Direkt zum Inhalt
13-jähriger Junge in Haft
ANZEIGE

Russland knallhart Verurteilung eines 13-Jährigen wegen "LGBTIQ+-Propaganda"

ms - 26.05.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Ein 13 Jahre alter Schüler in Russland könnte nach Angaben seines Rechtsbeistands in eine besondere Haftanstalt kommen, eine sogenannte „geschlossene Erziehungs- und Korrektureinrichtung“. Hintergrund ist ein Verfahren wegen angeblicher „LGBTIQ+-Propaganda“ nach dem Anti-Homosexuellen-Gesetz

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein 13-Jähriger in Russland geriet wegen angeblicher „LGBTIQ+-Propaganda“ ins Visier der Behörden.
  • Dem Schüler droht die Einweisung in eine haftähnliche geschlossene Erziehungs- und Korrektureinrichtung.
  • Auslöser war offenbar ein Bild oder Video, das er mit Mitschülern geteilt hatte.
  • Sein Anwalt spricht von einem misslungenen Scherz ohne politische Absicht.
  • Menschenrechtler sehen darin ein weiteres Beispiel für die verschärfte Anti-LGBTIQ+-Politik in Russland.

Ein Scherz mit bösen Konsequenzen

Der Fall begann offenbar damit, dass der Jugendliche ein Bild oder Video mit Mitschülern teilte. Daraufhin wurde Anzeige erstattet und eine offizielle Untersuchung eingeleitet. Sein Anwalt erklärte gegenüber dem unabhängigen Nachrichtenportal Mediazona:  „Er hatte keinerlei Absicht, Propaganda zu verbreiten. Er weiß nicht einmal, was das ist. Es war einfach ein Scherz, der nach hinten losging“, sagte der Jurist. Der Jugendliche gilt als sehr guter Schüler und habe bereits mehrfach akademische sowie kreative Wettbewerbe gewonnen. Aufgrund seines Alters kann er nach russischem Recht nicht administrativ belangt werden, da entsprechende Verfahren erst ab 16 Jahren möglich sind.

Die eigentlichen Vorwürfe wurden inzwischen zwar nun doch eingestellt, die Behörden gaben den Fall jedoch an die örtliche Kommission für Jugendangelegenheiten weiter. Diese Behörde ist für Maßnahmen gegenüber Minderjährigen zuständig. Die Kommission sprach zunächst eine offizielle Verwarnung wegen der angeblichen „LGBTIQ+-Propaganda“ aus. Schwerwiegender war jedoch ein weiterer Vorwurf wegen des Zeigens „extremistischer Symbole“.

Dieser Vorwurf steht offenbar im Zusammenhang mit einer Entscheidung des Obersten Gerichts Russlands aus dem Jahr 2023. Damals wurde die sogenannte „internationale LGBTIQ+-Bewegung“ als extremistische Organisation eingestuft. Öffentliche Symbole wie der Regenbogen oder Aktivitäten mit LGBTIQ+-Bezug können seitdem strafrechtlich verfolgt werden. Unter Verweis auf den Extremismus-Vorwurf kam die Kommission demnach zu dem Schluss, der Jugendliche müsse „umerzogen“ werden. Deshalb wurde empfohlen, ihn in eine spezielle geschlossene Erziehungs- und Korrektureinrichtung zu überstellen. Dort leben und lernen Minderjährige unter strenger Aufsicht – intern in Russland wird die Anstalt als „Kinderknast“ bezeichnet, eine Spezialschule für jugendliche Straftäter.

Straftäter wegen Regenbogenfahne?

Nach Angaben seines Anwalts wurde der Junge inzwischen offiziell deswegen auch als jugendlicher Straftäter registriert. „Der Junge war ein Musterschüler mit guten Beurteilungen, aber dann ist etwas passiert – die Hormone kamen ins Spiel – und er wollte einfach herumalbern“, sagte der Anwalt. „Erwachsene haben daraus gemacht: ‚Oh Gott, er verbreitet irgendetwas.‘“ Gegen die Entscheidung wurde Berufung eingelegt. Der Anwalt kritisierte das Vorgehen der Behörden als unverhältnismäßig und verwies zugleich auf die Rolle staatlicher Stellen beim Zugang zu entsprechenden Inhalten im Internet. Was konkret der 13-Jährige verbreitet haben soll, ist nicht bekannt, russische Medien spekulieren beispielsweise auf die Regenbogenfahne.

„Das Internet ist für alle zugänglich. Selbst Kinder können online gehen, solche Inhalte finden und sie anderen zeigen. Und die Behörden behandeln das bereits als eine Form von Propaganda“, erklärte er. Menschenrechtsorganisationen sehen in dem Fall ein weiteres Beispiel dafür, wie Russland seine verschärften Anti-LGBTIQ+-Gesetze zunehmend auch gegen junge Menschen anwendet. Kritiker warnen vor weitreichenden Folgen für Meinungsfreiheit und persönliche Entwicklung Minderjähriger.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.
Spaltung der Community

Kritik an Log Cabin Republicans

Der einstige LGBTIQ+-Verein Log Cabin Republicans in den USA will künftig nur noch LGB-Interessen vertreten und stößt damit auf scharfe Kritik.
Gesetzvorschlag in Indonesien

LGBTIQ+-Menschen unter Druck

Ein Dekret der indonesischen Regierung sorgt für scharfe Kritik, während LGBTIQ+-Menschen zunehmend Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.
Entsetzen in Kamerun

Mord an schwulem Mann

Fassungslosigkeit in Kamerun: Nach dem Mord an Paul Gérard in Douala prallen tiefe Trauer und homophober Spott aufeinander.