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Comeback der Helpline

Comeback der queeren Helpline US-Regierung plant Rückkehr der LGBTIQ+-Krisenhilfe

ms - 12.06.2026 - 09:30 Uhr
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Knapp ein Jahr nach der Einstellung spezieller Krisen- und Suizidpräventionsangebote für LGBTIQ+-Jugendliche arbeitet die US-Regierung an einer Wiederaufnahme des Programms innerhalb der nationalen Notruf- und Krisenhotline 988. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums soll die sogenannte „Press 3“-Option bis Ende 2026 wieder verfügbar sein.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Trump-Regierung plant die Wiedereinführung spezieller Krisenhilfen für LGBTIQ+-Jugendliche innerhalb der 988 Suicide & Crisis Lifeline.
  • Das Angebot war im Juli 2025 von der Regierung eingestellt worden.
  • Die Wiederaufnahme erfolgt auf Grundlage einer Vorgabe des US-Kongresses für das Haushaltsjahr 2026.
  • Die Regierung will die Dienste jedoch nur im Einklang mit der Executive Order von Trump umsetzen.
  • LGBTIQ+-Jugendorganisation begrüßt die Rückkehr der Hilfen, kritisiert jedoch die Einschränkungen für trans* Menschen.

Wiedereinführung der Helpline 

Ein Sprecher des Ministeriums für Gesundheit und Soziale Dienste (HHS) erklärte, die zuständige Behörde SAMHSA arbeite gemeinsam mit Vibrant Emotional Health, dem Betreiber des landesweiten 988-Netzwerks, an der Wiederaktivierung des Angebots. Die Maßnahme sei Teil einer entsprechenden Vorgabe des Kongresses im Haushalt für das Fiskaljahr 2026. Bereits in einem Schreiben an mehrere demokratische und republikanische Kongressabgeordnete hatte die Behörde mitgeteilt, dass derzeit geprüft werde, wie die spezialisierten Dienste für LGBTIQ+-Jugendliche wieder eingerichtet werden können. Das Schreiben erfolgte im Namen von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.

Umsetzung soll Trumps Anordnung entsprechen

Die Behörde machte zugleich deutlich, dass die Wiederaufnahme der Angebote mit der Executive Order von Präsident Donald Trump vereinbar sein müsse. Die Anordnung verpflichtet Bundesbehörden dazu, ausschließlich zwei Geschlechter anzuerkennen und lehnt eine bundesrechtliche Anerkennung transgeschlechtlicher Identitäten ab. „SAMHSA ist derzeit dabei, den geeignetsten Ansatz zur Umsetzung dieser Kongressvorgabe für die ‚Press 3‘-Option innerhalb der 988 Suicide and Crisis Lifeline zu prüfen und gleichzeitig die Einhaltung der Executive Order 14168 sicherzustellen“, schrieb Christopher Carroll, stellvertretender Staatssekretär für psychische Gesundheit und Suchterkrankungen. Carroll verwies darauf, dass das Gesetz ausdrücklich Schulungen zur kulturellen Kompetenz im Umgang mit LGBTIQ+-Jugendlichen sowie ein System zur Weiterleitung an spezialisierte Beratungsstellen vorschreibt.

Deutlicher Kurswechsel der Regierung 

Die Ankündigung markiert eine bemerkenswerte Kehrtwende der Regierung. Im Juni 2025 hatte SAMHSA bekanntgegeben, die spezialisierten Dienste für LGBTIQ+-Jugendliche einzustellen. Zur Begründung hieß es damals, LGBTIQ+-Anrufer sollten nicht länger in einem eigenen Teilnetzwerk betreut werden, sondern über das allgemeine 988-System Hilfe erhalten. Gleichzeitig schlug die Regierung vor, die eigens für das Programm vorgesehenen Mittel in Höhe von rund 33 Millionen US-Dollar zu streichen. Die Finanzierung der landesweiten Suizid-Hotline blieb davon unberührt. Am 17. Juli 2025 wurde die Entscheidung dann auch tatsächlich umgesetzt. Mit der Abschaltung entfiel die „Press 3“-Option, über die LGBTIQ+-Jugendliche direkt mit speziell geschulten Krisenberatern verbunden werden konnten.

