Direkt zum Inhalt
Trauriger Abschied in New York
ANZEIGE

Trauriger Abschied in New York Verstorbenes Aktivisten-Paar engagierte sich für Obdachlose

ms - 15.07.2026 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Innerhalb weniger Tage sind zwei Männer gestorben, die sich über Jahre mit großem Engagement für obdachlose Menschen in New York eingesetzt haben. Jayson Conner starb im Alter von 48 Jahren am 28. Juni an einem Herzinfarkt in der gemeinsamen Wohnung in Manhattan. Sein Partner Jeffrey Newman wurde 58 Jahre alt und starb am 2. Juli. Woran er starb, wurde bislang nicht öffentlich bekanntgegeben, berichtete die New York Times.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zwei langjährige Sozialaktivisten aus New York sind innerhalb weniger Tage gestorben.
  • Das Paar hatte seit 2018 mehr als 180.000 Rucksäcke an obdachlose Menschen verteilt.
  • Aus der Initiative entstand das Hilfsprojekt „Backpacks for the Streets“ mit rund 40 Freiwilligen.
  • Die Organisation will die Arbeit nach dem Tod der Gründer fortsetzen.
  • Weggefährten würdigen das Engagement und die enge Verbundenheit des Paares.

Helfer für obdachlose Menschen

Seit 2018 hatte das Paar nach eigenen Angaben mehr als 180.000 mit lebensnotwendigen Dingen gefüllte Rucksäcke an obdachlose Menschen verteilt. Aus der Initiative entwickelte sich das Projekt „Backpacks for the Streets“, an dem zuletzt rund 40 Freiwillige mitwirkten. Die Helfer packten unter anderem Beef Jerky, solarbetriebene Powerbanks, Feuchttücher, Wollsocken, Taschenlampen mit Ersatzbatterien, Stifte, Notizbücher, Hygieneartikel sowie weitere Kleidung und Lebensmittel in die Rucksäcke und verteilten sie anschließend in ganz Manhattan.

Conner wusste aus eigener Erfahrung, was Obdachlosigkeit bedeutet. Er hatte selbst zwei Jahre ohne festen Wohnsitz gelebt und sprach außerdem offen über sexuellen Missbrauch und Drogensucht in seiner Vergangenheit. Im Juni 2020 sagte er gegenüber ABC News: „Menschen, die obdachlos sind, fühlen sich ohnehin unsichtbar, als würden sie keine Rolle spielen. Und Covid-19 hat das nur noch verstärkt. Die Menschen behandeln sie, als wären sie die Krankheit. Wir wollten mehr tun. Ich bin immer wieder erstaunt, wie so ein kleiner Moment von Menschlichkeit, Mitgefühl und Würde das Leben eines Menschen verändern kann.“ Weiter sagte Conner: „Das Besondere an diesen Rucksäcken ist, dass sie den Menschen Hoffnung geben. Sie werden Obdachlosigkeit nicht beenden, aber sie geben den Menschen einen ersten Anfang – Hoffnung.“

Herzensangelegenheit von schwulem Paar

Auch Newman betonte die Bedeutung des Projekts. „Wir nehmen das, was wir tun, sehr ernst. Wir packen nicht einfach kleine Geschenktüten – wir überlegen genau, was die Menschen am dringendsten brauchen. Es ist eine Herzensangelegenheit.“ Neben der Verteilung der Hilfspakete schulten Conner und Newman ihre freiwilligen Helfer darin, obdachlosen Menschen respektvoll und einfühlsam zu begegnen. Viele Betroffene litten unter Einsamkeit oder schweren körperlichen und seelischen Belastungen.

Die Freiwillige Kristina Kashtanova erinnerte sich an die beiden Gründer: „Es war faszinierend zu sehen, wie gut sie mit den Menschen auf der Straße kommunizieren konnten. Sie haben mir beigebracht, ein besserer Mensch zu sein und mit Menschen zu sprechen, die sich so sehr von mir unterscheiden.“ Conner und Newman hatten sich 2004 kennengelernt. Nach Angaben ihres Umfelds schweißte sie das gemeinsame soziale Engagement noch enger zusammen. Die verbliebenen Freiwilligen beraten nun darüber, wie die Arbeit des Projekts fortgesetzt werden kann.

