Direkt zum Inhalt

Dunkle Schatten über den USA Experten warnen vor einem Comeback der „Homo-Heilungen“

Von ms - 02.12.2025 - 12:00 Uhr
Dunkle Schatten über den USA
Foto: iStock / Douglas Rissing
ANZEIGE
Loading audio player...

Die menschenverachtende Praxis der Konversionstherapie, die darauf abzielt, die sexuelle Orientierung eines Menschen von homosexuell auf heterosexuell zu verändern, erlebt in den USA derzeit immer mehr eine beunruhigende Renaissance. Eigentlich als überholte und gefährliche Methode angesehen, die seit Jahren von psychologischen US-Fachverbänden abgelehnt wird, gewinnt sie nun erneut politische Aufmerksamkeit.

Angst vor Comeback 

Bereits im Oktober dieses Jahres warnte die größte queere Jugendorganisation des Landes, das Trevor Project, vor einem Comeback. Immer mehr LGBTIQ+-Jugendliche sind wieder von den umgangssprachlichen „Homo-Heilungen“ bedroht, laut jüngster Studie wurde zuletzt jedem fünften (22%) homosexuellen oder queeren Amerikaner im Alter zwischen 13 und 24 Jahren diese Maßnahmen angedroht – der Wert hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Tatsächlich durchlaufen haben 15 Prozent der jungen LGBTIQ+-Menschen ein solches Verfahren. Inzwischen melden sich auch immer mehr Experten aus dem Bereich der Jugendgesundheit zu Wort, die vor einer erneuten Zunahme warnen. 

Gefahren seitens des Supreme Courts 

Zahlreiche Studien zeigen, dass Konversionstherapien nicht wirksam sind, da sexuelle Orientierung ein zentraler Bestandteil der Identität eines Menschen ist. Zudem bergen sie erhebliche gesundheitliche Risiken, insbesondere für Minderjährige. Betroffene Jugendliche – oft auf Druck von Eltern – leiden nachweislich häufiger unter Depressionen, Angststörungen, Drogenmissbrauch, Obdachlosigkeit und Suizid. Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York haben die Praxis bereits für Minderjährige verboten. Dennoch prüft der Oberste Gerichtshof der USA derzeit, ob ein solches Gesetz die verfassungsmäßig geschützte Meinungsfreiheit verletze.

Dazu kommt, dass während der ersten Verhandlung am Supreme Court einzelne Kommentare der Richter darauf hindeuten, dass die konservative Mehrheit schlussendlich Konversionstherapien landesweit erlauben könnte. Dazu gibt es überdies erste Anzeichen, dass das US-Gesundheitsministerium seit dem Frühjahr ebenso eine Kehrtwende hingelegt haben könnte und nun offenbar den Ansatz der „Therapien“ unterstützt.

Warnung von Fachleuten 

Der emeritierte Professor der Universität von Kalifornien, Berkeley, David Kirp, warnte nun eindringlich vor einem Comeback: „Trumps Gefolgsleute tun ihr Bestes, um homosexuelle Menschen wieder in den Schrank zu treiben. Verteidigungsminister Pete Hegseth verbot trans* Personen den Militärdienst – und dies dürfte nur der Beginn seiner ´Hexenjagd´ sein. Es gibt eine endlose Liste von Zielen für den Tyrannen im Weißen Haus. Zweifellos wird noch mehr und Schlimmeres folgen. Benjamin Franklin brachte es auf den Punkt: ´Wir müssen alle zusammenhalten, sonst werden wir alle einzeln hängen.´ Obwohl der Widerstand gegen die Trump-Maschinerie ein harter Kampf ist, müssen alle Gruppen gemeinsam aufstehen in einem großen Proteststurm.“ 

Ähnlich bewertete das zuvor auch Timothy Schraeder Rodriguez von der Organisation Voices, die Opfern von Konversionstherapien hilft: „Wir können nicht behaupten, uns um die psychische Gesundheit junger Menschen zu kümmern, während wir gleichzeitig die Bedingungen verteidigen, die sie zerstören. Wir können Selbstverleugnung nicht als Therapie bezeichnen, wenn die Beweise zeigen, dass sie Verzweiflung hervorruft. Und wir können nicht weiterhin so tun, als sei Konversionstherapie eine Frage der Meinungsfreiheit oder der Religionsfreiheit. Die Wahrheit ist einfach: LGBTIQ+-Jugendliche müssen nicht ´geheilt´ werden.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.