Direkt zum Inhalt
Klimapolitik ohne LGBTIQ+

Klimapolitik ohne LGBTIQ+ Bei Krisenplänen werden queere Menschen ausgeschlossen

ms - 08.04.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

LGBTIQ+-Personen werden in internationalen Klimaplänen und -abkommen nach wie vor weitgehend übersehen, warnen jetzt Forscher des Williams Institute an der UCLA School of Law. Dies verstärke bestehende Benachteiligungen und erhöhe Risiken für diese Gruppen in Umweltkrisen.

Kein Gedanke an LGBTIQ+

Globale Klimaabkommen wie die UNFCCC, das Kyoto-Protokoll oder das Pariser Abkommen erkennen zwar die Verwundbarkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen und die menschenrechtlichen Pflichten der Staaten an. Allerdings spiegeln die Pläne demnach oft bestehende Ungleichheiten wider: Wer nicht explizit genannt wird, wird selten in politische Maßnahmen, Ressourcenverteilung oder Notfallplanung einbezogen. Laut dem Bericht erwähnen nur acht Prozent der Staaten LGBTIQ+-Personen in ihren fünfjährigen Klimaplänen.

Victor Madrigal-Borloz, leitender Wissenschaftler am Williams Institute und von 2018 bis 2023 UN-Experte für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, warnte: „Hilfsprogramme, die LGBT-Personen und ihre Familien ausschließen, können ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden massiv beeinträchtigen. Ausschluss begrenzt den Zugang zu lebenswichtigen Informationen, unterbricht essenzielle medizinische Versorgung, erhöht Wohnunsicherheit, stört Bildung und erschwert Arbeit und Erholung. Diese Verwundbarkeiten erhöhen das Risiko von Vertreibung und Gewalt in Krisensituationen.“

Politische Lücke 

Regionale Unterschiede zeigen sich laut Einschätzung der Forscher deutlich: In Lateinamerika und der Karibik berücksichtigen 24 Prozent der Länder homosexuelle und queere Personen in ihren Klimaplänen. In Osteuropa werde LGBTIQ+-Menschen hingegen in keinem einzigen Land explizit Erwähnung geschenkt. Einige Staaten setzen jedoch bereits erste Maßnahmen zur Inklusion um. Der Bericht empfiehlt unter anderem eine verbesserte Datenerhebung zu LGBTIQ+-Personen sowie deren explizite Nennung in Klimaplänen und Schutzmaßnahmen gegen Diskriminierung bei Wohnraum und Evakuierungen. Außerdem müsse der Zugang zu HIV-Versorgung in Krisensituationen gesichert und Ressourcen gezielt für queere Gemeinschaften bereitgestellt werden.

Madrigal-Borloz betonte abschließend: „LGBT-Personen in Klimaplänen nicht zu berücksichtigen, ist nicht nur eine politische Lücke und ein Verstoß gegen internationales Menschenrecht. Es verdeutlicht auch die systemischen Verwundbarkeiten, denen LGBT-Personen weltweit täglich ausgesetzt sind, die durch den Klimawandel noch verschärft werden.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kritik an der Gen-Z

Weniger Jammern, mehr Handeln

Die Jugend in Deutschland jammert zu viel und handelt zu wenig, betont ein Sozialforscher. Davon betroffen sind auch queere Jugendliche.
Homosexuelle Flüchtlinge

Neue humane Wege in Kenia

Kenias Regierung will Flüchtlingslager in neue Dörfer überführen. Homosexuelle haben neue Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensrealität.
Keine Jobs für Homosexuelle?

Sehr schwierige Lage in Afrika

Homosexuelle haben in Afrika nicht „nur“ mit Diskriminierung zu kämpfen, auch die Jobsuche wird zum Hürdenlauf, betont jetzt eine Hilfsorganisation.
Indonesien im Zwiespalt

Zwischen Hass und Herzlichkeit

Indonesien kämpft seit zehn Jahren zwischen den Extremen: LGBTIQ+-Menschen bekämpfen oder integrieren. Ein neue Studie untersuchte das Phänomen.
Kommunikation ohne Big Brother

Neue kreative Wege in Russland

Russland schränkt digitale Wege immer mehr ein, die queere Community und viele Bürger experimentieren derzeit mit neuen Kommunikationsideen.
Rechtsextremismus im Senegal

Experte warnt vor homophoben Kurs

Im Senegal führt ein rechtsextremer Kurs zu immer mehr Homophobie. Die Folge ist Isolation von der Staatengemeinschaft, warnt der Intellektuelle Rodolphe P.
Große Gefahr in Ghana

Kriminelle locken Schwule in Fallen

Alarm in Ghana: Mittels der Dating-Masche wurden in den letzten Wochen hunderte schwule Männer von Kriminellen in Fallen gelockt und ausgeraubt.