Direkt zum Inhalt

Wegen Hänseleien jetzt Hip-Hop Italien: Achtjähriger verlässt Ballettkurs nach Mobbing

Von mr - 13.02.2026 - 19:30 Uhr
Italien: Achtjähriger verlässt Ballettkurs nach Mobbing
Foto: © iStock / brusinski
ANZEIGE
Loading audio player...

Ein achtjähriger Junge verlässt in Italien seine Ballett- und Modern Dance-Kurse. Er wurde von Gleichaltrigen verspottet, weil er tanzt. Den Entschluss, künftig nur noch Hip-Hop zu besuchen, traf der Junge nach anhaltendem Mobbing in der Schule. Seine Lehrerin Barbara Castagliuolo machte den Fall auf Instagram öffentlich und verleiht dem wiederkehrenden Thema schulischer Ausgrenzung neue Dringlichkeit.

 

Lehrende warnen vor verfestigten Geschlechterklischees

Die Tanzpädagogin, die fast dreißig Jahre Unterrichtserfahrung hat, betont die Brisanz: Diskriminierung beginne selten bei den Kindern selbst, vielmehr spiegelten sie bestehende Vorurteile Erwachsener wider. Offene Gespräche über Ausgrenzung und präventive Maßnahmen in Schulen seien laut aktuellen Studien nach wie vor selten. Schulleitungen bestätigten gegenüber mehreren Medien, dass gezielte Präventionsprogramme in Sachen Mobbing und Vielfalt noch nicht flächendeckend umgesetzt werden.

Der betroffene Junge begründete seinen Rückzug laut Castagliuolo mit den Worten: „Meine Klassenkameradinnen und Klassenkameraden verspotten mich, weil ich Tänzer bin.“ Biografische Einblicke unterstreichen, wie nachhaltig sich Missachtung durch Peergroups auswirken kann. Fachleute warnen, dass sich derartige Erfahrungen negativ auf Selbstwert und psychische Gesundheit auswirken. Nach Angaben von Kinder- und Jugendpsychologinnen berichten rund 20 Prozent der befragten Schüler und Schülerinnen in Italien von wiederholtem Mobbing – Jungen, die als „untypisch“ wahrgenommen werden, seien überdurchschnittlich häufig betroffen.

 

Stereotype bestimmen weiterhin kindliche Lebenswelten

Auffällig bleibt: Während Mädchen im Fußball respektiert werden, werden Buben im Ballett nach wie vor marginalisiert. Castagliuolo stellte die Frage, warum künstlerische Berufe für Jungen weiterhin Anlass für Spott bieten, wo doch gerade Tanz eine persönliche Entwicklung stärkt und gesellschaftlich anerkannter ist als je zuvor. In sozialen Medien erreichte ihre Kritik hunderttausende Menschen.

Nicht nur auf Ischia häufen sich Berichte über Diskriminierung in Kunst- und Sportbereichen. Beispiele aus Perugia und anderen Städten zeigen, dass negative Zuschreibungen oft lange unentdeckt bleiben und Betroffene selten unterstützt werden. Organisationen für Kinderschutz mahnen, dass die Grenzen zwischen spaßhaftem Necken und strukturellem Mobbing schnell überschritten werden – mit dauerhaften Folgen für alle Beteiligten.

 

Mehr Respekt und Sichtbarkeit

Der Fall in Italien verdeutlicht, wie sensibel der Umgang mit Geschlechterrollen und künstlerischen Neigungen bleibt. Können Schulen und Vereine verstärkt Räume schaffen, in denen alle Kinder ihre Interessen ohne Angst vor Diskriminierung ausleben können? Inklusion und präventive Bildungsarbeit erscheinen als Leitplanken, um individuelle Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

NDR"Haltet euch fest": Frischer Roman über die Kraft des ZusammenhaltsWiener ZeitungTroye Sivan: Er ist gay! Gay! Gay! Gay!BILDKnutsch-Szenen auf dem Court - Wen küsst der Beckham-Spross hier?WDRQueere Bühnendiva Conchita Wurst in "Romeo und Julia"Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

NFL-Star starb an Aids

Ein Held ohne Ruhmeshalle

Vor 40 Jahren starb die schwule NFL-Legende Jerry Smith mit nur 43 Jahren an Aids. Sein sportliches Vermächtnis und sein Mut wirken bis heute nach.
US-Schule stoppt Musical

Hauptrolle sorgt für Streit

Eine Schülerin erhält die männliche Hauptrolle in „Der kleine Horrorladen“. Kurz darauf sagt ihre US-Schule das Musical aus seltsamen Gründen ab.
Machtkampf in Polen

Präsident blockiert Ehe-Reformen

Polens Präsident Nawrocki blockiert Reformen für homosexuelle Paare. Nun eskaliert der Machtkampf mit Premier Tusk um Polens Verfassungsgericht.
Grindr nutzt Daten für KI

Neue Warnung vor Risiken

Grindr nutzt bestimmte Nutzerdaten standardmäßig für das KI-Training. Pulitzer-Preisträger Ronan Farrow kritisiert jetzt die Datenschutzpraxis.
Senegal verschärft Verfolgung

Minderjährige Schüler inhaftiert

Im Senegal sind 35 weitere Menschen wegen mutmaßlicher Homosexualität festgenommen worden, darunter auch minderjährige Schüler sowie HIV-Positive.
Russland bestraft Autorin

Hohe Geldstrafe für „queere Freude“

Die russische Autorin Sasha Kazantseva muss 300.000 Rubel, rund 3.200 Euro, zahlen, weil sie eine Diskussion über „queere Freude“ angekündigt hat.
Kickls Immunität bleibt

Verhetzungsverdacht nach Rede

Kickl attackierte queere Aufklärungsarbeit, die Staatsanwaltschaft wollte ermitteln. Nun stellt sich der Nationalrat einstimmig gegen eine Verfolgung.
Beziehungsängste bei Schwulen

Neue Studie zeigt Unterschiede

Eine neue Studie zeigt: Junge schwule Männer zweifeln häufiger an der Stabilität ihrer Partnerschaft als gleichaltrige heterosexuelle Männer.
Heated Rivalry im Fokus

Mastermind Tierney attackiert NHL

„Heated Rivalry“-Schöpfer Jacob Tierney wirft der NHL mangelnde LGBTIQ+-Akzeptanz vor und kritisiert ihren Umgang mit sexuellen Übergriffen.