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Outing im Job in Österreich LGBTIQ+-Beschäftigte massiv unter Druck

Von ms - 06.08.2026 - 10:00 Uhr
Job-Outing in Österreich
Foto: iStock / AntonioGuillem
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Viele homosexuelle und queere Menschen in Österreich verschweigen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität im Berufsleben aus Sorge vor negativen Folgen. Das geht aus einer neuen Studie des Kosmetikherstellers Nivea hervor. Demnach geben lediglich neun Prozent der Befragten an, am Arbeitsplatz offen über ihre Identität sprechen zu können.

Das Wichtigste im Überblick

  • Nur neun Prozent der LGBTIQ+-Menschen in Österreich sprechen am Arbeitsplatz offen über ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität.
  • 37 Prozent der Befragten berichten von Diskriminierung im beruflichen Umfeld.
  • Viele Unternehmen werden von Beschäftigten nicht als aktiv inklusiv wahrgenommen.
  • Der ÖGB fordert einen besseren gesetzlichen Schutz und mehr Maßnahmen gegen Diskriminierung.
  • Experten sehen Unternehmen in der Pflicht, Vielfalt dauerhaft und glaubwürdig zu fördern.
  • In Deutschland ist etwa jeder dritte Arbeitnehmer im Beruf geoutet. 

Zweigeteilte Wahrnehmung

Für die Untersuchung wurden gemeinsam mit Stonewall, Pride Biz Austria, der AGPRO und den Queer Business Women insgesamt 155 Interviews ausgewertet. 37 Prozent der Teilnehmer berichteten von Diskriminierung am Arbeitsplatz. Weitere 19 Prozent gaben an, entsprechende Erfahrungen außerhalb ihres beruflichen Umfelds gemacht zu haben. Die Ergebnisse zeigen nach Einschätzung der Studienautoren ein widersprüchliches Bild. Während 41 Prozent der Befragten Verbesserungen bei Akzeptanz und Inklusion wahrnehmen, erkennen 42 Prozent kaum Veränderungen.

Als größte Hindernisse für mehr Offenheit nennen die Befragten fehlendes Wissen, Unsicherheit im Umgang mit Vielfalt sowie die Sorge, etwas Falsches zu sagen. Nur acht Prozent erleben ihren Arbeitgeber als aktiv inklusiv. Lediglich zehn Prozent sind der Ansicht, dass Diversität von der Unternehmensführung glaubwürdig vorgelebt wird. „Queere Menschen sind überall: die Nachbarin, der Neffe, die Freundin, mit der man Fußball spielt, oder eben der Arbeitskollege. Genau das sollte der Maßstab für Unternehmen sein. Dass alle Menschen überall dabei sind und in ihrer Unterschiedlichkeit selbstverständlich mitgedacht werden“, sagt Katharina Kacerovsky-Strobl, Geschäftsführerin von Stonewall und Veranstalterin der Vienna Pride.

Erheblichen Handlungsbedarf 

Auch der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) sieht weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Nach einer weiteren Studie verzichtet rund jeder fünfte Beschäftigte aus dem Bereich der sexuellen Minderheiten bewusst auf ein Coming-Out im Beruf. Als Gründe werden die Angst vor Benachteiligung, Diskriminierung oder abwertenden Reaktionen genannt. „Niemand soll sich dafür verstecken müssen, wer er oder sie ist oder wen man liebt“, sagt ÖGB-Bundesgeschäftsführer Willi Mernyi. Dass viele Beschäftigte ihre Identität aus Angst verbergen müssten, sei eine „unhaltbare Situation“.

Sowohl die Ergebnisse der Nivea-Studie als auch die Forderungen des ÖGB richten sich an Arbeitgeber. Unternehmen sollten nach Ansicht der Befragten ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Diskriminierung keinen Platz hat. Besonders wichtig seien klare Regeln gegen Benachteiligung, langfristig angelegte Maßnahmen sowie Führungskräfte, die Vielfalt glaubwürdig im Arbeitsalltag vorleben. Der ÖGB fordert darüber hinaus eine vollständige Gleichstellung von LGBTIQ+-Menschen in der Arbeitswelt. Zudem spricht sich der Gewerkschaftsbund für einen umfassenderen gesetzlichen Diskriminierungsschutz sowie ein konsequentes Vorgehen gegen Homo- und Transfeindlichkeit in den Betrieben aus.

Lage in Deutschland

In der Bundesrepublik zeigte zuletzt 2024 die Studie „Out in Office?!“ die aktuelle Lage auf: Rund 38 Prozent der Homosexuellen sind gegenüber allen Kollegen geoutet, weitere 25 Prozent hingegen nur bei sehr wenigen oder keinem. Für Bisexuelle ist die Lage noch schwieriger. Insgesamt ist nur jede dritte LGBTIQ+-Person im Job geoutet. Probleme gibt es auch nach wie vor im Umgang mit den Kollegen: Fast die Hälfte der Homosexuellen (rund 43%) erlebt nach wie vor Tuscheln, Gerüchte und Lügen sowie ein unangenehmes Interesse am Privatleben. 40 Prozent muss sich übergriffige Fragen zur sexuellen Orientierung anhören. Für die Erhebung wurden knapp 1.600 Personen befragt, das Durchschnittsalter lag bei 45 Jahren. 

Über 80 Prozent der Befragten waren homo- oder bisexuell. Der größte Anteil der Interviewten sind mit knapp 37 Prozent schwule Männer. Albert Kehrer vom Verein PROUT AT WORK erklärte dazu gegenüber SCHWULISSIMO: „Die jüngsten Daten dieser Studien zeigen, dass wir in Deutschland noch lange nicht bei queerer Chancengleichheit am Arbeitsplatz angekommen sind (…) Der Arbeitsplatz, egal ob in großen Konzernen oder mittelständischen Betrieben, ist ein eher starres Konstrukt. Dinge, die sich in bestimmten Teilen der Gesellschaft rasch entwickeln, müssen erst zu den Unternehmen vordringen – insbesondere, wenn sie sich abseits der Großstädte auf dem Land befinden.“

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