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Gewalteskalation in Italien
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Gewalteskalation in Italien 30 junge Männer attackieren Musikveranstalter mit Steinen

ms - 17.08.2026 - 12:00 Uhr
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Nach einer Veranstaltung des queeren Musikkollektivs „Il Biscotto della Fortuna“ soll es Ende letzter Woche in Porto Istana bei Olbia auf Sardinien zu einem schweren Angriff gekommen sein. Der 39-jährige schwule Angelo Ratti, Gründer und Veranstalter des Kollektivs, berichtete jetzt von einer brutalen Attacke durch eine Gruppe von etwa 30 Menschen, die auf ihn eingeprügelt und ihn wüst homophob beschimpft haben. 

Das Wichtigste im Überblick

  • In Porto Istana auf Sardinien kames nach einer Veranstaltung des queeren Musikkollektivs „Il Biscotto della Fortuna“ zu einem gewalttätigen Angriff.
  • Das Opfer ist der 39-jährige Angelo Ratti aus Mailand, Gründer und Veranstalter des Kollektivs.
  • Nach seiner Darstellung wurde er von etwa 30, teils sehr jungen Menschen mit Tritten, Faustschlägen und Steinen attackiert.
  • Dabei sollen die Angreifer wiederholt homophobe Beleidigungen gerufen haben.
  • Ratti spricht von einem „vorsätzlich geplanten homophoben Angriff“. 
  • Nach dem Angriff wurde Ratti in ein Krankenhaus in Olbia gebracht. 
  • Er berichtet unter anderem über Probleme mit dem Sehen und Hören.
  • Der schwule Mann erlebte erneut Homophobie im Krankenhaus sowie später bei der Polizei. 

Gezielter Angriff nach Show 

 „Il Biscotto della Fortuna“ ist ein queeres Musikkollektiv, das im Dezember 2024 gegründet wurde und seitdem mit einer Tour durch mehrere italienische Städte unterwegs ist. Auf Sardinien waren drei Stationen geplant. Nach Orosei war Porto Istana die zweite Etappe. Die Veranstaltung fand in der Bar „Kando“ statt. Auch Menschen aus der Community, die die Tour des Kollektivs verfolgen, sollen anwesend gewesen sein. Nach Rattis Darstellung verlief der Abend zunächst ohne größere Zwischenfälle. Allerdings habe er bereits zu Beginn eine Gruppe junger Männer bemerkt, die an einer Stelle außerhalb der Bar gestanden habe, „als ob sie auf etwas warten würden“. Gegen ein Uhr nachts war die Musik beendet. Ratti und seine, aus acht Menschen bestehende Gruppe begannen, die technische Ausstattung abzubauen. Zu diesem Zeitpunkt soll der Angriff begonnen haben.

Steine, Tritte und Faustschläge

Nach Rattis Schilderung hat eine Gruppe von etwa 30 Menschen auf ihn gewartet. Er bezeichnete die Angreifer als „sehr jung“. Vier ältere Personen hätten ihn festgehalten, während andere auf ihn eingeschlagen und eingetreten hätten. Die Angreifer sollen ihn mit Tritten und Faustschlägen gegen Brust und Gesicht sowie mit Steinen attackiert haben. Eine der Steine habe ihn am Kopf getroffen und drei Verletzungen verursacht. Zugleich seien homophobe Beleidigungen gerufen worden. Ratti habe sich zunächst aus der Situation befreien können. In einer Gasse zwischen Strand und Straße sei er jedoch erneut eingeholt und zusammengeschlagen worden. 

Auch einige Freunde, die ihm zu Hilfe kommen wollten, seien angegriffen worden. Bei dem Vorfall seien zudem Musikinstrumente sowie der Computer und das Mobiltelefon des DJ zerstört worden. Nach Rattis Darstellung erhielten die Organisatoren außerdem nicht die vereinbarte Bezahlung für die Veranstaltung. Zudem: Etwa 50 Menschen sollen die Szene beobachtet haben, ohne einzugreifen. Ratti bezeichnete den Vorfall wiederholt als „einen vorsätzlich geplanten homophoben Angriff“. 

Homophobe Mediziner und Polizisten

Auch über die medizinische Erstversorgung erhebt Ratti Vorwürfe. Nach seiner Schilderung habe eine Person aus dem Rettungsteam zunächst gezögert, ihm zu helfen. Sie habe ihn gefragt, ob er homosexuell sei, und aus Angst vor einer vermuteten Ansteckung Zweifel geäußert, ob sie ihn überhaupt berühren könne. Erst später sei Ratti behandelt und in die Notaufnahme des Krankenhauses in Olbia gebracht worden. Dort seien eine Computertomografie und Ultraschalluntersuchungen vorgenommen worden. Anschließend wurde er stationär aufgenommen. 

Ratti veröffentlichte nach dem Angriff mehrere Fotos. Auf einigen ist er mit freiem Oberkörper zu sehen, Blut bedeckt Gesicht, Schultern und Hände. Weitere Aufnahmen zeigen ihn aus dem Krankenhaus. Auf einem der Bilder steht der Satz: „Weil Gewalt niemals versteckt werden darf. Niemals!“ Nach seinen Angaben führten die Verletzungen außerdem zu einer Verschlechterung des Sehvermögens auf einem Auge und des Hörvermögens auf einem Ohr. Außerdem veröffentlichte Ratti das Foto einer Freundin, die an dem Abend anwesend gewesen sein soll. Auf ihrem Rücken ist ein tiefer Kratzer zu sehen. Nach seinen Angaben sei die Frau nur deshalb vor einem schwereren Angriff verschont geblieben, weil sie eine Frau sei. Ratti berichtet außerdem von Schwierigkeiten bei der Erstattung einer Anzeige. Nach seiner Darstellung habe er versucht, den Vorfall bei fünf Polizeiwachen in Gemeinden rund um Olbia zu melden. Überall sei ihm dies wegen eines angeblichen Personalmangels verweigert worden. Stattdessen sei ihm empfohlen worden, die Anzeige nach seiner Rückkehr nach Mailand, seinem Wohnort, zu erstatten.

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