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Abermals Kritik an der FIFA
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Abermals Kritik an der FIFA Forderung nach strengen Konsequenzen im Fußball

ms - 06.07.2026 - 15:00 Uhr
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Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sieht der französische Aktivist Julien Pontes weiterhin erhebliche Defizite im Kampf gegen Homophobie im Profifußball. Homophobe Gesänge in Stadien, Streit um Regenbogenflaggen und das Fehlen offen homosexueller Profispieler zeigten nach seiner Einschätzung, dass bestehende Maßnahmen gegen Diskriminierung nicht konsequent umgesetzt würden. Bereits seit Wochen gibt es immer wieder Kritik an der FIFA, dass diese ihre eigenen Regeln gegen Homophobie missachte

Das Wichtigste im Überblick

  • Aktivist Julien Pontes kritisiert mangelnden Kampf gegen Homophobie im Fußball
  • FIFA-Protokoll gegen Diskriminierung werde nach seiner Einschätzung nicht konsequent angewendet
  • Gesetzesinitiative soll Vereine stärker für das Verhalten ihrer Fans verantwortlich machen
  • Französische Sportministerin steht wegen ausbleibender Gespräche mit LGBTIQ+-Verbänden in der Kritik
  • Auch die französische Profiliga wird wegen Änderungen am Aktionstag gegen Homophobie kritisiert
  • Pontes hält ein Coming-Out aktiver Profispieler derzeit für zu riskant

Homophobe Gesänge 

Pontes ist Mitbegründer des französischen Vereins Rouge Direct, der homophobe Vorfälle im Fußball dokumentiert. Nach seinen Worten unterscheidet sich die Situation bei der Weltmeisterschaft kaum von den Problemen im französischen Ligafußball. „Bei der Weltmeisterschaft sehen wir im großen Maßstab das, was auch im französischen Fußball passiert. Man muss das Null-Toleranz-Protokoll der FIFA gegen Diskriminierung anwenden. Dieses sieht vor, ein Spiel bei homophoben Vorfällen zu unterbrechen. Zunächst erfolgt eine Lautsprecherdurchsage mit der Warnung, dass das Spiel endgültig abgebrochen werden kann, wenn die Gesänge nicht aufhören. Das ist ein vernünftiges Protokoll, es existiert – wird aber nicht angewendet.“ Zuletzt gerieten hier die Fans von Mexiko erneut wegen homophoben Gesängen in die Kritik

Gesetzliche Verschärfung 

Gemeinsam mit der französischen Parlamentsabgeordneten Danièle Simonnet setzt sich Pontes deshalb für eine gesetzliche Verschärfung ein. Vereine sollen stärker für das Verhalten ihrer Anhänger verantwortlich gemacht werden. „Das ist aus unserer Sicht die wirksamste und zugleich praktikabelste Lösung, um Fußballvereine für das Verhalten ihrer Fans verantwortlich zu machen“, sagt Pontes. Der Gesetzesvorschlag solle eine bereits bestehende Entscheidung des französischen Staatsrats dauerhaft im Sportgesetz verankern.

„Dadurch würde die Anwendung der Regeln automatisch erfolgen. Denn eine Entscheidung des Staatsrats kann durch eine Verwaltungsentscheidung wieder aufgehoben werden. Steht es im Gesetz, ist es verbindlicher: Verstoß gegen die Verpflichtung gleich Sanktionen. Wir verlangen nichts Außergewöhnliches. Dieser Gesetzesvorschlag hätte von Hunderten Abgeordneten unterstützt und von der Sportministerin getragen werden müssen. Doch letztlich ist nichts passiert.“ 

Schweigen auch in Frankreich 

Scharfe Kritik richtet Pontes deswegen auch an Frankreichs Sportministerin Marina Ferrari. Mehrere LGBTIQ+-Organisationen hätten bereits Anfang des Jahres um Gespräche gebeten, Termine seien jedoch wiederholt verschoben oder abgesagt worden. „Wir hatten im Februar zunächst ein Treffen mit ihrem Kabinett. Im April sollte dann ein Gespräch mit der Ministerin stattfinden, doch es wurde kein Termin angeboten. Wir haben erneut nachgehakt, sollten sie am 14. Mai treffen – und sie sagte den Termin wieder ab. Das ist eine Beleidigung der LGBT+-Community. Es geht hier um ein breites Bündnis wichtiger Organisationen im Kampf gegen Homophobie, und wir wurden bis heute nicht empfangen. So etwas haben wir noch nie erlebt. Die Ministerin weigert sich, gegen Homophobie im Fußball zu kämpfen.“ Auch die Entscheidung der französischen Profiliga (LFP), beim jährlichen Aktionstag gegen Homophobie künftig auf die Regenbogenfarben zu verzichten, bewertet Pontes negativ.

