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Kink ohne Klischees Wer führt wirklich? Neue Studien und Debatten über sexuelle Rollen

Von ms - 14.07.2026 - 16:30 Uhr
Kink ohne Klischees
Foto: IMAGO / Westend61
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Mit Filmen wie Pillion und anderen Darstellungen sexueller Machtspiele rücken Dominanz und Unterwerfung zunehmend in den Mainstream. Doch die tatsächlichen Rollenverteilungen entsprechen nicht immer den verbreiteten Vorstellungen. Denn Kontrolle zu haben und beim Sex „oben“ zu sein, sind nicht zwangsläufig dasselbe. Neue Studien und Debatten online zeigen dabei aktuelle Entwicklungen auf. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Kink- und BDSM-Praktiken werden zunehmend sichtbarer und gesellschaftlich akzeptierter.
  • Ein TikTok-Video über einen selbst bezeichneten Sub wurde millionenfach angesehen.
  • Experten betonen: Dominanz und sexuelle Positionen wie Top und Bottom sind nicht automatisch miteinander verbunden.
  • Schwule Männer hinterfragen zunehmend traditionelle Rollenbilder und starre Vorstellungen von Beziehungen und Sexualität.

Dominanz neu hinterfragt

Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt ein junger Sub, der auf TikTok unter dem Namen „camerashy“ auftritt. Er erklärte, dass er grundsätzlich bereit wäre, seinen Partner zu toppen – allerdings nur, wenn dieser es von ihm möchte: „Das Konzept, so unterwürfig zu sein, dass ich toppen würde, wenn mein Partner es möchte, klingt spannend“, schrieb er über ein Video, in dem er scheinbar erwartungsvoll in die Ferne blickt. Das Video wurde millionenfach angesehen und erreichte mehr als 1,5 Millionen Aufrufe – es ist eines von vielen ähnlichen Clips, die hinterfragen, was eine schwule Beziehung oder sexuelle Partnerschaft mit einem Dominanzgefälle heutzutage noch ausmacht. 

BDSM zwischen Fantasie und Realität

Die zunehmende Sichtbarkeit von Kink und BDSM zeigt, dass diese Praktiken längst weniger tabuisiert sind als früher. Aktuelle Studien des Cannon Instituts vom Januar dieses Jahres zufolge identifizieren sich inzwischen bis zu 15 Prozent der schwulen Männer als submissiv oder unterwürfig. Rund 45 Prozent der schwulen Erwachsenen gaben zudem an, bereits BDSM-Fantasien gehabt zu haben. Ähnlich hoch die Zahlen auch in der Gesamtgesellschaft, wie nebst „Pillion“ auch erfolgreiche Buch- und Filmreihen wie „Fifty Shades of Grey“ vermuten lassen. „Da gibt es eine Faszination, weil es oft als etwas Dunkles dargestellt wird“, so der Sex- und Intimitätscoach Court Vox. „Für manche Menschen ist genau das der aufregendste Teil daran. Wir bewegen uns im Verborgenen.“ Vox betonte zugleich, dass BDSM „extrem verbindend“ sein könne – und ebenso spielerisch und humorvoll, wenn es richtig praktiziert werde.

Mehr Sichtbarkeit, mehr Missverständnisse

Dating- und Kontaktplattformen wie Grindr oder Sniffies greifen Kink-Themen zunehmend auf und ermöglichen Nutzern, verschiedene Vorlieben und Fetische anzugeben. Sniffies gilt dabei als besonders Kink-orientiert, mit Auswahlmöglichkeiten wie beispielsweise „CNC“ („einvernehmliches Nicht-Einvernehmen“) bis hin zu „Unterwäsche“. Die größere Sichtbarkeit bringt jedoch auch Missverständnisse mit sich. Vor der Zeit von Smartphones mussten Menschen etwa Lederbars besuchen oder Kontaktanzeigen aufgeben, um Kink-Communitys kennenzulernen. Heute sind viele Zugänge durch digitale Plattformen einfacher geworden.

Eine der häufigsten Fehlannahmen betrifft dabei demnach offenbar die Verbindung zwischen Dominanz und sexueller Position. Viele gehen davon aus, dass ein Dom automatisch oben ist – doch das entspricht nicht mehr der Realität. Auch auf TikTok und X wiesen zahlreiche Nutzer auf diese Unterscheidung hin. Ein Kommentar fasste es so zusammen: „Alle paar Tage entdeckt ihr, dass Sub/Dom nicht dasselbe ist wie Top/Bottom.“ Ein weiterer Nutzer schrieb: „Es ist irgendwie schräg, schwul zu sein, aber trotzdem noch immer so stark in heteronormativen Vorstellungen mit einem Schuss Patriarchat verhaftet zu sein, dass die Idee, unterwürfig zu sein, ausschließlich der empfangenden Rolle, also Bottoms oder im weiteren Kontext Frauen, zugeschrieben wird. Für einige Top-Männer scheint Unterwürfigkeit noch immer so fremd und tabu zu sein.“

Schwule Beziehungen jenseits fester Rollen

Innerhalb sexueller Rollen gibt es demnach auch laut Studie inzwischen zahlreiche Varianten: Power Bottoms, Soft Tops und auch sogenannte Sub Doms. Die Einteilung in Top und Bottom beschreibt demnach nicht (mehr) automatisch Machtverhältnisse oder Persönlichkeit. Die größere Freiheit schwuler Beziehungen liegt für viele Menschen derweil gerade darin, starre traditionelle Rollenbilder abzulegen. Der „Mann“ ist nicht automatisch derjenige, der bestimmt, und der „Dom“ ist nicht automatisch derjenige, der oben ist. Die Grenzen zwischen Kontrolle, Lust und Rollenverteilung sind vielfältiger, als es alte Klischees vermuten lassen.

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