Wohnungslos in Deutschland Junge schwule Männer verstärkt im Fokus
In Deutschland waren zum Stichtag 31. Januar 2026 rund 452.900 Menschen aufgrund von Wohnungslosigkeit untergebracht. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mit. Damit sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent oder 21.800 Personen. Eine hohe Anzahl der Betroffenen sind dabei homosexuell oder queer.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund 452.900 Menschen waren zum Stichtag 31. Januar 2026 in Deutschland wohnungslos untergebracht.
- Studien schätzen mindestens 55.000 LGBTIQ+-Personen unter den Wohnungslosen, teils auch bis zu rund 72.000.
- Untergebrachte Wohnungslose sind im Schnitt 31 Jahre alt und mehrheitlich männlich.
- Alleinstehende bilden die größte Haushaltsgruppe unter den Wohnungslosen.
Statistik erfasst nur Teil der Problematik
Die neue Statistik erfasst Personen, die etwa in überlassenem Wohnraum, Sammelunterkünften oder Einrichtungen für Wohnungslose untergebracht sind. Obdachlose Menschen ohne Unterkunft sowie verdeckte Wohnungslosigkeit sind darin nicht enthalten, sodass die Gesamtzahl der Menschen ohne Wohnung noch einmal deutlich höher sein dürfte. Unterschieden wird zudem zwischen wohnungslos und obdachlos, letztere leben auf der Straße, während erstere oftmals bei Freunden oder Bekannten unterkommen können. Unter den untergebrachten Wohnungslosen waren laut Destatis rund 85 Prozent ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) stammte aus der Ukraine. Ihre Zahl lag bei 128.900 Personen. Die Zahl deutscher Staatsangehöriger betrug 67.200 Personen.
Junge Männer unter 30 Jahren
Das Durchschnittsalter der untergebrachten Wohnungslosen lag bei 31 Jahren. 41 Prozent waren jünger als 25 Jahre, 39 Prozent zwischen 25 und 50 Jahre alt und 19 Prozent 50 Jahre oder älter. Rund 57 Prozent waren Männer und rund 42 Prozent Frauen. Nach Haushaltsstruktur stellten Alleinstehende mit 158.700 Personen (35 Prozent) die größte Gruppe dar. 33 Prozent lebten in Paarhaushalten mit Kindern, 17 Prozent in Alleinerziehenden-Haushalten, sieben Prozent in sonstigen Mehrpersonenhaushalten und vier Prozent in Paarhaushalten ohne Kinder. Bei vier Prozent war der Haushaltstyp unbekannt. Im Bundesländervergleich wurden die meisten untergebrachten Wohnungslosen in Nordrhein-Westfalen (104.700) registriert, gefolgt von Baden-Württemberg (90.800) und Berlin (57.600).
Besonders betroffen: LGBTIQ+-Personen
Studien der letzten Jahre weisen darauf hin, dass Homosexuelle und queere Menschen überdurchschnittlich häufig von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Gründe dafür liegen unter anderem in familiären Konflikten nach dem Coming-out, Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt sowie fehlender sozialer Unterstützung. Gerade junge LGBTIQ+-Personen gelten als besonders gefährdet. Viele – insbesondere männliche Jugendliche – werden nach einem Coming-out von ihren Familien ausgeschlossen oder verlassen das Elternhaus aufgrund homophober oder stark konservativer Einstellungen im familiären Umfeld. Dies führt häufig dazu, dass sie in sehr jungen Jahren in Wohnungsnot geraten oder in prekären Wohnsituationen leben müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 55.000 LGBTIQ+-Personen in Deutschland wohnungslos sind. Andere Studien der vergangenen Jahre kommen sogar auf mehr als 72.000 Betroffene.
Soziale Struktur und Risikofaktoren
Neben LGBTIQ+-Personen zeigen die Daten eine insgesamt junge und männlich geprägte Gruppe unter den Wohnungslosen. Die Mehrheit ist alleinstehend, was die soziale und wirtschaftliche Vulnerabilität zusätzlich verstärken kann. Experten verweisen zudem darauf, dass Migration, unsichere Beschäftigung und fehlender Zugang zu Wohnraum zentrale Faktoren der Wohnungslosigkeit bleiben. Gerade das Zusammenspiel aus Diskriminierung, familiären Brüchen und strukturellen Hürden auf dem Wohnungsmarkt führt laut Studien dazu, dass queere Menschen in besonderem Maße gefährdet sind, dauerhaft in Wohnungsnot zu geraten.