Gabriel Attal und Homophobie Erstmals spricht der Ex-Premierminister über seine Homosexualität
Der ehemalige französische Premierminister Gabriel Attal (37) hat mit der Veröffentlichung seines Buches „En homme libre — Als freier Mann“ offen über seine Homosexualität gesprochen. Das Werk erschien gestern in Frankreich. Attal, der von Januar bis September 2024 als jüngster und erster offen schwuler Premierminister Frankreichs amtierte, wurde unmittelbar nach Bekanntwerden seines Coming-Outs in sozialen Medien Ziel einer massiven Welle von Hassbotschaften.
Das Wichtigste im Überblick
- Gabriel Attal, ehemaliger französischer Premierminister und offen schwul, veröffentlicht Buch „En homme libre — Als freier Mann“.
- Nach Bekanntwerden spricht Attal offen über seine Homosexualität.
- In den sozialen Medien wird er mit einer Welle von Beleidigungen, Karikaturen, manipulierten Bildern und Drohungen konfrontiert.
- Attal dokumentiert diese Hassbotschaften öffentlich, um auf Homophobie aufmerksam zu machen.
- Er betont die Bedeutung des Kampfes gegen Diskriminierung und die Verteidigung der Freiheit, lieben zu dürfen.
Welle von homophoben Hass
„Ein Strom von Homophobie ist über meine Accounts hereingebrochen“, schrieb Attal. „Karikaturen, Montagen, Beleidigungen, Obszönitäten, Drohungen: das gesamte Spektrum des Hasses.“ In den Stunden nach der Veröffentlichung der ersten Auszüge verbreiteten Nutzer auf seinen Social-Media-Profilen zahlreiche beleidigende und manipulierte Inhalte.
Attal betonte, dass er als privilegierter schwuler Mann mit einem unterstützenden Umfeld aus Familie, Freunden und Erfahrung Glück habe. Er warnte jedoch, dass nicht alle Menschen diese Möglichkeiten hätten, und richtete seine Gedanken insbesondere auf junge Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich selbst zu akzeptieren. „Jeden Tag haben Frauen und Männer Angst, sie selbst zu sein, zu lieben, wen sie wollen, oder wie sie von anderen gesehen werden“, erklärte er. In seinem Statement kündigte Attal überdies an, die Homophobie weiterhin aktiv bekämpfen zu wollen: „Ich werde weiterhin gegen Homophobie vorgehen und für alle das Recht und die Freiheit zu lieben einfordern. Frankreich gehört nicht ihnen. Sie sind nicht die Franzosen.“
Gut befreundet mit Rob Jetten
Attal ist derzeit Generalsekretär der Partei Renaissance, Macrons politischem Bündnis, und Vorsitzender der Fraktion Ensemble pour la République in der Nationalversammlung. Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2027 distanziert er sich zunehmend von Emmanuel Macron und könnte möglicherweise Jordan Bardella, den Vorsitzenden des rechtsextremen Rassemblement National, herausfordern.
Bereits bei seiner Ernennung zum Premierminister 2024 hatte Attal betont: „Franzose zu sein bedeutet, Premier sein zu können und offen die eigene Homosexualität zu vertreten.“ Vor wenigen Wochen veröffentlichte er auf Social Media ein Foto mit dem offen schwulen Premierminister der Niederlande, Rob Jetten, und kommentierte: „Europa macht Fortschritte dank Freundschaft, Vertrauen und Zusammenarbeit. Freunde in der Politik, Partner für ein starkes Europa.“ Auch Jetten und sein Verlobter, der argentinische Hockey-Nationalspieler Nicolás Keenan, erleben bis heute viel Hass und Anfeindungen online.