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Zehn Jahre Kyiv Pride
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Zehn Jahre Kyiv Pride Rund 5.000 Menschen fordern Gleichstellung in der Ukraine

ms - 23.06.2026 - 10:30 Uhr
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In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat am vergangenen Sonntag die zehnte Ausgabe der Kyiv Pride stattgefunden. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 5.000 Menschen daran – damit sei es die größte Veranstaltung dieser Art seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Jahr 2022 gewesen. Die Teilnehmer zogen durch die Innenstadt und setzten sich für Gleichberechtigung sowie die Anerkennung von LGBTIQ+-Familien ein.

Das Wichtigste im Überblick

  • Rund 5.000 Menschen nahmen an der 10. Kyiv Pride in Kiew teil
  • Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung für homosexuelle Paare und Schutzgesetzen
  • Scharfe Kritik an Präsident Selenskyi und dem geplanten neuen Zivilgesetz
  • Internationale Diplomaten zeigten Unterstützung vor Ort
  • Gegenproteste blieben friedlich
  • Pride-Marsch wegen Luftalarm kurzzeitig unterbrochen

Breite Unterstützung vor Ort

Der Demonstrationszug startete in der Nähe der Nationalen Universität Kiew und führte über mehr als einen Kilometer durch das Stadtzentrum bis zum Platz der ukrainischen Helden. Die Veranstaltung dauerte rund zwei Stunden, wurde jedoch zwischenzeitlich unterbrochen, nachdem ein Luftalarm ausgelöst worden war und die ukrainische Luftabwehr aktiv wurde. Das Team des Kyiv Pride teilte mit, dass an dem Marsch LGBTIQ+-Personen, Soldaten, Veteranen, Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten sowie Unterstützer aus verschiedenen Regionen des Landes teilgenommen hätten. 

Zahlreiche ausländische Vertreter waren ebenfalls anwesend. Unter ihnen befanden sich Delegationen und Diplomaten aus Australien, Kanada, Schweden, den Niederlanden, Deutschland, Italien, Norwegen, Belgien, Großbritannien, Finnland, Spanien, Dänemark und Frankreich. Auch Vertreter der Europäischen Union, des Europarats, der Vereinten Nationen sowie der Weltbank nahmen teil. Die kanadische Botschafterin Natalka Cmoc sagte dem Kyiv Independent: „Ich denke, es ist wichtig, an der Seite der Ukraine zu stehen. In der Ukraine kämpfen Menschen aus der LGBTIQ+-Community an der Front. Sie wollen dieselben Rechte wie alle anderen.“

Parallel zur Pride-Veranstaltung versammelten sich im Stadtzentrum auch Gegner der Demonstration, darunter rechtsgerichtete Gruppen. Diese riefen Parolen wie „Tradition, Familie, Ordnung“ und „Eine geeinte Ukraine“. Größere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Laut Polizei verliefen beide Versammlungen friedlich. Die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld alle Beteiligten dazu aufgefordert, die Rechte anderer zu respektieren und auf Provokationen oder Gewalt zu verzichten.

Forderung nach rechtlicher Gleichstellung

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kyiv Pride standen Forderungen nach rechtlicher Absicherung von LGBTIQ+-Personen und ihren Familien. Die Organisatoren kritisierten dabei vor allem einen Entwurf für ein neues Zivilgesetz, der die Ehe weiterhin ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert und die Rechte von homosexuellen und queeren Menschen massiv einschränken würde. Immer wieder wurde dabei auch der Frust auf Präsident Wolodymyr Selenskyj, der in puncto LGBTIQ+-Rechte eine 180-Grad-Wende hingelegt hatte. Nach massiven Protesten bereits im Mai in der Ukraine änderte der Machthaber wohl erneut seine Meinung, zumindest teilweise, und rief zu Debatten über LGBTIQ+-Recht auf. 

Beim Pride in Kiew wurde klar die Einführung eingetragener Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare sowie eine stärkere Angleichung der ukrainischen Gesetzgebung an europäische Standards gefordert. Derzeit erkennt die Ukraine weder gleichgeschlechtliche Ehen noch entsprechende Partnerschaften rechtlich an. Zusätzlich verlangten die Demonstranten Gesetze gegen Hasskriminalität aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität sowie vereinfachte Verfahren für trans* Personen zur Änderung offizieller Dokumente.

Stimmen aus dem Militär

Auch Angehörige der ukrainischen Streitkräfte nahmen an der Demonstration teil. Ein 31-jähriger Soldat mit dem Rufnamen „Psikh“ betonte die Bedeutung rechtlicher Anerkennung: „Als Soldat ist es für mich sehr wichtig, dass Rechte und Partnerschaften für alle Menschen in der Ukraine gelten“. Eine solche Anerkennung würde unter anderem ermöglichen, dass Partner sich im Krankenhaus besuchen können, gemeinsam Eigentum verwalten und rechtlich abgesicherte Beziehungen führen. Zudem wies er darauf hin, dass viele homosexuelle Menschen in den Streitkräften dienen. „Die Menschen sollten wissen, dass es LGBTIQ+-Personen gibt, dass es viele von ihnen sind und dass sie in der Armee dienen“, sagte er. Umfragen deuten auf eine zunehmende Akzeptanz von LGBTIQ+-Rechten in der ukrainischen Bevölkerung hin. Laut einer Erhebung des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie sind inzwischen mehr als 70 Prozent der Befragten der Ansicht, dass LGBTIQ+-Personen die gleichen Rechte wie alle anderen haben sollten.

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