Eine für „Queer Eye“-Star Antoni Porowski entworfene Lederjacke beschäftigt die US-Justiz. Der Modedesigner James Concannon wirft dem Spielwarenhersteller LEGO vor, seine Gestaltung ohne Erlaubnis für ein Set zur erfolgreichen Reality-Serie übernommen und damit sein Urheberrecht verletzt zu haben. Ein Bundesrichter hat nun einen ersten Versuch LEGOs, wesentliche Ansprüche noch vor einem Prozess abweisen zu lassen, teilweise zurückgewiesen.
Das Wichtigste im Überblick
- Designer James Concannon verklagt LEGO wegen einer Lederjacke, die für das Set „Queer Eye – The Fab 5 Loft“ nachgebildet wurde.
- Concannon hatte das Original 2018 eigens für „Queer Eye“-Star Antoni Porowski entworfen. Dieser trug die Jacke 2019 in der Sendung.
- Ein US-Bundesrichter hat es nun teilweise abgelehnt, Concannons Urheberrechtsansprüche noch vor einem Prozess abzuweisen. Der Rechtsstreit geht damit weiter.
- LEGO berief sich unter anderem auf eine stillschweigende Lizenz und die US-amerikanische Fair-Use-Regelung. Das Gericht ließ beide Argumente in diesem Stadium nicht durchgreifen.
- Nach Auffassung des Gerichts bedeutete das Geschenk der Jacke an Porowski nicht, dass Concannon damit anderen die Erlaubnis zum Kopieren und Verbreiten seiner Gestaltung erteilte.
Lederjacke vor Gericht
Richter Omar A. Williams vom US-Bundesbezirksgericht für Connecticut lehnte jetzt Teile eines sogenannten Summary-Judgment-Antrags des dänischen Spielwarenherstellers ab, wie The Fashion Law berichtete. Damit bleiben verschiedene Urheberrechtsansprüche Concannons bestehen. LEGO hatte sich unter anderem darauf berufen, dass für die Verwendung der Gestaltung eine stillschweigende Lizenz bestanden habe. Außerdem argumentierte das Unternehmen mit der im US-Urheberrecht verankerten Fair-Use-Doktrin. Das Gericht ließ beide Verteidigungsargumente in diesem Stadium des Verfahrens nicht gelten.
Der Streit reicht mehrere Jahre zurück. Concannon hatte 2018 eigens für Antoni Porowski, eines der Mitglieder der „Fab Five“ aus „Queer Eye“, eine Lederjacke entworfen. Der Designer versah das Kleidungsstück mit seiner „charakteristischen, von Propaganda beeinflussten Ästhetik“. Porowski trug die Jacke 2019 in einer Folge von „Queer Eye“. Zwei Jahre später fand sich eine Nachbildung des Kleidungsstücks in dem im September 2021 veröffentlichten LEGO-Set „Queer Eye – The Fab 5 Loft“.
Auf einem von Concannon 2021 bei Instagram veröffentlichten Vergleichsbild sind auf beiden Jacken charakteristische Gestaltungselemente zu erkennen. Dazu gehören ein Peace-Zeichen auf dem linken Revers und ein Totenkopf-Motiv auf der rechten oberen Brustseite. Concannon machte in seiner ursprünglichen Klage laut CNN geltend, LEGO habe ihn nicht um Erlaubnis für „die einzigartige Platzierung, Koordination und Anordnung der einzelnen künstlerischen Elemente“ gebeten, als Porowskis Jacke für das Set nachgebildet wurde.
„Unbezahlte Kunst“
Noch im Jahr der Veröffentlichung des LEGO-Sets hatte Concannon seinem Ärger öffentlich Luft gemacht. Im November 2021 wandte er sich bei Instagram direkt an den Spielwarenhersteller. „Ich habe meinen inneren Groll eine Weile zurückgehalten, aber heute bin ich sauer, also legen wir los. Hey @lego, es war eine ziemliche Ehre zu sehen, wie ihr meine Kunst nachgebaut habt“, schrieb der Designer. Concannon zufolge hatte er zuvor mehrfach mit Vertretern des Unternehmens gesprochen. Dabei seien ihm Exemplare des Sets zugesagt worden.
