Immer mehr queere Asylanträge US-Richter befragt schwulen Asylbewerber zu intimen Details
Ein US-Einwanderungsrichter sieht sich in New Mexico heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem er einem schwulen Asylbewerber aus dem Iran in einer Gerichtsanhörung im Frühjahr 2025 intime und detaillierte Fragen zu seinem Privatleben stellte. Der Fall rückt die mangelnde Sensibilität und systemische Herausforderungen bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit queerer Menschen in amerikanischen Asylverfahren in den Fokus.
Das Wichtigste im Überblick
- Der betroffene Asylbewerber floh aus dem Iran, wo ihm aufgrund seiner sexuellen Orientierung die Todesstrafe drohte.
- Richter Samuel Williams befragte den Mann fast drei Stunden lang zu Einzelheiten seines gleichgeschlechtlichen Lebens.
- Anwältinnen sowie Anwälte und juristische Fachleute werfen dem Gericht vor, unrealistische und gefährliche Erwartungen an den Nachweis von Homosexualität zu stellen.
- Das US-Einwanderungsgerichtssystem unterliegt keiner externen Aufsicht und weist laut Expertinnen und Experten strukturelle Defizite auf.
Wie Richter persönliche Details einforderten
Der Asylsuchende, der in seiner Heimat mit Hinrichtung wegen seiner sexuellen Orientierung rechnen musste, schilderte ein Leben in ständiger Angst und Geheimhaltung. Über Jahre führte er eine Schein-Ehe mit einer Frau, nur um sich vor Verfolgung zu schützen, und konnte seine Beziehung zu einem anderen Mann ausschließlich im Verborgenen führen. Im Rahmen der Anhörung verlangte Richter Williams, dass der Mann intime Einzelheiten seiner Beziehung offenlegte – eine Praxis, die betroffene Organisationen als unangemessen, potenziell retraumatisierend und weltfremd kritisieren.
Kritik an Glaubwürdigkeitsbemessung bei LGBTIQ+-Flucht
Die fragwürdigen Methoden bei der Glaubwürdigkeitsprüfung durch den Richter wurden von Menschenrechtsorganisationen und Juristinnen wie Rebekah Wolf und Vanessa Dojaquez-Torres beurteilt. Sie betonen, dass Anforderungen an den „Beweis“ der Queerness oft die realen Gefahren ignorieren, denen Menschen aus besonders repressiven Staaten wie Iran ausgesetzt sind. In den Vereinigten Staaten steigt laut Statistiken von Human Rights Watch und UNHCR die Zahl queerer Asylsuchender – dabei sind viele von ihnen weiterhin dem Risiko ausgesetzt, in Asylverfahren auf Unverständnis oder Vorurteile zu treffen. Studien unterstreichen, dass Abschiebungen in Länder wie den Iran de facto lebensgefährlich sind.
„Die Sprache des Richters ist so abstoßend, dass sie eine Lehrbuchsituation für Fehleinschätzungen im Asylrecht bietet“, so Anwältin Rebekah Wolf.
Strukturelle Probleme des Systems
US-Einwanderungsrichterinnen und -richter werden direkt vom Justizministerium berufen und nicht, wie in anderen Gerichten, unabhängig geprüft. Eine konsequente externe Kontrolle der Rechtsprechung existiert bislang kaum. Immigrationsrechtlerinnen und Immigrationsrechtler beklagen wiederholt, dass Ausbildung und Sensibilisierung in Bezug auf queere Flucht- und Lebensrealitäten fehlen. Internationale Beobachtungen und Berichte der American Immigration Lawyers Association fordern deshalb seit Jahren umfassende Reformen.
Wichtige Fragen zum Thema
Wie läuft ein Asylverfahren für LGBTIQ+-Geflüchtete in den USA ab? Asylsuchende müssen ihre Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung glaubhaft machen – häufig vor Richterinnen und Richtern, die wenig Kenntnis über besondere Risiken besitzen.
Welche Folgen können solche Gerichtsentscheidungen für die Betroffenen haben? Negative Entscheidungen führen oft zur Abschiebung in Länder, in denen auf Homosexualität Haft oder sogar die Todesstrafe steht.
Im Fall des iranischen Asylbewerbers prüfen Anwältinnen und Anwälte weitere rechtliche Schritte, während Fachkreise erneut grundlegende Reformen der US-Einwanderungsgerichtsbarkeit fordern. Die Debatte um faire und sachgemäße Verfahren für queere Flüchtlinge wird durch den Fall weiter befeuert.