Direkt zum Inhalt

Verfassungsänderung im Senegal Ehe wird als Verbindung von Mann und Frau festgeschrieben

Von ms - 06.07.2026 - 13:00 Uhr
Verfassungsänderung im Senegal
Foto: IMAGO / Dreamstime
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Parlament im Senegal hat jetzt eine Verfassungsänderung verabschiedet. Mit 129 Stimmen bei keiner Gegenstimme wurde festgelegt, dass die Ehe künftig ausschließlich als „die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau“ definiert wird. Damit geht das Land nach dem verschärften Anti-Homosexuellen-Gesetz von April dieses Jahres erneut mit aller Härte gegen Schwule und Lesben vor. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Parlament im Senegal beschließt Verfassungsänderung ohne Gegenstimmen
  • Ehe künftig nur noch als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert
  • Gleichgeschlechtliche Handlungen bereits seit 1965 strafbar
  • Verschärfte Strafen gegen Homosexuelle seit April 2026 in Kraft 
  • Regierung wird politische Motive und innerparteiliche Spannungen zugeschrieben

Radikalisierung in der Verfassung

Damit wird eine zuvor eher offene Formulierung in der Verfassung ersetzt. Bislang hatte Artikel 17 lediglich festgehalten: „Ehe und Familie bilden die natürliche und moralische Grundlage der menschlichen Gesellschaft und stehen unter dem Schutz des Staates“. Der nun ergänzte Satz lautet: „Die Ehe ist die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau“. Im Senegal sind gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen bereits seit 1965 strafbar. Seit April gilt zudem eine verschärfte Linie gegen homosexuelle Personen, die das Strafmaß für gleichgeschlechtliche Handlungen und Sex auf zehn Jahre verdoppelt hat. Berichten zufolge kam es seitdem zu Hunderten Festnahmen von schwulen Männern. Nebst Homosexualität selbst sind auch politische Aktivitäten zur Unterstützung von LGBTIQ+-Rechten untersagt.

Die Verfassungsänderung wird von Beobachtern und Menschenrechtsaktivisten im Zusammenhang mit dieser Entwicklung gesehen. Ein politischer Analyst aus Dakar, der unter dem Pseudonym Sadio zitiert wird, sagte: „Es besteht kaum Zweifel daran, dass die Regierungspartei diesen Aspekt der Verfassungsänderung stark betont, um die senegalesische Bevölkerung zu beruhigen und zu zeigen, dass sie eine Anti-Homosexuellen-Agenda verfolgt, nach der Verschärfung des Strafrechts im Frühjahr.“

Ablenkung von innenpolitischen Spannungen 

Weiter heißt es, die Maßnahme solle auch innerparteiliche Spannungen nach der Entlassung des früheren Premierministers Ousmane Sonko abmildern. Als inhaltlicher Ausgangspunkt der Debatte gilt zudem ein Kommentar in der staatlichen Zeitung Le Soleil mit dem Titel „Ein wissenschaftlicher Ansatz zur Auslöschung der Homosexualität im Senegal“. Die Verfassungsänderung enthält keine Definition der Begriffe Mann oder Frau. Dennoch wird dadurch ein binäres Verständnis rechtlich festgeschrieben, das insbesondere intersexuelle Menschen auch benachteiligen kann. Vor dem Hintergrund ähnlicher Entwicklungen in anderen Ländern der Region wird der Schritt als weiterer Rückschlag für LGBTIQ+-Rechte im frankophonen Afrika bewertet.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesSüddeutsche Zeitung„Sextortion“ in München: Er wollte sich zum Sex treffen. Dann wurde er erpresstrbb24Queere Demo in Kreuzberg: Mehrere tausend Menschen fordern Schutz queeren LebensndQueeres Leben | Casa Kuá Demo in Berlin: »Hände weg von Trans Leben!«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Taiwan Pride setzt ein Zeichen

Solidarität statt Ausgrenzung

Vor der Pride am 31. Oktober fordern die Organisatoren Respekt für queere Menschen mit Behinderung, HIV und unterschiedlichen sexuellen Lebensweisen.
Phuket übt den queeren Empfang

InterPride tagt erstmals in Asien

Vor der InterPride-Konferenz schult Phuket Personal im Umgang mit internationalen LGBTIQ+-Gästen. Der Kongress beginnt am 29. Oktober.
Iga lehnt Ehe-Anmeldung ab

Bürgermeister fordert Reform

Die japanische Stadt Iga wollte die Ehe-Anmeldung eines gleichgeschlechtlichen Paars prüfen. Die Justizbehörde bestand auf einer Ablehnung.
Ärger um den sexy Jesus

Film lief trotz Protest in Genf

Civitas wollte „Hunky Jesus“ aus dem Genfer Festivalprogramm drängen. Der Film lief trotzdem. Nun erwägt die Organisation eine Anzeige.
Schwuler Tory sagt Tschüss

Boff geht im Menschenrechtsstreit

Andrew Boff verlässt die Konservativen. Der Londoner Politiker will am Schutz durch die Europäische Menschenrechtskonvention festhalten.
Stars zeigen Solidarität

Berlin feiert für die Aids-Hilfe

Sven Ratzke, T-Seven und The Baseballs: Am 2. November steigt „Künstler gegen Aids“. Annabelle Mandeng führt durch die Berliner Gala.
Comeback für das Kurioos

Neustart am 29. Oktober

Das Kurioos öffnet am 29. Oktober um 18 Uhr wieder. Kevin Bauer übernimmt die queere Koblenzer Bar – und startet rauchfrei.
Urteil nach Schwulen-Hetze

Ex-AfD-Mann fehlt bei Verkündung

800 Euro Geldstrafe nach homophoben Beleidigungen in Hamburg: Ein früherer AfD-Kommunalpolitiker erschien nicht zur Urteilsverkündung.
Messerangriff vor Bussi Bar

Zwei Helfer schwer verletzt

Vor der queerfreundlichen Bussi Bar in Berlin wurden zwei Helfer mit einem Messer verletzt. Zuvor hatte ein Trio eine Mitarbeiterin angegriffen.