Sinnlose Verbote? "Homo-Heilungen" und die Macht der Kirche
Der Supreme Court der USA befasst sich seit 2025 mit der Frage, ob Konversionstherapien verboten werden sollen – und wenn ja, in welchem Umfang. Ausgang offen. Während erste Bundesstaaten mit eigenen Gesetzen versuchen, den unseriösen, umgangssprachlichen Homo-Heilungen entgegenzuwirken, ist in den Vereinigten Staaten inzwischen eine generelle Debatte über die Sinnhaftigkeit von Verboten entbrannt, angeführt von einem der bekanntesten LGBTIQ+-Aktivisten des Landes.
Verbote ohne kirchliche Anbieter?
Der schwule Bürgerrechtler Wayne Besen hat grundsätzliche Zweifel an der Wirksamkeit möglicher Verbote. Besen erklärte, die bestehenden Regelungen hielten einen Großteil der Anbieter nicht auf. Vor allem unlizenzierte religiöse Berater und sogenannte Life-Coaches arbeiteten weiterhin in diesem Bereich. „Der Begriff Verbot ist ungenau. Zeigen Sie mir einen Konversionstherapeuten, der wegen dieser Gesetze seine Arbeit einstellen musste.“ Der Leiter der Organisation „Truth Wins Out“ sieht die Gesetze überwiegend als „symbolischen Akt“. Sie beträfen lediglich fünf bis zehn Prozent der Anbieter. „Sie enthalten große Schlupflöcher für religiöse Akteure, durch die man einen Lastwagen fahren könnte.“
Zwar räumte Besen ein, dass solche Regelungen eine gesellschaftliche Signalwirkung hätten. „Symbolik ist wichtig“, sagte er. Insgesamt halte er die Maßnahmen jedoch für weitgehend wirkungslos. Als Beispiel verwies er auf die Organisation „The Changed Movement“, die trotz eines Verbots in Kalifornien aktiv sei, da sie sich als religiöse Gruppe darstelle. Zudem seien staatliche Regelungen im Internetzeitalter schwer durchzusetzen, da Angebote auch im Ausland leicht zugänglich seien. Es gäbe zudem viel Unterstützung für Konversionstherapien, auch aufgrund international vernetzter, christlich-nationalistischer Strukturen. Dazu zählt er unter anderem Organisationen wie die „American Family Association“, das „Claremont Institute“ und den „Family Research Council“.
Kritik in den eigenen Reihen
Als wirksameren Ansatz bezeichnete er indes Verfahren auf Grundlage von Verbraucherschutzgesetzen. So wurde 2015 die Organisation JONAH nach einem Verfahren wegen Betrugs geschlossen, an dem auch das Southern Poverty Law Center beteiligt war. Allerdings seien solche Verfahren aufwendig und kostenintensiv. Besen kritisierte zudem die Strategie großer queerer Organisationen wie des National Center for Lesbian Rights und des The Trevor Project. Diese hätten trotz veränderter Rechtsprechung weiter auf Verbote gesetzt. „Die Zeichen waren damals klar“, sagte er.
Sollte der Supreme Court die bestehenden Regelungen aufheben, hält Besen eine Rückkehr zu früheren Strategien für notwendig, etwa durch verstärkte öffentliche Aufklärung und das Offenlegen fragwürdiger Praktiken. „Wenn wir diesen Fall vor dem Supreme Court verlieren, sollten die Menschen nicht zu deprimiert sein, denn eine Konversionstherapie hat früher nicht funktioniert, sie funktioniert heute nicht und wird auch in Zukunft nicht funktionieren!“
Zugleich forderte er eine strategische Neuausrichtung der Bewegung: „Führende Aktivisten müssen sich mit den größten Organisationen zusammensetzen und entscheiden, wofür wir kämpfen und wo wir uns zurückziehen.“ Eine mögliche Niederlage vor Gericht werde zwar als Rückschlag wahrgenommen, könne aber auch mobilisierend wirken, so Besen. Betroffene rief er dazu auf, weiterhin öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen und politisch aktiv zu bleiben. „Es gibt keine Ziellinie“, sagte er. Gegner würden immer wieder versuchen, Einfluss zu gewinnen. „Sie dürfen unter keinen Umständen gewinnen.“