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Ein Jahr ohne Helpline Angst vor neuer Krise und Streit um Schutzangebote

Von ms - 21.07.2026 - 12:00 Uhr
Ein Jahr ohne Helpline
Foto: iStock / Media Raw Stock
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Ein Jahr nach dem Ende der landesweit einzigen, speziellen Krisenhilfe für suizidgefährdete LGBTIQ+-Jugendliche in den USA ist die Zukunft des Angebots weiterhin unklar. Mitte Juli 2025 stellte die Regierung von Präsident Donald Trump die LGBTIQ+-spezifische Unterstützung innerhalb der bundesweiten 988 Suicide & Crisis Lifeline ein. Inzwischen soll das Angebot zum Jahresende zurückkommen, allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die spezielle Krisenhilfe für LGBTIQ+-Jugendliche in den USA wurde vor einem Jahr eingestellt.
  • Das Angebot war Teil der bundesweiten 988 Suicide & Crisis Lifeline und vermittelte junge Menschen an geschulte Berater.
  • Der Kongress hat eine Wiederaufnahme der Finanzierung beschlossen, die Umsetzung ist aber noch offen.
  • The Trevor Project warnt vor einer anhaltend hohen Suizidgefahr unter LGBTIQ+-Jugendlichen.
  • Aktivisten befürchten, dass trans* Jugendliche künftig von speziellen Hilfsangeboten ausgeschlossen werden könnten.

2.000 Anrufe täglich

Das Programm, das häufig als „Press 3“ bezeichnet wurde, richtete sich an LGBTIQ+-Jugendliche unter 25 Jahren mit Suizidgedanken und Krisenerfahrungen. Über eine spezielle Taste am Telefon, per SMS mit dem Wort „PRIDE“ oder über einen Online-Chat konnten Betroffene mit geschulten Beratern sprechen. Nach Angaben des queeren Jugendnetzwerkes The Trevor Project nutzten mehr als 1,5 Millionen junge Menschen das Angebot, bevor es beendet wurde. Täglich gingen zuletzt mehr als 2.000 Anrufe ein.

Obwohl der US-Kongress inzwischen die Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA) angewiesen hat, doch wieder 33,1 Millionen US-Dollar für spezialisierte Dienste für LGBTIQ+-Jugendliche bereitzustellen, ist bislang offen, wann und in welcher Form die Hilfe zurückkehrt. Auch die Beteiligung von Organisationen wie The Trevor Project ist noch nicht geklärt beziehungsweise wird stellenweise bereits ausgeschlossen. 

Kritik an Ende der Unterstützung

Jaymes Black, Geschäftsführer von The Trevor Project, bezeichnete die Entscheidung der Trump-Regierung als „schockierend“. Er kritisierte, dass ausgerechnet eine staatliche Stelle, die für den Schutz der Gesundheit und des Wohlergehens der Bevölkerung zuständig sei, jungen Menschen in Krisen lebensrettende Unterstützung entzogen habe. „Die Feindseligkeit der Regierung gegenüber unserer Gemeinschaft ist mittlerweile eine fest verankerte Realität. Aber es war – vorsichtig ausgedrückt – schwer zu akzeptieren, dass die Führung unseres Landes, genau jene Behörde, die damit beauftragt ist, die Gesundheit und das Wohlergehen der Amerikaner zu schützen, jungen Menschen in Krisen lebensrettende Dienste entzogen hat.“ Gleichzeitig würdigte Black die Reaktion der LGBTIQ+-Community und ihrer Unterstützer. „Der 17. Juli 2025 markiert einen der schwierigsten Tage in der Geschichte des Trevor Project.“ Zugleich habe dieser Tag eine neue Phase der Unterstützung ausgelöst. Die Gemeinschaft aus Verbündeten, Unterstützern, Kollegen und Partnern habe sich stärker als zuvor für die Arbeit mit LGBTIQ+-Jugendlichen eingesetzt.

Spenden und politische Unterstützung

Nach dem Ende der staatlichen Finanzierung startete The Trevor Project eine Notfallkampagne unter dem Namen „Lifeline“. Dabei sammelte die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 20,4 Millionen US-Dollar von rund 26.000 Unterstützern. Eine Petition zur Wiederaufnahme der spezialisierten Hilfe erhielt mehr als 53.000 Unterschriften. Unterstützt wurde die Forderung von mehr als 100 Mitgliedern des Kongresses sowie von mehr als 100 Prominenten und öffentlichen Personen, darunter Ariana Grande, Pedro Pascal, Sabrina Carpenter, Jamie Lee Curtis, Daniel Radcliffe und Dua Lipa. Darüber hinaus arbeitete The Trevor Project mit Behörden in Kalifornien und Illinois zusammen, um Berater der dortigen 988-Krisenhilfe für den Umgang mit LGBTIQ+-spezifischen Krisen zu schulen.

Sorge um trans Jugendliche

Die mögliche Wiederaufnahme der Angebote sorgt auch wegen der politischen Vorgaben der US-Regierung für Diskussionen. Nach Angaben von The Trevor Project erklärte die zuständige Behörde SAMHSA in einem Schreiben an den Kongress, dass künftige Dienste mit einer Verfügung der Regierung vom Januar 2025 vereinbar sein müssten, die nur zwei Geschlechter anerkennt. Aktivisten warnen davor, dass dadurch besonders trans* Jugendliche ausgeschlossen werden könnten. „Das sind keine spezialisierten Dienste für LGBTIQ+-Jugendliche, wenn sie trans* Jugendliche ausschließen. Punkt“, so Black. The Trevor Project hatte eigene Vorschläge für eine Beteiligung mit Telefon-, Nachrichten- und Chat-Angeboten eingereicht. Eine Entscheidung darüber, ob die Organisation wieder Teil des Programms wird, steht bislang aus.

Hoher Bedarf an Unterstützung

Nach Einschätzung von The Trevor Project besteht die psychische Gesundheitskrise unter LGBTIQ+-Jugendlichen in den USA unabhängig vom Streit um die Hotline weiter. Nach Angaben der Organisation denken jährlich mehr als 1,8 Millionen LGBTIQ+-Jugendliche zwischen 13 und 24 Jahren ernsthaft über Suizid nach. Mindestens ein junger Mensch aus dieser Gruppe versucht demnach alle 45 Sekunden, sich das Leben zu nehmen. Fast die Hälfte (44 Prozent) der LGBTIQ+-Jugendlichen, die im vergangenen Jahr Unterstützung für ihre psychische Gesundheit benötigt hätten, habe diese nicht erhalten. „Suizid unter LGBTIQ+-Jugendlichen ist eine Krise der öffentlichen Gesundheit, die eine dringende Antwort erfordert. Wir müssen die Suizidprävention für diese Hochrisikogruppe in die Gesundheitsinfrastruktur unseres Landes integrieren. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass das Leben junger Menschen in diesem Moment in Gefahr ist.“

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

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