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Große Gefahr in Ghana

Große Gefahr in Ghana Hunderte Schwule wurden Opfer der Dating-Masche

ms - 27.04.2026 - 10:00 Uhr
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Hunderte schwule und bisexuelle Männer wurden in den letzten Wochen in Ghana über Dating-Apps und soziale Netzwerke gezielt Opfer von Gewalt, Erpressung und Ausbeutung. Kriminelle Gruppen geben sich online als Homosexuelle aus, vereinbaren Treffen und locken ihre Opfer anschließend an abgelegene Orte, wo sie misshandelt, beraubt und gefilmt werden, warnt jetzt die Menschenrechtsorganisation Rightify Ghana. In den letzten Wochen haben die Fälle dabei stark zugenommen. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Hunderte schwule und bisexuelle Männer in Ghana wurden in den letzten Wochen Opfer von Gewalt, Erpressung und Ausbeutung.
  • Kriminelle Gruppen geben sich online als Homosexuelle aus, locken ihre Opfer an abgelegene Orte und misshandeln, berauben und filmen sie.
  • Plattformen wie Grindr, TikTok, Snapchat sowie Facebook- und WhatsApp-Gruppen werden oft zur Täuschung und Erpressung genutzt.
  • Die Gewalt nimmt seit der Einführung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes in Ghana 2025 zu, das harte Strafen für gleichgeschlechtlichen Sex und „homosexualitätsfördernde“ Inhalte vorsieht.
  • Menschenrechtsorganisationen berichten von einem signifikanten Anstieg homophober Gewalt, mit etwa 300 Angriffen im Jahr 2024 – dreimal so viele wie im Vorjahr.
  • Opfer berichten von fehlender Unterstützung durch staatliche Stellen; Polizei zeigt häufig Gleichgültigkeit oder erpresst die Betroffenen.

Stundenlange Folter ohne Folgen

Einer der Betroffenen ist ein 25-jähriger Koch aus Accra, der mittels Grindr Kontakt mit anderen Männern suchte: „Es fühlte sich an wie ein Traum. Über Stunden wurde ich geschlagen, gedemütigt und bedroht. Die Täter stahlen mein Geld und mein Mobiltelefon und drohten damit, meine Homosexualität öffentlich zu machen. Ich musste die Folter, die Schmerzen, alles ertragen, was sie mir angetan haben.“

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Rightify Ghana sind solche Fälle kein Einzelfall mehr. Direktor Ebenezer Peegah spricht von systematischem Vorgehen krimineller Gruppen, die hauptsächlich schwule und bisexuelle Männer ins Visier nähmen. Häufig würden die Täter Nacktaufnahmen oder erzwungene „Geständnisse“ aufnehmen, um ihre Opfer zu erpressen oder die Videos zur weiteren Hetze im Internet zu verbreiten. In vielen Fällen sollen damit überdies andere Menschen zu ähnlichen Überfällen motiviert werden.

Besonders häufig genutzt werden laut Betroffenen Plattformen wie Grindr, TikTok, Snapchat sowie Facebook- und WhatsApp-Gruppen. „Meistens ist es Grindr“, sagt Kojo, ein 31-jähriger Mann, der nach eigenen Angaben zwei Angriffe überlebt hat. „Grindr ist anonymer. Niemand hat sein Gesicht auf der Plattform.“

Anti-Homosexuellen-Gesetz 

Die Gewalt ereignet sich vor dem Hintergrund einer verschärften politischen Debatte über Homosexuellen-Rechte in Ghana. Das Parlament verabschiedete 2025 ein Gesetz über „Menschliche Sexualrechte und Familienwerte“, das deutlich härtere Strafen vorsieht. Gleichgeschlechtlicher Sex kann demnach mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, für die Verbreitung angeblich „homosexualitätsfördernder“ Inhalte drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Die pure Existenz von Homosexualität soll strafbar werden. Ghanas neuer Präsident John Dramani Mahama bekräftigte, er werde das Gesetz unterschreiben

Welle der Gewalt

Bereits zuvor haben Menschenrechtsorganisationen einen deutlichen Anstieg homophober Gewalt verzeichnet. Rightify Ghana registrierte 2024 rund 300 Angriffe auf Schwule, Lesben und trans* Personen – dreimal so viele wie im Vorjahr. 2025 ist mit einem erneuten Anstieg zu rechnen, finale Daten gibt es noch nicht. Zudem: „Diese gemeldeten Fälle sind nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich passiert“, so Peegah weiter. Viele Betroffene würden aus Angst oder wegen fehlender Unterstützung keine Anzeige erstatten.

Auch staatliche Stellen stehen in der Kritik. Berichte unter anderem von Amnesty International und dem US-Außenministerium weisen darauf hin, dass Opfer bei Polizeibehörden häufig auf Gleichgültigkeit stoßen oder selbst eingeschüchtert und erpresst werden. Der Musiker und LGBTIQ+-Aktivist Wanlov the Kubolor sieht soziale und wirtschaftliche Ursachen für die Entwicklung. „Die Angriffe nehmen definitiv zu. Die homosexuelle Community ist eine carte blanche für Menschen, die andere ausrauben wollen. Für Leute, die ohnehin in kriminelle Aktivitäten verstrickt sind, ist das ein deutlich weniger gefährlicher Weg, Geld zu verdienen.“

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