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Viel Gewalt in Berlin Maneo meldet über 700 Angriffe auf LGBTIQ+-Community

Von ms - 13.05.2026 - 08:00 Uhr
Gewalt in Berlin
Foto: iStock / Lanski
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Die Berliner Opferberatungsstelle Maneo hat im vergangenen Jahr erneut mehr als 700 queerfeindliche Übergriffe dokumentiert. Wie aus dem neuen Maneo-Report 2025 hervorgeht, wurden insgesamt 723 explizite Vorfälle gegen die LGBTIQ+-Community erfasst. Die Attacken bleiben damit auf Rekordniveau, die höchsten Zahlen wurden 2024 mit 738 Fällen dokumentiert. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Berliner Opferberatungsstelle Maneo registriert 723 queerfeindliche Vorfälle im Jahr 2025
  • Gesamtzahl der neu dokumentierten Meldungen steigt auf Rekordwert von 1.014 Fällen
  • Besonders häufig: Bedrohungen, Beleidigungen und Körperverletzungen
  • Viele Übergriffe ereignen sich im öffentlichen Raum und an bekannten Szeneorten
  • Maneo geht von einer hohen Dunkelziffer von 90 Prozent aus
  • Beratungsstelle fordert mehr Personal und stärkere Unterstützung durch Politik und Verwaltung

Viele Angriffe auf schwule Männer 

Insgesamt bearbeitete und dokumentierte die Beratungsstelle 1014 neue Meldungen, 945 betroffene Personen meldeten sich bei der Berliner Organisation. Das sei „ein neuer Höchststand“, heißt es in dem Bericht. Zu den dokumentierten Fällen zählen Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe, die Mehrheit der Opfer sind erneut schwule Männer. So wurde etwa ein 49 Jahre alter Mann in einer Berliner U-Bahn von einer Gruppe junger Männer mit Zigarettenstummeln beworfen, als „dreckige Schwuchtel“ beleidigt und angespuckt. In einem weiteren Fall wurde ein schwules Paar nach einem Kuss auf der Rückbank eines Fahrdienstwagens beleidigt und aus dem Fahrzeug verwiesen. Mehrfach wurden innerhalb weniger Wochen schwule Männer im Volkspark Friedrichshain verfolgt, bedroht, geschlagen oder mit Feuerwerkskörpern attackiert.

Dunkelziffer extrem hoch

Die tatsächliche Zahl queerfeindlicher Übergriffe dürfte nach Einschätzung von Maneo deutlich höher liegen. Die Autoren gehen von einem Dunkelfeld von 80 bis 90 Prozent aus. Viele Betroffene würden Angriffe weder bei Beratungsstellen noch bei der Polizei melden. Als Gründe nennt der Bericht Erfahrungen mit Diskriminierung sowie mangelndes Vertrauen in Strafverfolgungsbehörden. Am häufigsten registrierte Maneo Nötigungen und Bedrohungen mit einem Anteil von 39 Prozent. Beleidigungen sowie einfache und gefährliche Körperverletzungen machten jeweils 31 Prozent der Fälle aus.

Besonders viele Vorfälle wurden in Schöneberg mit 50 Fällen dokumentiert, gefolgt von Neukölln mit 42 sowie Kreuzberg, Friedrichshain und Tiergarten. Übergriffe ereigneten sich vor allem auf Straßen, an Bahnhöfen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln. Daneben fanden Taten auch in diversen anderen Lebensbereichen statt wie in der Wohnung, am Arbeitsplatz, in der Schule, innerhalb der Familie, bei One-Night-Stands sowie Blind Dates wie auch im Internet.

Schwule in die Falle gelockt 

Nach Angaben der Beratungsstelle wurden Betroffene zudem wiederholt gezielt in Fallen gelockt. In sogenannten Cruising-Gebieten seien Menschen misshandelt, gedemütigt, beraubt und teils schwer verletzt worden. Maneo registrierte hierzu 26 Fälle. Auch über Datingplattformen seien Täter mit späteren Opfern in Kontakt getreten. Dabei würden intime Informationen erschlichen, um Betroffene anschließend zu erpressen. Teilweise seien Treffen an abgelegenen Orten vereinbart worden, wo mehrere Täter auf die Opfer warteten, sie ausraubten und verletzten. Elf solcher Fälle wurden gemeldet.

Angriffe auf queere Treffpunkte 

Neben Einzelpersonen gerieten demnach auch queere Einrichtungen und Veranstaltungen ins Visier. Maneo dokumentierte 58 Angriffe auf Szeneorte, Gedenkorte und Veranstaltungen. Dazu gehörten Eier-, Flaschen- und Steinwürfe, beschädigte Regenbogenflaggen und Fensterscheiben sowie Anschlagsdrohungen. Auch Gäste seien bedroht und körperlich angegriffen worden. Auffällig sei, dass sich viele Taten dort ereigneten, wo queere Menschen sichtbar seien und Veranstaltungen stattfänden. „Die Sichtbarkeit von LSBTIQ+ in der Öffentlichkeit erhöht das Risiko, Zielscheibe von Belästigungen, Anfeindungen, Bedrohungen oder körperlichen Angriffen zu werden“, schlussfolgern die Verfasser des Berichts. Auch Maneo selbst wurde mehrfach Ziel von Angriffen. 

Angesichts der hohen Zahl an Hilfesuchenden fordert Maneo zusätzliche personelle Unterstützung und stellt abschließend zur aktuellen Lage fest: „In Berlin kommt es täglich zu Beleidigungen, Nötigungen, Bedrohungen und Übergriffen auf LSBTIQ+-Personen. Diese Realität trägt zu einer anhaltenden Verunsicherung innerhalb der Communities bei. Besonders beunruhigend ist dabei die Tatsache, dass viele dieser Vorfälle im öffentlichen Raum stattfinden und von vielen Menschen beobachtet werden.“

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