Direkt zum Inhalt

Kanada öffnet Samenspende Alte Regeln aufgehoben, mehr Gleichheit für Spender

Von ms - 06.08.2026 - 11:30 Uhr
Samenspende in Kanada
Foto: iStock / Liudmila Chernetska
ANZEIGE
Loading audio player...

Kanada baut weitere Einschränkungen für schwule und bisexuelle Männer bei der Samenspende ab. Health Canada, das Gesundheitsministerium des Landes, hat jetzt angekündigt, Fragen zum Sexualverhalten künftig nicht mehr als Auswahlkriterium für Samenspender zu verwenden. Damit fällt eine Regelung weg, die Kritiker seit Jahren als diskriminierend bezeichnet hatten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Health Canada beendet die Befragung zum Sexualverhalten als Kriterium für Samenspenden.
  • Zuvor galten besondere Einschränkungen für Männer, die Sex mit Männern haben.
  • Ein jahrelanger Rechtsstreit trug zur Änderung der Regeln bei.
  • Gesundheitsexperten sehen moderne Testverfahren als ausreichend an.
  • Kläger Aziz M. begrüßt die Entscheidung und verweist auf seine eigene Erfahrung als Samenspender.

Schrittweise Entdiskriminierung 

Bis 2024 galt in Kanada eine Vorgabe, wonach Männer, die innerhalb von drei Monaten Sex mit einem anderen Mann gehabt hatten, nicht als Samenspender zugelassen wurden. Begründet wurde diese Einschränkung mit einem erhöhten Risiko für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen. Gegen diese Regelung wehrte sich Aziz M. aus Toronto, dessen Nachname aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht wurde. Bereits 2023 reichte der schwule Mann eine Verfassungsklage ein. Er kritisierte damals, dass eine ganze Gruppe pauschal beurteilt werde.

Es fühle sich wie ein Gruppenurteil an, erklärte er, weil davon ausgegangen werde, dass jeder Mann aus dieser Gruppe ein riskantes Sexualverhalten habe und krank sei. Health Canada reagierte 2024 und hob das generelle Verbot für Männer, die Sex mit Männern haben, auf. Stattdessen wurde die Frage nach Analverkehr geschlechtsneutral formuliert. Für Aziz M. war diese Änderung jedoch keine vollständige Lösung. Seiner Ansicht nach sei eine offene Diskriminierung lediglich durch eine indirekte Form ersetzt worden, da die neue Regelung weiterhin besonders Männer, die Sex mit Männern haben, betreffe.

Richtlinien werden geändert

Nach einem dreijährigen Rechtsstreit änderte Health Canada nun erneut seine Vorgaben. Die diskriminierenden Fragen zum Sexualverhalten werden als Auswahlkriterium vollständig gestrichen. Damit fällt eine weitere Hürde weg, die schwule und bisexuelle Männer bislang von einer Samenspende abhalten konnte. Die Entscheidung entspricht nach Angaben von Gesundheitsexperten den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zwar gilt passiver Analverkehr als mit einem höheren Risiko für sexuell übertragbare Infektionen verbunden, doch die befragten Infektiologen seien sich einig gewesen, dass die Testverfahren von Health Canada ausreichend zuverlässig seien, um Infektionen auszuschließen.

Die Fachleute argumentierten, die Untersuchungen seien sehr gründlich. Deshalb sei es nicht notwendig, zusätzlich nach dem Sexualverhalten der Spender zu fragen. Zudem habe das bisherige System vorausgesetzt, dass alle Angaben der Spender tatsächlich wahrheitsgemäß gemacht würden. Health Canada erklärte, dass Samenspenden nach der Abgabe unmittelbar auf Infektionskrankheiten untersucht werden. Anschließend bleiben die Proben sechs Monate unter Quarantäne. Vor einer späteren Verwendung erfolgt eine weitere Untersuchung auf sexuell übertragbare Infektionen und andere Erkrankungen.

Kläger freut sich über Ergebnis 

Aziz M. zeigte sich mit dem Ausgang des Rechtsstreits zufrieden. Für ihn ist das Thema auch persönlich bedeutsam: Bereits 2014 war er selbst Samenspender. Das dadurch entstandene Kind sei heute ein fester Bestandteil seines Lebens. Es sei eine wunderbare Erfahrung gewesen, sagte Aziz M. Seine damalige Spende sei allerdings nur möglich gewesen, weil er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht als schwul geoutet hatte und auch noch nicht sexuell aktiv gewesen sei. Mit der Abschaffung der bisherigen Regelungen habe er nun erreicht, dass diese Möglichkeit auch anderen schwulen und bisexuellen Männern offensteht.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazHomosexualität im japanischen Sport: Rui Takahashi macht den ganz mutigen AufschlagtazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.