Akzeptanzwerte sinken erneut LGBTIQ+ in den USA ist wiederholt im Sinkflug
Die gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTIQ+-Menschen in den Vereinigten Staaten hat nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Gallup in den vergangenen Jahren nachgelassen. Neue Umfragedaten zeigen erneut rückläufige Zustimmungswerte bei mehreren zentralen Themen, darunter die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sowie die Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und geschlechtsangleichender Maßnahmen. Die neue Studie reiht sich damit in eine Folge anderer Untersuchungen mit ähnlichem Ergebnis ein.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Unterstützung für die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA ist laut Gallup von 71 Prozent im Jahr 2022 auf 65 Prozent gesunken.
- Auch die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen und geschlechtsangleichender Maßnahmen geht zurück.
- Besonders stark sind die Rückgänge unter Anhängern der Republikanischen Partei.
- Unter Demokraten bleiben die Zustimmungswerte weitgehend stabil.
- Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen und zeigen ebenfalls einen Rückgang der Akzeptanz von LGBTIQ+-Menschen.
Minuswerte bei Ehe für alle
Die Unterstützung für die gleichgeschlechtliche Ehe war über Jahrzehnte hinweg gestiegen. Während sich 1996 noch 27 Prozent der Befragten dafür aussprachen, erreichte die Zustimmung im Jahr 2022 mit 71 Prozent ihren bisherigen Höchststand. Seitdem geht der Wert jedoch kontinuierlich zurück und liegt aktuell bei 65 Prozent. Der Rückgang fällt zeitlich mit mehreren politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen.
Auch bei der Frage nach der moralischen Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen verzeichnet Gallup rückläufige Werte. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2001 war die Zustimmung zunächst kontinuierlich gestiegen und hatte 2022 mit 71 Prozent auch hier ihren Höchststand erreicht. Inzwischen halten noch 64 Prozent der Befragten gleichgeschlechtliche Beziehungen für moralisch akzeptabel.
Deutliche Unterschiede bei Parteien
Einen ähnlichen Trend zeigt die Umfrage bei geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Als Gallup die Frage 2021 erstmals stellte, bewerteten 46 Prozent diese als moralisch akzeptabel, während 51 Prozent sie als unmoralisch einstuften. Heute halten nur noch 38 Prozent geschlechtsangleichende Maßnahmen für akzeptabel. 57 Prozent lehnen sie ab. Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den politischen Lagern. Lediglich fünf Prozent der Republikaner halten geschlechtsangleichende Maßnahmen für moralisch in Ordnung. Unter den Demokraten liegt dieser Wert bei 60 Prozent.
Zum Vergleich: Bei der ersten Erhebung im Jahr 2021 hatten noch 22 Prozent der Republikaner und 67 Prozent der Demokraten entsprechende Maßnahmen als okay bewertet. Der Rückgang unter republikanischen Wählern fällt mit einer zunehmenden politischen und medialen Debatte über trans* Jugendliche zusammen. In konservativen Kreisen wurden trans* Menschen in den vergangenen Jahren verstärkt zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Zudem verbreiteten sich Behauptungen über einen Zusammenhang zwischen trans* Identität und Massenschießereien.
Rückfall um mehr als 20 Jahre
Nach Einschätzung von Gallup spielt die politische Zugehörigkeit eine entscheidende Rolle bei den Veränderungen der Akzeptanzwerte. Die insgesamt sinkenden Zustimmungswerte seien vor allem auf deutliche Rückgänge unter selbstidentifizierten Republikanern zurückzuführen. Teilweise seien die Einbrüche zweistellig. Unter parteiunabhängigen Wählern wurden dagegen nur geringfügige Rückgänge festgestellt. Die Einstellungen von Demokraten zu LGBTIQ+-Themen blieben weitgehend stabil. Auffällig ist zudem, dass die Haltung republikanischer Wähler zur moralischen Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen inzwischen wieder auf dem Niveau des Jahres 2005 liegt. Für die Untersuchung führte Gallup im Mai 2026 Telefoninterviews mit mehr als 1.000 Erwachsenen in allen 50 Bundesstaaten sowie in Washington, D.C., durch.
Weitere Studien zeigen ähnliche Entwicklung
Die Ergebnisse decken sich mit anderen aktuellen Untersuchungen zur Einstellung gegenüber LGBTIQ+-Menschen in den Vereinigten Staaten. Das Pew Research Center veröffentlichte eine Studie, nach der 39 Prozent der Amerikaner gleichgeschlechtliche Beziehungen als „moralisch falsch“ ansehen. Damit belegen die USA im internationalen Vergleich Platz neun bei anti-homosexuellen Einstellungen. Gegenüber einer Erhebung aus dem Jahr 2013, als 37 Prozent diese Ansicht vertraten, bedeutet dies einen leichten Anstieg. Die Pew-Studie untersuchte zwar nicht die Parteizugehörigkeit der Befragten, stellte jedoch Unterschiede bei Geschlecht, Alter und Religiosität fest. Männer äußerten demnach geringere Akzeptanz gegenüber LGBTIQ+-Beziehungen als Frauen. Menschen über 40 Jahre zeigten sich weniger offen als die Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen. Zudem waren religiöse Befragte kritischer eingestellt als nichtreligiöse Personen.
Zu ähnlichen Werten kam eine Untersuchung des amerikanischen Public Religion Research Institute, dass den Streit um trans* Rechte als einen wesentlichen Aspekt benannte. Auch das Ipsos-Institut verzeichnete 2025 in vielen Ländern einen Rückgang der Akzeptanzwerte gegenüber homosexuellen und queeren Menschen. Der Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung bestätigte den Negativ-Trend auch für Deutschland.