Proteste in Hamburg Trans* Menschen und Sexarbeiter wollen Zeichen setzen
Beim Christopher Street Day (CSD) in Hamburg am kommenden Wochenende wollen trans* Menschen und Sexarbeiter am 1. August mit einer besonderen Protestform auf die Situation queerer Menschen aufmerksam machen. Der trans* und Sexarbeiter-Block plant während der Demonstration ein sogenanntes Die-In. Dabei legen sich die Teilnehmer als Zeichen des Protests gemeinsam auf die Straße, als wären sie tot.
Das Wichtigste im Überblick
- Beim CSD Hamburg am 1. August plant der trans* und Sexarbeiter-Block ein Die-In als gewaltfreie Protestaktion.
- Die Organisatoren wollen auf die zunehmende Gefährdung queerer Menschen und Verschlechterungen ihrer Lebensbedingungen aufmerksam machen.
- Anlass sind unter anderem der Anschlag in Berlin, eine geplante Hamburger Meldedatenverordnung sowie Veränderungen bei Beratungs- und Versorgungsangeboten.
- Die Veranstalter kritisieren mögliche Folgen für die Privatsphäre, Sicherheit und medizinische Versorgung von trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen.
Protest beim CSD
Mit der gewaltfreien Aktion solle auf die zunehmende Gefährdung queerer Menschen sowie auf die, aus Sicht der Organisatoren, wachsenden Einschränkungen ihrer Lebensrealitäten hingewiesen werden. Als Gründe für den Protest nennen die Veranstalter unter anderem den Anschlag auf den Berliner CSD, die geplante Hamburger Meldedatenverordnung, die drohende Schließung der Beratungsstelle 4Be Trans-Sucht-Hilfe sowie Veränderungen bei der medizinischen Versorgung von trans* Menschen. In einer Pressemitteilung erklären die Organisatoren: „Angst gehört für viele queere Menschen längst zum Alltag. Der Anschlag in Berlin hat erneut gezeigt, wie verletzlich unsere Community ist. Deshalb darf im Umgang mit diesem Gewaltakt das Motiv nicht geleugnet werden. Transfeindlicher Aktivismus wird zunehmend fanatischer – und ist für Menschen wie uns lebensgefährlich.“
Kritik an Meldedatenverordnung
Kritik äußern die Initiativen auch an einer geplanten neuen Meldedatenverordnung der Hamburger Innenbehörde, die sich nach Angaben der Veranstalter am Vorgehen Baden-Württembergs orientieren soll. Für trans* Personen hätte dies nach Darstellung der Initiativen weitreichende Folgen. Daten wie abgelegte Vornamen und der bei der Geburt eingetragene Geschlechtseintrag würden künftig gegenüber Hamburger Behörden offengelegt. Die baden-württembergische Landesregierung begründete die Weitergabe von Daten zu Änderungen des Namens und Geschlechtseintrags mit der besseren Erfüllung polizeilicher Aufgaben, insbesondere bei Gefahrenabwehr und Ermittlungen.
Die Organisatoren bewerten dies als erheblichen Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung. Dadurch könnten Risiken für Diskriminierung, falsche Behandlung und Gewalt steigen. „Solch ein Eingriff bringt keinen Nutzen für die Gesellschaft oder die Behördenabläufe, sondern knüpft an Traditionen im deutschen Recht an, über marginalisierte Gruppen staatlich zu verfügen und sie mit bürokratischen Zumutungen zu belasten“, heißt es in der Mitteilung. Die Folgen für die psychische Gesundheit von trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen seien „erkennbar und messbar“.
Sorge um Beratungsstelle
Weitere Kritik richtet sich gegen die geplante Einstellung der Förderung und Arbeit der Hamburger Beratungsstelle 4Be zum 31. Dezember 2026. Die Einrichtung sei nach Angaben der Initiativen eine wichtige Anlaufstelle für trans* und genderdiverse Menschen in Hamburg. Zudem warnen die Veranstalter vor Veränderungen bei der medizinischen Versorgung. Diese solle künftig weitgehend im Rahmen der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) erfolgen. Für Hamburg würde dies nach ihrer Einschätzung bedeuten, dass die medizinische Versorgung von trans* Menschen faktisch auf eine große Klinik konzentriert werde. „Dies käme einer Pathologisierung der Versorgung gleich und würde die Zugänge für viele Betroffene massiv erschweren“, heißt es weiter
Aufruf zur Teilnahme am Die-In
Vor diesem Hintergrund wollen die Organisatoren ihren Protest beim diesjährigen CSD sichtbar machen. „Während der Demonstration wird sich der gesamte trans* Block auf die Straße legen“, kündigen sie an. Damit solle deutlich gemacht werden: „Diese politischen Planungen nehmen die Schädigung und letztlich den Tod von trans* Menschen billigend in Kauf.“ Die Veranstalter betonen weiter: „Sichtbarkeit und gemeinsamer Protest sind in dieser Situation unverzichtbar.“
Unterstützt wird der Aufruf unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Intergeschlechtlichkeit e.V. (dgti), VLSP – Fachverband für queere Menschen in der Psychologie e.V., enby:galactic+trans:tastic, Hanse X-Men, TDOR-Hamburg, TRANSCOMMUNITY HAMBURG, TransHafen, Schwesternzeit, Ragazza e.V. und Sperrgebiet. Der Treffpunkt für den trans* und Sexarbeiter-Block ist am 1. August um 12.00 Uhr an der Lübecker Straße, Startplatz 41.