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Warnung von Klaus Wowereit Wachsende Intoleranz stellt neue Gefahr dar

Von ms - 04.06.2026 - 10:00 Uhr
Warnung von Klaus Wowereit
Foto: IMAGO / IPON
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Ein Vierteljahrhundert nach seinem historischen Coming-Out hat sich der frühere Regierende SPD-Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, besorgt über die gesellschaftliche Entwicklung bei der Gleichstellung von Lesben und Schwulen geäußert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Klaus Wowereit sieht Fortschritte bei den Rechten von Lesben und Schwulen, warnt aber vor gesellschaftlichen Rückschritten.
  • Der frühere Regierende Bürgermeister Berlins beobachtet eine Zunahme von Intoleranz, Anfeindungen und Übergriffen.
  • Er fordert die Gesellschaft auf, Hass und Ausgrenzung entschlossen entgegenzutreten.
  • Wowereit sieht politische, kulturelle und religiöse Faktoren als mögliche Ursachen für die Entwicklung.
  • Vor 25 Jahren wurde er mit seinem Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ bundesweit bekannt.

Zunahme von Intoleranz und Übergriffen

„Es gibt Fortschritte, vor allem im rechtlichen Bereich. Gleichzeitig sehen wir aber auch gesellschaftliche Rückschritte“, sagte der 72-Jährige in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Trotz rechtlicher Verbesserungen bewertet Wowereit die aktuelle Lage mit großer Sorge. Nach seiner Einschätzung nehmen Feindseligkeiten wieder deutlich zu. „Man hat den Eindruck, dass es auch wieder zunimmt mit Intoleranz, Anfeindungen und Übergriffen. Das ist auch in einer toleranten Stadt wie Berlin ein großes Problem“, so der ehemalige SPD-Politiker. 

Die aktuellen Daten bestätigen Wowereit in seiner Einschätzung, seit Jahren steigen die polizeilichen Fallzahlen bei der Hasskriminalität in der Regenbogenhauptstadt deutlich an, zuletzt verzeichnete auch das Anti-Gewalt-Projekt Maneo neue Rekordzahlen, wobei rund 90 Prozent aller Attacken gegenüber Homosexuelle gar nicht erst angezeigt werden. Immer wieder kommt es auch zu äußert brutalen Auseinandersetzungen, erst diese Woche berichtete die Polizei vor neuen Hetzjagden einer Jugendbande auf Schwule im Cruising-Gebiet des Volksparks Friedrichshain. Der Berliner Verfassungsschutz warnte ebenso in dieser Woche vor einem extremistischen Gewaltpotenzial gegenüber der Community. Dabei verzeichne sowohl der Linksextremismus wie auch der Rechtsextremismus sowie die islamistische Szene starke Zuwächse.

Gesellschaft müsse gegen Hass vorgehen

Nach Ansicht Wowereits ist die gesamte Gesellschaft gefordert, Entwicklungen entgegenzutreten, die zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen. Dabei formuliert er eine deutliche Warnung: „Da waren wir schon mal weiter. Die Intoleranzen sind nicht weg, sondern werden teilweise geschürt und verstärkt. Das ist eine Entwicklung, die man sehr ernst nehmen muss.“ Der frühere Berliner Regierungschef sieht verschiedene Ursachen für diese Entwicklung. Seiner Einschätzung nach würden vorhandene Ängste und Unsicherheiten in Teilen der Bevölkerung von bestimmten politischen Parteien für eigene Zwecke genutzt.

Neben politischen Faktoren verweist Wowereit auch auf kulturelle und religiöse Einflüsse in einzelnen gesellschaftlichen Gruppen. Dort seien intolerante Haltungen gegenüber Homosexualität teilweise weiterhin stark verbreitet. „Wenn in bestimmten Religionen offen gegen Homosexualität gepredigt wird, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass junge Männer diese Haltung übernehmen“, so Wowereit.

Ein Satz schrieb politische Geschichte

Bundesweit bekannt wurde Wowereit am 10. Juni 2001 bei einem außerordentlichen Parteitag der SPD in Berlin. Kurz vor seiner Wahl zum Regierenden Bürgermeister sprach er öffentlich über seine Homosexualität und setzte damit ein bis dahin ungewöhnliches Zeichen in der deutschen Spitzenpolitik. Mit den Worten „Damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen, ich sag's euch auch und wer's noch nicht gewusst hat: Ich bin schwul, und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen“ sorgte er für bundesweite Aufmerksamkeit. Der Satz gilt bis heute als einer der bekanntesten Momente der jüngeren deutschen Politikgeschichte. Nach seinem Coming-Out stand Wowereit von Juni 2001 bis Dezember 2014 an der Spitze des Berliner Senats und war in dieser Zeit Regierender Bürgermeister der Hauptstadt.

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