Fortführung des Engagements 

Kashtanova sagte dazu: „Ich habe das Gefühl, dass sie uns gezeigt haben, wie man eine bessere Gemeinschaft sein kann – und genau das wurde durch diese Tragödie auf die Probe gestellt. Wir trauern alle, aber gleichzeitig gehen wir sehr entschlossen mit dieser Situation um.“ Conner hatte eine Ausbildung an einer Kochschule absolviert, in Restaurants gearbeitet und hinterlässt einen Sohn sowie eine Tochter. Newman war Gründungspräsident und Geschäftsführer des LGBTIQ+-Lifestylemagazins Out. Er sprach öffentlich über seine HIV-Diagnose, seinen Weg der Genesung, die Gleichberechtigung von LGBTIQ+-Menschen sowie Suizidprävention, insbesondere unter queeren Jugendlichen. Er hinterlässt seine Eltern, zwei Brüder und eine Schwester.

Die große Liebe für beide Männer

Auch Angehörige und Freunde würdigten die beiden. Newmans Bruder Glenn sagte gegenüber W42st.com: „Jayson war die Liebe von Jeffreys Leben und in jeder Hinsicht sein wahrer Partner. Sie haben sich gemeinsam ein Leben aufgebaut, ein gemeinsames Ziel verfolgt und sich dem Dienst an anderen Menschen verschrieben. Ob sie ihre gemeinnützige Organisation leiteten, Menschen auf den Straßen New Yorks unterstützten oder einfach ihren Alltag genossen – sie waren kaum jemals getrennt. Ihre Beziehung beruhte auf tiefer Liebe, unerschütterlicher Verbundenheit und der gemeinsamen Überzeugung, dass jeder Mensch Würde, Mitgefühl und Hoffnung verdient.“

Michael Gray, der beste Freund Conners, sagte: „Die Liebe zwischen Jayson und Jeffrey war eine Liebe, die man selbst von außen spüren konnte. Sie waren in jeder Hinsicht Partner – im Leben, in ihrem gemeinsamen Ziel und in der Arbeit, der sie ihr Herz schenkten. Sie innerhalb weniger Tage zu verlieren, ist herzzerreißend. Gleichzeitig spendet der Gedanke Trost, dass ihre Verbindung so stark war, dass selbst diese Welt sie nicht lange voneinander trennen konnte.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Streit um Pronomen

Religiöse US-Eltern vor Gericht

Religiöse Eltern verklagen einen Schulbezirk in Maryland, weil Lehrkräfte ihr Kind ohne ihr Wissen mit männlichem Namen und Pronomen ansprachen.
Indonesien attackiert LGBTIQ+

Einstufung als Terror-Bedrohung

Indonesiens Regierung stuft LGBTIQ+ als nicht-militärische Terror-Bedrohung ein. Menschenrechtsorganisationen warnen vor weiterer Diskriminierung.
Debatte AfD-Verbotsverfahren

Hape Kerkeling als Redner geladen

Der Landtag in Thüringen berät im September öffentlich über ein AfD-Verbot. Entertainer Hape Kerkeling soll dabei als Redner gehört werden.
Urteil im Terrorverfahren

Keine Beweise für Pride-Anschlag

Zwei Brüder sind wegen IS-Propaganda verurteilt worden. Belege für konkrete Anschlagspläne gegen die Vienna Pride 2023 sah das Gericht nicht.
DFB zeigt Flagge für Vielfalt

Fußballverein beim CSD Frankfurt

Der DFB beteiligt sich erneut am CSD Frankfurt und wirbt für Vielfalt – zugleich bleibt Kritik am Umgang mit queerfeindlichen Vorfällen bestehen.
Kirche wirbt für schwule Marke

Religiöses Versehen mit Folgen

Die Mormonen-Kirche bewirbt versehentlich eine Modemarke für schwule und ehemalige Mitglieder – und löst Diskussionen aus.
Kink ohne Klischees

Unterwerfung neu gedacht

BDSM und schwule Sexualität lösen sich laut neuer Studien zunehmend von alten Rollenbildern – Dominanz und sexuelle Positionen sind nicht dasselbe.
Schwuler DJ geht viral

Pride-Auftritt sorgt für Hype

Der schwule DJ Cristobal Pesce wird nach seinem Auftritt beim Madrid Pride weltweit gefeiert. Hinter dem viralen Erfolg steht eine lange Karriere.
Saudi-Arabien wirbt um Gäste

WM zwischen Wandel und Kritik

Saudi-Arabien verspricht Offenheit für die WM 2034 – doch Homosexualität bleibt im Königreich strafbar.