Rechtsextremismus im Senegal Der steigende Hass führt zur Isolation, warnt ein Experte
Die politische Entwicklung im Senegal und die damit zunehmende Homophobie im Land stößt bei Beobachtern immer mehr auf scharfe Kritik. In einer neuen Analyse bezeichnete der zentralafrikanische Intellektuelle Rodolphe P. (RP) die Regierung als rechtsextrem und sieht das Land auf einem Kurs, der sich zunehmend gegen LGBTIQ+-Rechte richtet. Nachdem die Haftstrafen für Homosexualität in diesem Jahr verdoppelt wurden, werden die Angriffe auf die Community immer gravierender.
Das Wichtigste im Überblick:
- Kritik an politischer Entwicklung: Die zunehmende Homophobie im Senegal wird scharf kritisiert, besonders nach der Verdopplung der Haftstrafen für Homosexualität.
- Vorwurf des Rechtsextremismus: Rodolphe P. bezeichnet die senegalesische Regierung als rechtsextrem und sieht den Senegal auf einem Anti-LGBTIQ+-Kurs.
- Politische Verschiebung: Der Senegal, einst für den Kampf gegen Kolonialismus bekannt, entwickelt sich zu einem Zentrum homophoben Populismus in Afrika.
- Wirtschaftliche Probleme als Hintergrund: Der Autor weist darauf hin, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten und fehlende Souveränität den Kurs der Regierung beeinflussen.
- Internationale Isolation: Es wird gewarnt, dass der Senegal bei weiterem Festhalten an dieser Linie international isoliert werden könnte.
Vorwurf des Rechtsextremismus
Senegal, einst Heimat des Staatsgründers Léopold Sédar Senghor, der für den Kampf gegen Kolonialismus und Rassismus stand, habe sich zu einem Zentrum homophoben Populismus im frankophonen Afrika entwickelt. Rodolphe P., der sich für LGBTIQ+-Rechte engagiert, sieht darin eine grundlegende politische Verschiebung. „Die senegalesische Regierung ist eine rechtsextreme Regierung, auch wenn viele es nicht gewohnt sind, eine rechtsextreme afrikanische Regierung mit schwarzen Mitgliedern zu sehen“, schreibt er. Üblicherweise werde die extreme Rechte mit anderen Ländern oder Strömungen in Verbindung gebracht.
Aktuell stünden aber auch im Senegal LGBTIQ+-Menschen im Fokus staatlicher Maßnahmen. Dies sei jedoch nur ein erster Schritt, argumentiert der Autor weiter: „Sie werden andere Sündenböcke finden müssen, weil das nicht ausreichen wird.“ Hintergrund seien wirtschaftliche Probleme, fehlende Energie- und Ernährungssouveränität sowie eine schwache industrielle Basis. Rodolphe P. kritisiert zudem, dass der Senegal trotz der Unterzeichnung internationaler Menschenrechtsabkommen nun einen entgegengesetzten Kurs einschlage. Gleichzeitig habe das Land lange den Anspruch gehabt, international anerkannt zu sein und Einfluss auf die Wahrnehmung Afrikas zu nehmen.
Ausgrenzung von der modernen Welt?
Auch in anderen afrikanischen Ländern werde die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Medien aus frankophonen Staaten berichteten über tägliche Festnahmen im Zusammenhang mit Anti-LGBTIQ+-Gesetzen und stellten die Frage, warum sich die Lage derart zuspitze. Der Experte verweist darauf, dass Homosexualität in etwa der Hälfte der afrikanischen Staaten legal oder zumindest nicht strafbar sei. Auch im internationalen Vergleich gebe es Unterschiede: In Russland seien LGBTIQ+-Bewegungen zwar als extremistisch eingestuft worden, dennoch sei Homosexualität selbst nicht illegal. In Ländern wie China, der Türkei, Indien oder Brasilien sei sie ebenfalls nicht strafbar, wenn auch die Lebensrealitäten unterschiedlich seien.
Mit Blick auf die internationale Zusammenarbeit stellt Rodolphe P. die Frage, wie der Senegal künftig mit Partnern umgehen wolle. Der Autor warnt davor, dass der Senegal bei einem Festhalten an diesem Kurs international isoliert werden könnte: „Die senegalesischen Behörden werden am Ende in einer Sackgasse landen und keine andere Wahl haben, als sich anzupassen oder sich Ländern anzuschließen, die von der internationalen Gemeinschaft ausgegrenzt werden.“
Abschließend fällt Rodolphe P. ein deutliches Urteil über die politische Führung des Landes: Die Verantwortlichen seien Vertreter einer „dummen, verrotteten extremen Rechten“. Die internationale Reaktion sei auch deshalb so stark, weil viele nicht daran gewöhnt seien, eine solche Entwicklung in einem afrikanischen Kontext zu sehen. „Ich bin traurig über die senegalesische Gesellschaft, aber ich bin überhaupt nicht überrascht.“