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Brutale Attacken in Italien

Brutale Attacken in Italien Gewalt gegen trans* Menschen und Einrichtungen eskaliert

ms - 08.04.2026 - 10:30 Uhr
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Nach mehreren Angriffen auf eine queere Einrichtung im römischen Stadtteil Pigneto hat die Organisation Gender X vor einer landesweiten Eskalation der Gewalt gewarnt. Nach eigenen Angaben kam es zuletzt zu konkreten Drohungen schwerer Gewalt gegen immer mehr trans* Personen in Italien, zuletzt wurde in Mestre eine 19-Jährige von einem jugendlichen Mob attackiert. 

Morddrohungen gegen queere Menschen

Die Gruppe, die aus trans*, nicht-binären und queeren Menschen besteht, berichtet von wiederholten Vorfällen in den vergangenen Tagen. Demnach habe eine Gruppe Jugendlicher die Einrichtungsleitung zunächst eingeschüchtert, später direkt bedroht und schließlich das Gebäude beschädigt. Besonders unter jüngeren Besuchern habe dies ein Klima der Angst ausgelöst. „Es ist nicht das erste Mal, dass sie kommen. Sie haben angefangen, uns einzuschüchtern, indem sie gegen die Tür schlugen und eine Scheibe zerbrachen. Anfangs waren sie zu zweit, dann wurden es vier, beim letzten Mal kamen sie zu acht“, teilte Gender X mit.

Das Vorgehen sei ähnlich geblieben, jedoch zunehmend aggressiver geworden. Die Gruppe habe sich vor der Einrichtung versammelt, gegen Türen oder Fenster geschlagen und sich anschließend in der Umgebung versteckt, um die Personen im Inneren herauszulocken. Am vergangenen Freitag erreichte die Entwicklung nach Angaben der Organisation ihren bisherigen Höhepunkt. „Am Freitag haben sie ihre Absichten klar zum Ausdruck gebracht, indem sie uns zuriefen, dass sie uns anzünden würden, wenn wir herauskämen.“

Anhaltende Bedrohungslage

Die Organisation spricht von einer anhaltenden Bedrohungslage. „Wir befinden uns in einer gefährlichen Lage; die Menschen, die die Einrichtung besuchen, sind nach den Drohungen verängstigt.“ Gender X betont, es handle sich nicht um vereinzelte Vorfälle. Vielmehr sei ein wiederkehrendes Muster erkennbar, bei dem die queerfeindliche Gruppe regelmäßig auftrete und ihr Vorgehen verschärfe. Nach eigenen Angaben hat Gender X Anzeige erstattet und Videomaterial der Polizei übergeben, das zur Identifizierung der mutmaßlichen Täter beitragen soll. 

Kritisch äußerte sich die Organisation indes zur Reaktion der Polizei. „Wir haben Anzeige erstattet, aber der Polizist, der sie aufgenommen hat, schien die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zu verstehen und sagte, es handele sich um Jugendliche und er könne die Einrichtung nicht bewachen.“ Gender X fordert daher nun verstärkte Schutzmaßnahmen. Zugleich rief die Gruppe zu Solidarität auf, eine Kundgebung ist für die kommenden Tage angekündigt: „Die Behörden müssen uns schützen. Es ist ein Recht aller Menschen: Trans* Personen sind Menschen, und deshalb ist es auch unser Recht.“

30 Jugendliche jagen trans* Frau 

Zudem betont Gender X, dass sie in enger Zusammenarbeit mit weiteren queeren Treffpunkten und Einrichtungen in ganz Italien stehe. Der jüngste Vorfall reiht sich nach Einschätzung der Organisation in eine Reihe ähnlicher Fälle ein. Immer wieder werde in Italien von Gewalt gegen trans* und nicht-binäre Menschen berichtet, zuletzt wurde erst am Osterwochenende eine 19-jährige trans* Frau in Mestre von rund 30 Jugendlichen angegriffen und verspottet. 

Zunächst beleidigte der Mob die junge Frau in einem Club, später attackierten sie sie auf dem Parkplatz davor. „Eine Gruppe dieser Jungs kam auf mich zu, sie haben mich zu Boden gestoßen, mich an den Haaren gezogen und ich bin auf den Rücken gefallen. Einer kam direkt auf mich zu und sagte: ´Scheiß Schwuchtel, hier ist kein Platz für dich!´“, so das Opfer. Die 19-Jährige konnte sich schlussendlich in Sicherheit bringen, doch die Angreifer wandten sich anschließend ihren Freundinnen zu: „Sie sind auf meine Freundinnen losgegangen, haben sie umringt und getreten.“ Die Polizei wurde vom Personal des Clubs alarmiert, als diese vor Ort eintraf, waren die Angreifer allerdings bereits geflüchtet. 

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