Urteilsspruch in Kenia 15 Jahren Haft für zwei Männer, die Schwule überfallen haben
In Kenia sind zwei Männer zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie zwei schwule Männer in Nairobi überfallen und beraubt hatten. Ein Urteil mit großer Signalwirkung in einem Land, in dem Homosexualität bis heute illegal ist und mit Haftstrafen von bis zu 14 Jahren geahndet werden kann.
Über Stunden misshandelt
Laut Gerichtsdokumenten handelt es sich bei den Angeklagten um „Abel Meli und eine zweite Person“. Sie wurden wegen Raubes mit Gewalt vor dem Milimani-Gericht schuldig gesprochen. Das Urteil geht auf einen Vorfall im April 2023 zurück, der britische Guardian hatte damals ausführlich über die beiden Opfer, Eric Anyango und Joe Ochieng, berichtet. Ochieng hatte über Facebook Kontakt zu einem Mann aufgenommen und sich zu einem Treffen bei ihm zu Hause verabredet.
Kurz nach deren Eintreffen drangen drei weitere Männer in die Wohnung ein. „Ich habe versucht, mich zu wehren und zurückzuschlagen“, so Anyango. „Da nahm einer von ihnen ein Messer, hielt es mir an den Hals und sagte: ‚Wenn du jetzt nicht kooperierst, steche ich dich ab und werfe dich aus dem Fenster.‘“ Die Opfer wurden daraufhin über mehrere Stunden lang geschlagen, getreten und misshandelt. Dabei wurden ihnen Handys, Geldbörsen und Kleidung abgenommen. Sie mussten außerdem Freunde und Verwandte kontaktieren und Geld auf Online-Konten überweisen. Insgesamt überwiesen sie rund 100.000 Kenia-Schilling, umgerechnet rund 660 Euro – das entspricht etwa zwei Monatslöhnen im Land.
Urteilsspruch als Mutmacher
Anyango wandte sich später an einen Freund, der ihn an die Organisation Ishtar vermittelte. Die Gruppe setzt sich für die Rechte von Männern ein, die Sex mit Männern haben. Eine juristische Rechtshilfe der Organisation begleitete die beiden Opfer zur Polizei, woraufhin die Verdächtigen festgenommen wurden. Menschenrechtsorganisationen weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Verbrechen gegen homosexuelle Personen häufig gar nicht erst gemeldet werden. Laut dem Guardian registrierte Ishtar 2025 insgesamt 226 Fälle von Erpressung und Nötigung gegen schwule Männer sowie 61 Fälle in den ersten zwei Monaten dieses Jahres. Die Dunkelziffer dürfte dabei deutlich höher sein.
Njeri Gateru, geschäftsführende Direktorin der National Gay and Lesbian Human Rights Commission, betonte, dass das Urteil zeige, dass trotz des schwierigen rechtlichen Umfelds Strafverfolgung möglich sei: „Viel steht gegen die queere Community, durch die bestehenden Strafgesetze und die vorherrschende Homophobie, aber einige von uns vertrauen dennoch darauf, dass wir Gerechtigkeit finden können. Dieser Fall ermutigt uns.“