Filmpreis mit Statement Debüt sorgt für Aufsehen beim Filmfest Locarno
Ein brasilianischer Film über die heimliche Liebe zweier Männer ist beim Filmfestival von Locarno jetzt ausgezeichnet worden. „A Margem do Rio“ („Das Flussufer“) von Matheus Farias und Enock Carvalho erhielt am Wochenende den Spezialpreis der Jury. Für die beiden Regisseure ist es der erste Langfilm.
Das Wichtigste im Überblick
- Der brasilianische Film „A Margem do Rio“ („Das Flussufer“) hat beim Filmfestival von Locarno den Spezialpreis der Jury gewonnen.
- Regie führen Matheus Farias und Enock Carvalho, die mit dem Film ihr Langfilmdebüt geben.
- Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zwischen dem Dienstleistungsmitarbeiter Izaquiel und dem Fischer Jeremias.
- Der Film war der einzige brasilianische Beitrag im Hauptwettbewerb des Festivals.
- Die Regisseure widmeten den Preis der LGBTIQ+-Community.
- Fast sieben Jahre vergingen von der Entwicklung bis zur Fertigstellung des Films.
- Der Film soll voraussichtlich 2027 auch in die deutschen Kinos kommen.
Große Überraschung beim Festival
Die Geschichte spielt in Recife, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco. Im Mittelpunkt steht Izaquiel, ein Mitarbeiter eines Dienstleistungsbetriebs, der in den Mangroven von Recife nach heimlichen intimen Sex-Treffen und Begegnungen sucht. Dort trifft er auf den Fischer Jeremias. Gespielt werden die beiden Männer von Caique Copque und Ítalo Martins. Regie führen Matheus Farias und Enock Carvalho. „A Margem do Rio“ („Das Flussufer“) war der einzige brasilianische Film im Hauptwettbewerb des Festivals. Farias und Carvalho arbeiten bereits seit fast zehn Jahren zusammen. Dass ihr gemeinsamer Debütfilm in Locarno nicht nur gezeigt, sondern auch ausgezeichnet wurde, übertraf nun all ihre Erwartungen.
„Es war eine große Überraschung, dass der Film von Locarno ausgewählt wurde, denn es ist eine Gelegenheit, den Film bei einem der größten Filmfestivals der Welt einem internationalen Publikum zu zeigen. Das allein ist bereits ein großer Erfolg. Dann kam noch der Preis hinzu, der dieses Debüt krönt und uns als Künstler und Regisseure, aber auch unser Team und die Besetzung sehr glücklich macht. Es ist eine gemeinschaftliche Arbeit, die von vielen Händen geschaffen wurde, und es ist eine sehr große Ehre, das brasilianische Kino in Locarno zu vertreten“, sagte Enock. Der Weg bis zur Premiere war lang. Fast sieben Jahre dauerte es von den ersten Arbeiten an dem Projekt über die Finanzierung und Dreharbeiten bis zur Fertigstellung. Farias erinnert sich an die Anfänge des Projekts: „Wir denken seit 2017 über diese Geschichte nach, damals begannen wir, die erste Fassung des Drehbuchs zu schreiben. Seitdem haben wir einige Kurzfilme gedreht, und die Ideen für den Langfilm und die Kurzfilme haben sich gegenseitig beeinflusst. Es war auch die Zeit, die wir gebraucht haben, um die Finanzierung des Films zu bekommen. Schließlich haben wir zwischen August und September 2025 gedreht und seitdem ohne Unterbrechung gearbeitet und es geschafft, den Film zur Premiere zu bringen.“
Preis geht an LGBTIQ+-Community
Bei der Dankesrede widmeten die beiden Regisseure die Auszeichnung der LGBTIQ+-Community. Damit wollten sie nach den Worten Enock Carvalhos die schwierige Lebenssituation queerer und homosexueller Menschen in Brasilien sichtbar machen und zugleich die Verbindung zwischen der Geschichte des Films und den Erfahrungen der Beteiligten hervorheben. „Wir haben diesen Preis der Community gewidmet, weil wir verstehen, dass das Leben dieser Menschen in Brasilien von sehr viel Angst und großer Unsicherheit geprägt ist. Auch unser Film handelt davon. Es war ganz natürlich, an unsere Community zu denken, der ich, Matheus und der größte Teil unseres Teams angehören. Diese Widmung erschien uns im Einklang mit dem Film und mit der künstlerischen Verantwortung, die wir tragen“, sagte Enock.
Die Verbindung der beiden Regisseure geht dabei über die gemeinsame Arbeit hinaus. Farias und Carvalho sind auch privat ein Paar. Ihre persönlichen Erfahrungen flossen nach Angaben von Matheus Farias in die Entwicklung des Films ein. „Wir sind nicht nur Arbeitspartner, sondern auch Lebenspartner. Deshalb ist es ganz natürlich, dass wir im Laufe all dieser Jahre Geschichten und Lebenserfahrungen miteinander geteilt haben. Bevor ich Enock kennenlernte, verbrachte ich fast 20 Jahre meines Lebens in der evangelischen Kirche, daher finden sich auch viele dieser Erfahrungen im Film wieder“, sagte Matheus. Der kommerzielle Kinostart in Brasilien soll 2027 erfolgen. Da es sich bei dem Film um eine deutsch-brasilianische Gemeinschaftsproduktion handelt, soll das Werk auch in deutsche Kinos kommen, ein exaktes Datum für den bundesweiten Kinostart wurde bisher allerdings noch nicht verkündet.