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Verbot ohne Schlupflöcher? Erster Entwurf für britisches Umpolungsverbot nach acht Jahren

Von ms - 25.06.2026 - 13:30 Uhr
Verbot ohne Schlupflöcher?
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
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Was lange währt, wird endlich gut?! Die britische Regierung hat jetzt einen Gesetzentwurf veröffentlicht, der sogenannte Konversionstherapien künftig verbieten soll. Die Vorlage wurde heute vorgestellt, nachdem die Regierung bereits Anfang des Jahres in der sogenannten King's Speech entsprechende Pläne angekündigt hatte. Seit mehr als acht Jahren versuchen inzwischen wechselnde Regierungen, das Vorhaben umzusetzen – und scheiterten stets. Ob es nun kurz vor einem anstehenden Regierungschef-Wechsel in Großbritannien gelingen wird, wird in der britischen Community bereits skeptisch diskutiert. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die britische Regierung hat einen Gesetzentwurf zum Verbot von Konversionspraktiken veröffentlicht.
  • Das geplante Gesetz soll sowohl die sexuelle Orientierung als auch die Geschlechtsidentität schützen.
  • Trans* Menschen sollen ausdrücklich in das Verbot einbezogen werden.
  • Die ersten Pläne für ein Verbot reichen bis ins Jahr 2018 zurück.
  • LGBTIQ+-Organisationen begrüßen den Schritt, wollen den Entwurf aber genau prüfen.
  • Stonewall spricht von einem „historischen und längst überfälligen Schritt“.

Das ewige Vorhaben 

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, wäre es künftig verboten, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität einer Person durch sogenannte Konversionspraktiken verändern zu wollen. Nach Angaben der Regierung soll das Verbot ausdrücklich auch trans* Menschen einschließen. Mit der Veröffentlichung des Entwurfs wird ein Vorhaben vorangetrieben, das bereits seit Jahren diskutiert wird. Erstmals hatte sich die britische Regierung 2018 unter der damaligen Premierministerin Theresa May im Rahmen des „LGBT Action Plan“ zu einem Verbot bekannt. Auch die späteren Regierungschefs Boris Johnson und Keir Starmer hatten ihre Unterstützung für entsprechende Regelungen bekräftigt. Im Mai dieses Jahres hatte die Regierung während der King's Speech zum zweiten Mal klargestellt, dass die geplante Gesetzgebung trans* Menschen ausdrücklich einbeziehen soll.

Vorsichtige Freude 

LGBTIQ+-Organisationen begrüßten die Veröffentlichung des Entwurfs, kündigten jedoch zugleich eine eingehende Prüfung der geplanten Regelungen an. Sowohl Stonewall als auch die Ban Conversion Practices Coalition wollen nach eigenen Angaben sicherstellen, dass die gesamte queere Community umfassend geschützt wird. Simon Blake, Geschäftsführer von Stonewall, erklärte: „Dieses Gesetz sendet eine klare Botschaft an LGBTIQ+-Menschen: Sie müssen nicht ändern, wer sie sind – sie sind nicht kaputt und müssen nicht ‚repariert‘ werden. In einer Zeit, in der die Rechte von LGBTIQ+-Menschen unter Druck stehen und wir eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber der LGBTIQ+-Gemeinschaft erleben, ist dieser Gesetzentwurf von entscheidender Bedeutung für die Schaffung einer sichereren und inklusiveren Zukunft für LGBTIQ+-Menschen.“

Weiter sagte Blake: „Die Veröffentlichung dieses Gesetzentwurfs durch die Regierung ist ein historischer und längst überfälliger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von LGBTIQ+-Menschen. Jeder Mensch verdient es, sich sicher zu fühlen, er selbst zu sein und frei von Angst leben zu können – doch Konversionspraktiken haben bei zu vielen LGBTIQ+-Menschen im Vereinigten Königreich dauerhafte Schäden und Leid verursacht.“ Eine Studie legte zuletzt dar, dass rund 31 Prozent der LGBTIQ+-Menschen in Großbritannien bereits eine solche Umpolungs-Therapie erleiden mussten. 

Keine Schlupflöcher 

Stonewall werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass das Gesetz keine Ausnahmen oder Schlupflöcher enthalte, betonte Blake weiter: „Ich bin stolz darauf, dass Stonewall bei dieser Kampagne eine wichtige Rolle gespielt hat. Wir werden weiterhin hart daran arbeiten, sicherzustellen, dass das Verbot umfassend ist und keine Schlupflöcher enthält, die es ermöglichen könnten, dass dieser Missbrauch fortgesetzt wird.“ Auch Betroffene äußerten sich positiv zu den Plänen der Regierung. Ian, der nach eigenen Angaben über Jahre hinweg Konversionspraktiken ausgesetzt war, schilderte die Folgen für sein Leben im Interview mit Stonewall:  „Der Schaden, den die Konversionspraktiken bei mir angerichtet haben, war erheblich. Sie haben mein Selbstvertrauen zerstört und einen starken inneren Konflikt ausgelöst, der langfristige Auswirkungen auf meine psychische Gesundheit hatte. Lange Zeit habe ich heruntergespielt, was ich erlebt habe und welche Folgen das für mich hatte. Die heutige Ankündigung fühlt sich wie ein Moment der Gerechtigkeit an, und ich bin froh, dass die Regierung endlich Maßnahmen ergriffen hat, um diese schädlichen Praktiken zu verbieten. Es macht mich wütend, dass Konversionspraktiken so lange fortbestehen konnten und unzählige Menschen dasselbe durchmachen mussten wie ich.“ Mit der Veröffentlichung des Entwurfs beginnt nun das parlamentarische Verfahren. Ob und in welcher Form das Gesetz letztlich verabschiedet wird, ist derzeit noch offen.

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