Klimapolitik ohne LGBTIQ+ Bei Krisenplänen werden queere Menschen ausgeschlossen
LGBTIQ+-Personen werden in internationalen Klimaplänen und -abkommen nach wie vor weitgehend übersehen, warnen jetzt Forscher des Williams Institute an der UCLA School of Law. Dies verstärke bestehende Benachteiligungen und erhöhe Risiken für diese Gruppen in Umweltkrisen.
Kein Gedanke an LGBTIQ+
Globale Klimaabkommen wie die UNFCCC, das Kyoto-Protokoll oder das Pariser Abkommen erkennen zwar die Verwundbarkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen und die menschenrechtlichen Pflichten der Staaten an. Allerdings spiegeln die Pläne demnach oft bestehende Ungleichheiten wider: Wer nicht explizit genannt wird, wird selten in politische Maßnahmen, Ressourcenverteilung oder Notfallplanung einbezogen. Laut dem Bericht erwähnen nur acht Prozent der Staaten LGBTIQ+-Personen in ihren fünfjährigen Klimaplänen.
Victor Madrigal-Borloz, leitender Wissenschaftler am Williams Institute und von 2018 bis 2023 UN-Experte für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, warnte: „Hilfsprogramme, die LGBT-Personen und ihre Familien ausschließen, können ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden massiv beeinträchtigen. Ausschluss begrenzt den Zugang zu lebenswichtigen Informationen, unterbricht essenzielle medizinische Versorgung, erhöht Wohnunsicherheit, stört Bildung und erschwert Arbeit und Erholung. Diese Verwundbarkeiten erhöhen das Risiko von Vertreibung und Gewalt in Krisensituationen.“
Politische Lücke
Regionale Unterschiede zeigen sich laut Einschätzung der Forscher deutlich: In Lateinamerika und der Karibik berücksichtigen 24 Prozent der Länder homosexuelle und queere Personen in ihren Klimaplänen. In Osteuropa werde LGBTIQ+-Menschen hingegen in keinem einzigen Land explizit Erwähnung geschenkt. Einige Staaten setzen jedoch bereits erste Maßnahmen zur Inklusion um. Der Bericht empfiehlt unter anderem eine verbesserte Datenerhebung zu LGBTIQ+-Personen sowie deren explizite Nennung in Klimaplänen und Schutzmaßnahmen gegen Diskriminierung bei Wohnraum und Evakuierungen. Außerdem müsse der Zugang zu HIV-Versorgung in Krisensituationen gesichert und Ressourcen gezielt für queere Gemeinschaften bereitgestellt werden.
Madrigal-Borloz betonte abschließend: „LGBT-Personen in Klimaplänen nicht zu berücksichtigen, ist nicht nur eine politische Lücke und ein Verstoß gegen internationales Menschenrecht. Es verdeutlicht auch die systemischen Verwundbarkeiten, denen LGBT-Personen weltweit täglich ausgesetzt sind, die durch den Klimawandel noch verschärft werden.“