Declan Rice kämpft gegen Hass Fußball-Star unterstützte Kampagne gegen Homophobie
England kämpft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 um den Einzug ins Finale, morgen treten die Briten gegen Argentinien an. Während Kapitän Harry Kane und Mittelfeldspieler Jude Bellingham mit jeweils sechs Toren sportlich im Mittelpunkt stehen, rückt auch Declan Rice wegen seines Engagements gegen Homophobie jetzt verstärkt in den Fokus.
Das Wichtigste im Überblick
- England steht bei der Fußball-WM 2026 zum vierten Mal in der Geschichte im Halbfinale.
- Nationalspieler Declan Rice beteiligte sich an der Kampagne „GayVAR“ gegen homophobe Diskriminierung im Internet.
- Die Initiative nutzt die Idee des Videoassistenten VAR, um Fans zum Melden von Hasskommentaren zu bewegen.
- LGBTIQ+-Fans wünschen sich, dass weiterhin ein starker Fokus auf die Bekämpfung von Homophobie im Fußball gelegt wird.
- FIFA-Daten zeigen eine deutliche Zunahme von Online-Angriffen während der WM 2026.
- LGBTIQ+-Fanorganisationen kritisieren den erneut schwachen Einsatz der FIFA gegen Diskriminierung.
Kampagne gegen Homophobie
Der englische Nationalspieler beteiligte sich nach der Weltmeisterschaft 2022 in Katar längere Zeit an der Kampagne „GayVAR“, die gegen homophobe Beleidigungen in sozialen Netzwerken vorging. Die Initiative wurde Anfang 2023 offiziell vom britischen Telekommunikationsunternehmen EE über die Plattform „Hope United“ gemeinsam mit der Kampagne „Football v Homophobia“ ins Leben gerufen. Der Name der Initiative war eine Anspielung auf den Video Assistant Referee (VAR) im Fußball. Fans sollen dazu ermutigt werden, diskriminierende Kommentare zu erkennen, zu überprüfen und zu melden. In kurzen Videos übernahmen der Komiker Tom Allen und der frühere englische Nationalspieler Joe Cole die Rolle derjenigen, die solche Vorfälle bewerten. Die Kampagne setzte bewusst auf Humor. Sie wollte zeigen, wie unsinnig homophobe Beschimpfungen bei typischen Spielsituationen sind – etwa nach einer Schwalbe, einem Torwartfehler oder einer Niederlage.
Rice, der beim 2:1-Sieg Englands gegen Norwegen im WM-Viertelfinale sein 78. Länderspiel absolvierte, gehört zu den bekannten Premier-League-Spielern, die die Aktion unterstützten, inzwischen ist die Kampagne nicht mehr aktiv, geriet aber in diesen Tagen erneut medial in den Fokus. LGBTIQ+-Fangruppen forderten, auch weiterhin Homophobie am Beispiel der Aktion zu melden.
„Homophobie wie diese zerstört den Sport für alle“, bekräftigte auch Rice in einem Interview. „Wir müssen dagegen vorgehen.“ Eine Untersuchung im Zusammenhang mit „GayVAR“ ergab, dass fast drei Viertel der Menschen im Vereinigten Königreich Homophobie im Fußball als großes Problem ansehen. Ein Viertel der Befragten gab an, in den vergangenen zwei Jahren selbst homophobe Hassbotschaften im Internet gesehen zu haben. Gleichzeitig erklärte mehr als jeder Vierte, nichts dagegen unternommen zu haben.
Deutlich mehr Online-Angriffe
Der Social Media Protection Service (SMPS) der FIFA verzeichnete indes während der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2026 bereits einen 13-fachen Anstieg von Online-Missbrauch. Besonders deutlich nahmen rassistisch motivierte Angriffe im Vergleich zur gleichen Phase der WM 2022 in Katar zu. Eine umfassende Auswertung soll später im Jahr veröffentlicht werden. Die Weltmeisterschaft der Männer in Katar war das erste Turnier, bei dem der SMPS eingesetzt wurde. Mithilfe von Moderations- und Überwachungssoftware sollten schädliche Inhalte und diskriminierende Beiträge gegen Spieler erkannt und verborgen werden.
Nach Angaben der FIFA war bei der WM in Katar „Homophobie weit verbreitet, und die Reaktionen der Plattformen schienen durch kulturelle Unterschiede erschwert worden zu sein, die Maßnahmen zu verhindern schienen.“ Auch bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2023 kam das System zum Einsatz. Dort waren nach Angaben der FIFA mehr als 20 Prozent der erkannten beleidigenden Nachrichten homophober Art. Bei dem Turnier in Australien und Neuseeland spielten fast 100 offen LGBTIQ+-lebende Spielerinnen mit.
Erneute Kritik an FIFA
Während der laufenden Weltmeisterschaft wächst dabei erneut die Kritik an der Bekämpfung von Online-Hass der FIFA. Auch die Spielergewerkschaft FIFPRO fordert weitere Maßnahmen. „Während die FIFA-Weltmeisterschaft der Männer in ihre entscheidende Phase eintritt, ruft FIFPRO zu gemeinsamen Maßnahmen auf, um Spieler vor einem zunehmenden Muster von Missbrauch zu schützen, das einige Medienberichte, die Folgen von Spielen und das Ausscheiden von Mannschaften umfasst“, erklärte die Organisation. Auch in Stadien kommt es weiterhin zu homophoben Vorfällen. Beim WM-Spiel Englands gegen Mexiko soll Nationaltorhüter Jordan Pickford aus Teilen des Publikums mit homophoben Gesängen beleidigt worden sein.
Die offizielle LGBTIQ+-Fanorganisation Englands, Three Lions Pride, kritisierte den Vorfall und verwies zugleich darauf, dass die FIFA ihre öffentlichen Anti-Diskriminierungsbotschaften reduziert habe. Die Kampagne „Unite for Inclusion“ innerhalb der FIFA-Initiative „Football Unites the World“ wurde bei dieser Männer-WM nicht fortgeführt. Zuvor sei sie der einzige sichtbare Bestandteil der FIFA-Kampagnen gewesen, der sich konkret auf die Unterstützung von LGBTIQ+-Rechten bezogen habe. Three Lions Pride erklärte gemeinsam mit „Pride in Football“, dem Netzwerk von LGBTQ+-Fanorganisationen im Vereinigten Königreich: „Die Abschwächung der Anti-Diskriminierungsbotschaften durch die FIFA im Vorfeld und während dieses Turniers hat spürbare Auswirkungen gehabt. Als Hüter des Spiels hat die FIFA die Verantwortung, es zu schützen und es zum schönen Spiel für alle zu machen.“
Spieler anderer Länder
Der Kampf gegen Homophobie betrifft nicht nur England. Auch Spieler anderer Nationalmannschaften haben sich in der Vergangenheit öffentlich gegen Hass geäußert. So reagierte der spanische Nationalspieler Borja Iglesias auf eine homophobe Beleidigung auf der Plattform X. Ein Nutzer hatte ihn mit einer entsprechenden Beschimpfung angegriffen. Nach Einschätzung von LGBTIQ+-Fußball-Fanverbänden sind bekannte Spieler, die sich gegen Hass und Diskriminierung einsetzen, besonders wichtig – auch weil die FIFA ganz offensichtlich bestimmte Formen der Diskriminierung gegen homosexuelle und queere Menschen nicht deutlich genug benennt.