Direkt zum Inhalt

Dating-Gefahr in Australien Studie belegt Welle von Angriffen auf Schwule

Von ms - 17.08.2026 - 11:30 Uhr
Dating-Masche in Australien
Foto: iStock / Rockaa
ANZEIGE
Loading audio player...

Die perfiden Angriffe auf Schwule nehmen in Australien rapide zu. Mittels der Dating-Masche werden die ahnungslosen Opfern zu Dates an abgelegene Orte gelockt und dort niedergeschlagen und ausgeraubt. Bereits zu Jahresbeginn belegten erste Fakten, dass es landesweit hunderte Fälle gab. Nun zeigten die neusten Daten aus dem Bundesstaat Victoria abermals die Entwicklung. Seit Januar 2024 registrierte die Polizei dort 113 Hassverbrechen dieser Art. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Im australischen Bundesstaat Victoria wurden seit Januar 2024 insgesamt 113 Hassverbrechen im Zusammenhang mit queeren Dating-Apps registriert.
  • Betroffen sind schwule und bisexuelle Männer.
  • Täter nutzen Fake-Profile, vereinbaren Treffen und greifen die Opfer anschließend an, bedrohen und berauben sie.
  • Fünf Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren wurden zuletzt festgenommen.
  • Insgesamt nahm die Polizei in Victoria bereits 47 Menschen im Zusammenhang mit solchen Angriffen fest.
  • Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus und fordert Betroffene auf, die Taten anzuzeigen.
  • Ermittler arbeiten nach eigenen Angaben auch mit Dating-Plattformen zusammen, um homosexuelle Nutzer besser zu schützen.

Attacken in Melbourne 

Das Muster der Taten ähnelt sich: Die mutmaßlichen Täter legen Fake-Profile auf bekannten schwulen Dating-Plattformen an und nehmen Kontakt zu ihren späteren Opfern auf. Nach einem vereinbarten Treffen warten dort jedoch nicht die erwarteten Dating-Partner, sondern Angreifer. Die Betroffenen werden dann gewaltsam attackiert, bedroht und ausgeraubt. Zudem werden sie homophob beschimpft. Die jüngsten Daten zu dieser Masche kommen aus Victoria. Der Bundesstaat liegt im Süden Australiens, dort befindet sich auch die Millionenmetropole Melbourne. Die registrierten Fälle verteilen sich über den gesamten Bundesstaat. Schwerpunkte liegen in Casey, Hume, Knox sowie Manningham und Moorabbin. 

Hohe Dunkelziffer vermutet

Die tatsächliche Zahl der Angriffe dürfte nach Einschätzung der Polizei deutlich höher liegen. Viele Betroffene scheuen demnach davor zurück, die Polizei einzuschalten oder Anzeige zu erstatten. Studien zufolge wird nur etwa jede zehnte Tat bei der Polizei angezeigt, in diesem speziellen Fall könnten die Anzeigequoten sogar noch niedriger liegen. Viele Opfer schämen sich, andere sind noch nicht geoutet und befürchten Konsequenzen für ihr privates oder berufliches Umfeld – kurzum, jene schwulen Männer sind aus Sicht der Täter die „perfekten Opfer“.  Dass die Ermittlungen trotzdem weiterlaufen, zeigt die jüngste Festnahme von fünf Jugendlichen. Sie wurden vor wenigen Tagen in Dandenong, einem Vorort von Melbourne, festgenommen. Zwei der Tatverdächtigen waren 16 Jahre alt, einer 17 und zwei weitere 18 Jahre. Die Vorwürfe gegen die fünf Beschuldigten reichen von Raub, bewaffnetem Raub und versuchtem Raub über sexuelle Nötigung und Körperverletzung bis hin zu Betrug und Entführung. Gegen drei der Tatverdächtigen wurde Untersuchungshaft angeordnet.

Polizei betont Priorität

Insgesamt wurden in Victoria in diesem Jahr bereits 47 Menschen im Zusammenhang mit derartigen Angriffen festgenommen. Die Polizei betont, dass sie die Fälle mit größter Ernsthaftigkeit verfolge und appelliert an Betroffene, die Taten zu melden. Eine Meldung ausschließlich an die jeweilige Dating-App reicht nach Angaben der Ermittler nicht aus. Die Plattformen seien nicht befugt, polizeiliche Ermittlungen durchzuführen. Erst durch eine konkrete Anzeige könnten Untersuchungen eingeleitet und Tatverdächtige ermittelt werden. Auch nach längerer Zeit könne eine Anzeige dabei noch erstattet werden, erklärte die Polizei weiter. Die Polizei warnt zugleich vor derartigen Angriffen und macht deutlich, dass für ein solches Verhalten in der Gesellschaft kein Platz sei. Je mehr Informationen die Behörden erhielten, desto besser könnten sie reagieren und die queere Community schützen. Neben den Ermittlungen setzt die Polizei nach eigenen Angaben auch auf Zusammenarbeit mit den Dating-Plattformen. Gemeinsam sollen unter anderem Präventionskampagnen verbreitet sowie Meldemöglichkeiten und Hilfsangebote bereitgestellt werden.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.