Die spezialisierten Dienste waren erst 2022 landesweit eingeführt worden, nachdem der Kongress entsprechende Unterstützungsangebote innerhalb des 988-Systems genehmigt hatte. Das Trevor Project, die größte US-amerikanische Organisation zur Suizidprävention für LGBTIQ+-Jugendliche, war an der Einführung beteiligt und betreute nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte aller Kontakte, die über das Angebot eingingen. Nach Angaben der Organisation erhielten vor der Einstellung mehr als 1,5 Millionen LGBTIQ+-Jugendliche Unterstützung durch die spezialisierten Dienste. Zuletzt hatte es immer wieder Versuche gegeben, die Helpline wieder einzuführen, speziell aus Kalifornien war der Druck auf die Regierung immer größer geworden. 

Kritik Bedingungen der Wiederaufnahme

Die Einstellung des Angebots hatte 2025 deutliche Kritik von Fachleuten, Interessenverbänden und Politikern ausgelöst. Sie verwiesen darauf, dass LGBTIQ+-Jugendliche überdurchschnittlich häufig von Depressionen, Suizidgedanken und Suizidversuchen betroffen seien und spezialisierte Kriseninterventionen lebensrettend sein könnten. Das Trevor Project begrüßte daher nun die Aussicht auf eine Rückkehr der Dienste, äußerte jedoch Zweifel an den Rahmenbedingungen. 

„Wir sind dankbar für die ersten Anzeichen, dass die spezialisierten Dienste für LGBTIQ+-Jugendliche innerhalb der 988-Hotline möglicherweise wieder eingeführt werden, nachdem das Programm im vergangenen Juli abrupt eingestellt wurde“, erklärte Trevor-Project-Geschäftsführer Jaymes Black. Zugleich fügte Black hinzu: „Allerdings bleiben wir skeptisch, da die Regierung nun ausdrücklich erklärt hat, dass die Hotline die Einhaltung von Präsident Trumps anti-transgeschlechtlicher Executive Order vom Januar 2025 sicherstellen muss.“ Nach Ansicht von Black widerspricht die Haltung der Regierung gegenüber trans* Menschen dem eigentlichen Ziel der spezialisierten Krisenangebote.

„Der Sinn der spezialisierten Dienste der 988-Hotline besteht darin, maßgeschneiderte Unterstützung für Bevölkerungsgruppen bereitzustellen, die in diesem Land dem höchsten Suizidrisiko ausgesetzt sind – darunter Veteranen und LGBTIQ+-Jugendliche“, sagte Black. „Die Executive Order der Regierung weist diese Jugendlichen jedoch vollständig zurück; sie können nicht unterstützt werden, wenn sie nicht einbezogen werden.“ Black verwies darauf, dass trans* Jugendliche zu den am stärksten gefährdeten Gruppen in den Vereinigten Staaten zählen. Nach aktuellen Daten des Trevor Project haben im vergangenen Jahr 36 Prozent aller LGBTIQ+-Jugendlichen sowie 40 Prozent der trans* und nichtbinären Jugendlichen ernsthaft über Suizid nachgedacht. Rund elf Prozent gaben an, einen Suizidversuch unternommen zu haben.

Genauer Zeitplan noch unklar 

Während die Presseerklärung noch keinen konkreten Zeitplan enthielt, erklärte das Gesundheitsministerium inzwischen, dass gemeinsam mit Vibrant Emotional Health an einer Wiederaufnahme der „Press 3“-Dienste bis Ende 2026 gearbeitet werde. Offen bleibt bislang, wie die spezialisierten Angebote unter den Vorgaben der Executive Orderkonkret ausgestaltet werden sollen und ob trans* Jugendliche vollständig in das Programm einbezogen werden.

Vibrant Emotional Health hatte vor der Einstellung die Koordination des Netzwerks übernommen und Anbieter wie das Trevor Project eingebunden, um LGBTIQ+-Jugendliche mit speziell geschulten Beratern zu verbinden. „Unabhängig davon wird die 988 Lifeline weiterhin allen Anrufern zur Verfügung stehen und rund um die Uhr Zugang zu qualifizierten, fürsorglichen und kulturell kompetenten Krisenberatern bieten – für Menschen in Suizid-, Sucht- oder psychischen Krisensituationen“, schrieb Carroll. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums ergänzte: „Die 988 Lifeline bietet allen Amerikanerinnen und Amerikanern eine einfache Möglichkeit, rund um die Uhr qualifizierte, fürsorgliche und kulturell kompetente Krisenberaterinnen und Krisenberater zu erreichen, um Hilfe bei psychischen Krisen, Suizidgefahr oder Problemen im Zusammenhang mit Suchterkrankungen zu erhalten.“

 

Hier gibt es Hilfe

Bei psychischen oder anderweiten emotionalen Problemen sowie auch bei Depressionen oder beispielsweise Angststörungen, versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. 

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

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