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Krise im Senegal

Krise im Senegal Homo-Hass befeuert gefährliches HIV-Stigma

ms - 17.04.2026 - 11:00 Uhr
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Im Senegal geht die Regierung nach Angaben eines Berichts zunehmend gegen homosexuelle Menschen vor. Dabei werde die Bekämpfung von HIV-Infektionen nach Einschätzung von Kritikern als Begründung für Strafverfolgung genutzt. Demnach würden Behörden, Polizei, Gesundheitsdienste und Medien verstärkt einen Zusammenhang zwischen homosexuellem Verhalten und HIV herstellen. In der Folge kämen zu Anklagen wegen „unzüchtiger Handlungen“ häufig Vorwürfe der „vorsätzlichen Übertragung von HIV“ hinzu.

Das Wichtigste im Überblick

  • In Senegal nimmt die Verfolgung homosexueller Menschen deutlich zu.
  • Einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen wurden mit bis zu 10 Jahren Haft belegt.
  • Vorwürfe der HIV-Übertragung werden zunehmend mit Homosexualität verknüpft.
  • Kritiker sprechen von Stigmatisierung und Gefahren für die öffentliche Gesundheit.
  • Auch internationale und medizinische Stimmen warnen vor den Folgen der Politik.

Welle von Festnahmen

Seit April dieses Jahres werden einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen im Land mit Freiheitsstrafen von bis zehn Jahren sowie Geldstrafen von bis zu umgerechnet rund 17.000 Euro geahndet, eine erste Verurteilung nach den verschärften Strafgesetzen gab es erst vor wenigen Tagen. Seit Inkrafttreten der Regelung wurden bereits mehr als fünfzig schwule Männer festgenommen, darunter auch Personen aus Medien, Musik und religiösen Kreisen. In mehreren Fällen seien sowohl homosexuelle Handlungen als auch eine HIV-Übertragung vorgeworfen worden.

Im Zusammenhang mit einem Fall eines festgenommenen Arztes veröffentlichte das Nationale Zentrum für Bluttransfusionen in Dakar eine Stellungnahme zur Sicherheit der Blutversorgung. Kritiker sprechen von einer zunehmenden Instrumentalisierung medizinischer Verfahren. So würden Verdächtige zunächst aufgrund von Anzeigen oder Indizien festgenommen. Anschließend komme es laut Bericht zu medizinischen Untersuchungen, die zur Feststellung von Homosexualität dienen sollen, darunter auch als umstritten geltende Analuntersuchungen. Ergebnisse würden teilweise an Medien weitergegeben. Personen, bei denen zusätzlich eine HIV-Infektion festgestellt werde, würden demnach oft auch wegen „vorsätzlicher Übertragung“ angeklagt. Es drohen auch hier Strafen von fünf bis zehn Jahren Haft sowie hohe Geldbußen.

Mögliche Explosion von HIV-Fällen

Die Folgen seien laut Experten bereits im Gesundheitssystem spürbar. „Menschen, die mit HIV leben, kommen immer seltener ins Krankenhaus für Kontrolluntersuchungen, Tests oder Behandlungen. Das ist ein beispielloser Rückschlag, weil die Menschen, die es am dringendsten brauchen, keine Versorgung mehr in Anspruch nehmen, obwohl das Virus jeden unabhängig von der sexuellen Orientierung betreffen kann. Es ist eine Katastrophe“, so ein HIV-Experte namens Sadio. „Es wird mehrere Jahre dauern, das Vertrauen der Menschen und Gruppen wieder aufzubauen, das über Jahrzehnte entstanden ist, um sie in die Versorgung von Menschen mit HIV einzubinden. In nur wenigen Tagen wurden jahrelange Präventionskampagnen vor Ort zerstört, und wir müssen nun das gesamte senegalesische Präventionssystem neu aufbauen, um in den kommenden Monaten irgendwie eine Explosion der HIV-Fälle zu verhindern.“ Auch Mya, eine Senegalesin und lesbische Aktivistin, die in Kanada lebt, äußerte sich kritisch: „Die senegalesische Regierung ebnet den Weg für Stigmatisierung. Die Botschaft, die an die Öffentlichkeit gesendet wird, ist, dass jemand mit HIV schwul ist und dass ein schwuler Mensch ein Krimineller ist.“

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