiterentwicklung: Von der Speedo über die bequeme Badehose bis hin zu völliger Bewegungsfreiheit im Alltag. 

Laut dem US-Stylisten Ian Bradley sei auch dies eine direkte Gegenentwicklung zu heterosexuellen Männern, wie er im US-Portal Gothamist erklärte: „Die Heteros haben sich unsere kurzen Shorts geschnappt, also müssen unsere Hosen eben größer werden – inklusive mehr Freiheit für unsere Kronjuwelen.“ Letztlich gehe es für viele Männer trotzdem einfach nur darum, attraktiv auf andere zu wirken. „Im Grunde wollen wir alle nur Sex. Im Kern steckt der Wunsch dahinter, jemanden zu finden oder von jemandem ausgewählt zu werden, der Männlichkeit so überzeugend verkörpert, dass sie weniger wie eine Inszenierung wirkt als wie ein echter Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Aber leider ist fast alles davon eine Inszenierung und nicht real.“ Gerade auf schwulen Foren auf X entwickele sich die Vorliebe für schwule Männer in grauen Jogginghosen, die darunter nackt sind, demnach immer mehr heraus. Das Fehlen von Unterhosen lässt gewisse Körperkonturen sichtbarer werden – und steigere damit die Vorfreude. Das Auge isst ja bekanntlich mit.  

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