„Nach mehreren Anrufen mit verschiedenen Vertretern des Unternehmens wurde mir ein paar Kartons versprochen, einschließlich meiner nachgebauten und unbezahlten Kunst, damit mein Sohn und ich damit spielen können. Eure Mitarbeiter erzählten mir, wie sehr sie Kreative lieben. Es war wirklich traurig, am Veröffentlichungstag gesagt zu bekommen: ‚Wir können dir keinen Karton schicken, aber du kannst einen kaufen‘“, schrieb Concannon. Seine Kritik fiel anschließend deutlich aus: „Früher mochte ich Legos wirklich sehr. Jetzt = Diebstahl geistigen Eigentums. Markiert gerne @lego und lasst sie wissen, was ihr davon haltet! Falls es außerdem einen Anwalt für geistiges Eigentum gibt, der glaubt, daraus einen Fall machen zu können, meldet euch bei mir. Schämt euch, @lego.“ Noch 2021 reichte Concannon schließlich Klage gegen LEGO ein.
Geschenk ist nicht Lizenz
Im aktuellen Verfahren spielte unter anderem die Frage eine Rolle, welche Rechte Concannon dadurch übertragen hatte, dass er die Jacke Porowski schenkte. LEGO argumentierte mit einer stillschweigenden Lizenz. Das Gericht kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Concannons Geschenk an Porowski nicht automatisch die Erlaubnis beinhaltete, die künstlerische Gestaltung des Kleidungsstücks darüber hinaus zu kopieren und zu verbreiten. Dabei beschäftigte sich das Gericht auch mit einem früheren Rechtsstreit über die Darstellung von Tätowierungen von NBA-Spielern in Videospielen.
Im Verfahren „Solid Oak Sketches v. 2K Games“ waren Tattoos von Basketballspielern für deren digitale Avatare reproduziert worden. Das Gericht grenzte diesen Fall nun von Concannons Lederjacke ab. Der entscheidende Unterschied: Eine Lederjacke könne nicht in gleicher Weise als Bestandteil des Erscheinungsbildes einer Person angesehen werden. Tätowierungen seien dauerhaft mit dem Körper verbunden, Kleidungsstücke dagegen austauschbar.
LEGO änderte Schriftzug
Auch LEGOs Berufung auf „Fair Use“ überzeugte das Gericht in diesem Stadium nicht. Dabei verwies es unter anderem auf den kommerziellen Charakter des LEGO-Sets und darauf, dass die Wiedergabe der künstlerischen Elemente nicht ausreichend transformativ gewesen sei. LEGO hatte die Gestaltung allerdings nicht vollkommen unverändert übernommen. Auf Concannons Jacke stand ursprünglich der Schriftzug „THYME IS ON MY SIDE“. Für die LEGO-Version wurde dieser in „REBUILD THE WORLD“ geändert.
Nach den Feststellungen des Gerichts blieben jedoch die Schriftart und die Optik herunterlaufender Farbtropfen erhalten. Der Rechtsstreit ist damit nicht abgeschlossen. Die Entscheidung bedeutet insbesondere nicht, dass Concannon mit seinen Urheberrechtsvorwürfen bereits endgültig gewonnen hat. Vielmehr hat das Gericht es abgelehnt, wesentliche Teile seiner Ansprüche im Wege des Summary Judgment zu beseitigen.
Bedeutung für die Branche
The Fashion Law sieht in dem Verfahren eine mögliche Erinnerung für Unternehmen, bei kommerziellen Darstellungen von Prominenten nicht nur deren eigene Rechte zu berücksichtigen. Auch Rechte Dritter – etwa von Modedesignern, deren Werke Teil des dargestellten Erscheinungsbildes sind – könnten eine gesonderte Zustimmung erforderlich machen. Die Serie, die den Rechtsstreit ausgelöst hat, ist unterdessen bereits Geschichte. „Queer Eye“ strahlte im Januar seine letzte Folge aus. Die öffentlichen Auseinandersetzungen rund um die Sendung gingen jedoch über deren Ende hinaus. Mehrere Mitglieder der Besetzung äußerten sich seit Anfang des Jahres zu Streitigkeiten hinter den Kulissen und als „toxisch“ beschriebenen Konflikten, die die „Fab Five“ bereits vor dem Abschluss der Serie entzweit hatten.