„Diese Aktion war sinnvoll, hätte aber von einer besseren Begleitung der Spieler profitieren müssen, damit sie die Bedeutung verstehen. Es hätte eine gemeinsame Reflexion mit der LFP geben müssen. Stattdessen hat sie die Aktion aufgegeben und sich für ein neues Konzept gelobt, das den Kampf gegen Homophobie völlig unsichtbar macht, weil alle Diskriminierungsformen zusammengefasst werden. Wir haben alles getan, um gegen diese Entscheidung zu protestieren, aber niemand hat reagiert. Die LFP hat 15 Jahre Kampf gegen Homophobie in den Papierkorb geworfen.“ Den von der Französischen Fußballföderation organisierten „Pride Cup“ hält Pontes dagegen nur für begrenzt wirksam. „Die Wirkung ist gering. Wenn ein Profifußballer das Pride-Turnier in sozialen Netzwerken geteilt oder daran teilgenommen hätte, wäre das sichtbar gewesen. Doch die eigentliche Dringlichkeit liegt dort, wo Fans in den Stadien – vom Vélodrome bis zum Parc des Princes – homophobe Vorfälle verursachen. Genau dort muss der Kampf gegen Homophobie stattfinden.“

LGBTIQ+ wird nicht thematisiert bei WM

Enttäuscht zeigt sich Pontes auch darüber, dass vor dem WM-Spiel Frankreichs gegen Senegal weder der französische Fußballverband noch Nationalspieler die verschärfte Verfolgung von LGBTIQ+-Menschen im westafrikanischen Land öffentlich thematisierten. „Die Kriminalisierung von LGBT-Personen im Senegal hat sich seit März dramatisch verschärft. Eine Stellungnahme wäre ein starkes Signal gewesen und eigentlich selbstverständlich, weil uns mit diesem Land eine gemeinsame Geschichte verbindet. Aber natürlich ist nichts passiert. Das ist einerseits nicht überraschend, andererseits sehr entmutigend.“ Mit Blick auf das als „Pride-Spiel“ bezeichnete WM-Duell zwischen Iran und Ägypten warnt Pontes davor, den Fokus ausschließlich auf einzelne Staaten zu richten.

„Diese Länder gehören zu den schlimmsten, was LGBT-Rechte betrifft. Aber wir sollten uns nicht nur auf dieses Spiel konzentrieren, auch wenn das berechtigt wäre. Diese große Aufmerksamkeit darf nicht dazu führen, dass die Verantwortung der 64 anderen Staaten ausgeblendet wird, in denen Homosexualität ebenfalls kriminalisiert wird. Die Herausforderungen sind viel größer.“ Ein öffentliches Coming-Out aktiver Profifußballer hält Pontes unter den derzeitigen Bedingungen für kaum vorstellbar.

„Unter den aktuellen Bedingungen wäre das zu riskant. Wie könnte ein schwuler Spieler in einem Umfeld, in dem Homophobie zunehmend normalisiert wird, ein solches Risiko eingehen? Das könnte eine gesamte Karriere und alle Opfer zunichtemachen, die oft schon seit der Kindheit erbracht wurden. Wenn überhaupt, dann würde ich mich erst am Ende meiner Karriere outen.“ Während der Weltmeisterschaft unterstützte Pontes nach eigenen Angaben trotz des frühzeitigen Ausscheidens besonders die deutsche Nationalmannschaft. „Ich mag die deutsche Mannschaft von Manuel Neuer, weil sie sich seit Langem sehr klar und entschlossen gegen Homophobie positioniert.“

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