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Evers übernimmt Verantwortung
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Evers übernimmt Verantwortung CDU setzt auf neuen Kurs, Wahlkampf unter Druck

ms - 14.07.2026 - 11:00 Uhr
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Die Berliner CDU hat Stefan Evers als neuen Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September nominiert. Der Landesvorstand sprach sich nach Angaben eines Parteisprechers einstimmig für den offen schwulen 46-Jährigen aus.

Das Wichtigste im Überblick

  • Stefan Evers ist neuer Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September.
  • Der Landesvorstand wählte den 46-Jährigen einstimmig.
  • Evers übernimmt zudem kommissarisch den Landesvorsitz der Partei.
  • Vorgänger Kai Wegner hatte seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur erklärt.
  • Die CDU kämpft zuletzt mit schlechten Umfragewerten und internen Diskussionen.

Schwierige Zeiten 

Evers übernimmt zusätzlich vorübergehend den Vorsitz der Berliner CDU. Auch diese Entscheidung traf der Landesvorstand einstimmig, wie die Partei mitteilte. Die formale Wahl des Landesvorsitzenden soll bei einem Parteitag erfolgen. Der Wechsel an der Spitze wurde notwendig, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner am Freitag seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärt hatte. Zuvor hatte es über Monate hinweg Diskussionen über widersprüchliche und falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement nach dem tagelangen Stromausfall in Berlin im Januar gegeben.

Zuletzt hatte Wegner auch innerhalb der eigenen Partei an Rückhalt verloren. Mehrere CDU-Kreisvorsitzende distanzierten sich von ihm. Zudem forderten fünf CDU-Mitglieder in einem offenen Brief seinen Rücktritt als Regierender Bürgermeister und CDU-Spitzenkandidat. Auch die Umfragewerte der Partei waren zuletzt deutlich gesunken. Im Berlin-Trend von Infratest Dimap lag die CDU nur noch bei 17 Prozent und damit auf Platz vier. Bis zur Wahl zum Abgeordnetenhaus verbleiben nur noch etwas mehr als zwei Monate.

„Keine einfache Situation“

Nach seiner Wahl sprach Evers von einer schwierigen Ausgangslage. „Die Situation, in der wir stehen, ist keine einfache“, sagte er. Gleichzeitig sei der CDU ihre Verantwortung für die Stadt bewusst. Wegner habe mit seinem Rückzug von der Spitzenkandidatur den Blick „für das Wesentliche“ freigemacht. „Dafür wollen wir gemeinsam die CDU Berlin bestmöglich aufstellen“, sagte Evers. In der rbb24 Abendschau erklärte der neue Spitzenkandidat, die Kandidatur sei nicht Teil seiner ursprünglichen „Lebensplanung“ gewesen. „Aber ich stelle mich jetzt der Situation.“ Er wolle nun „nicht um der Partei willen, sondern um der Stadt willen“ alles geben. Aus der CDU-Spitze kamen positive Reaktionen. 

Schwerpunkte für den Wahlkampf

Dass Evers als kommissarischer Parteichef gleichzeitig Mitglied des Senats und Teil der Koalition mit der SPD bleibt, sieht er nicht als Problem. Es gebe weiterhin ausreichend Möglichkeiten zur eigenen politischen Profilierung. „Mit Verlaub, ich verstecke mich nicht hinter den Erfolgen des Senats. Wir haben eine ganze Menge vorzuweisen, eine Bilanz, wovon man sagen muss, die Richtung stimmt“, so Evers. „Worauf ich in den nächsten Wochen hinweisen werde, ist, warum es die CDU genau für diese Richtung braucht.“

Als eines seiner zentralen Themen nannte Evers soziale Gerechtigkeit. Gutverdienende müssten stärker in die Verantwortung genommen werden. „Wenn Gutverdiener von einer Kostenlos-Politik nach wie vor profitieren, wenn zwei Euro für Schul-Mittagessen zu viel sein soll für eine gut situierte Familie am Kurfürstendamm, dann frage ich mich, ob das sozial gerecht ist. Ich finde, wir sollten die starken Schultern auch mehr schultern lassen, damit wir für anderes auch den Raum haben“, so der CDU-Politiker.  Außerdem brauche Berlin nach seiner Ansicht mehr Wohnraum mit bezahlbaren Mieten. Dieser entstehe nicht, indem potenzielle Investoren abgeschreckt würden. 

Evers will Stadt sauberer machen

Inzwischen kündigte Evers weitere politische Schwerpunkte an. Gegen die „zunehmende Vermüllung“ Berlins will er nach eigenen Angaben mit strengeren Regeln und mehr Kontrolle vorgehen. „Wir steuern dagegen – mit drastischen Bußgeldern und Personal zur konsequenten Durchsetzung der Regeln“, sagte Evers der FAZ. Das sei jedoch nur ein Anfang. „Ich finde, wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben – zum Beispiel, indem er dabei hilft, Berlin sauber zu halten.“

„Ich stehe für einen modernen Konservatismus“, sagte er. Zugleich erklärte er: „Ich werde alles tun, eine linksgrüne Regierung in Berlin zu verhindern.“ Die Linkspartei wolle mit ihrer Enteignungspolitik die Soziale Marktwirtschaft zerstören, habe ein Antisemitismusproblem und wolle die Polizei schwächen. „Wer das nicht wolle, müsse CDU wählen.“ Nach den Brandanschlägen auf das Berliner Stromnetz fordert Evers außerdem bessere Vorbereitungen auf Krisen. Notwendig seien „klare Führungsverantwortung, ein gemeinsames Lagezentrum, regelmäßige Übungen und eine Verwaltung, die auch im Ausnahmefall handlungsfähig bleibt“. Kritische IT-Strukturen müssten auch bei Stromausfällen funktionieren können.

Offener Umgang mit Homosexualität

Evers lebt offen schwul und hat seine sexuelle Orientierung nie verborgen. 2015 verpartnerte er sich, inzwischen ist er verheiratet. Sein Privatleben hält er ansonsten weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Im November 2025 sprach er in dem Talkformat „Schattenkabinett“ mit der Dragqueen Margot Schlönzke im Berliner BKA-Theater und erklärte: „Ich habe nie Politik gemacht, um für meine Identität zu streiten.“ Sein Eintritt in die CDU im Jahr 1998 habe nur am Rande mit seinem Leben als schwuler Mann zu tun gehabt. Auch nach seinem Wechsel zur Berliner CDU 1999 habe er innerhalb der Partei „nie Widerstände erfahren“.

Evers sprach zudem über den Einfluss des früheren Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und dessen berühmten Satz: „Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Dieser Satz habe ihn geprägt. Als Wowereit seinen Rücktritt angekündigt habe, habe er ihm einen persönlichen Brief geschrieben und erklärt, welche Bedeutung diese Aussage auch für ihn selbst und sein „entscheidendes Fortkommen“ gehabt habe. Wowereit sei es gelungen, über Parteigrenzen hinweg Akzeptanz zu schaffen. Das könne man „gar nicht genug wertschätzen“.

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