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NFL-Star starb an Aids Gedenken an Jerry Smiths verborgenes Leben

Von ms - 16.10.2026 - 10:30 Uhr
NFL-Star starb an Aids
Foto: IMAGO / Newscom World
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Er gehörte zu den herausragenden Footballspielern seiner Generation, stellte auf seiner Position neue Maßstäbe auf und war zugleich ein schwuler Mann in einer Sportwelt, in der Homosexualität weitgehend tabuisiert wurde. Am 15. Oktober 1986 starb Jerry Smith, langjähriger Tight End der Washington Redskins, im Alter von nur 43 Jahren an den Folgen von Aids. In den USA wird seiner in dieser Woche zum 40. Todestag gedacht. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Tod vor 40 Jahren: Der frühere NFL-Star Jerry Smith starb am 15. Oktober 1986 im Alter von 43 Jahren an den Folgen von Aids.
  • Außergewöhnliche Karriere: Der Tight End der Washington Redskins fing in 13 Spielzeiten 421 Pässe und erzielte 60 Touchdowns. Er gehörte zu den Wegbereitern seiner Position.
  • Homosexualität blieb verborgen: Smith war einer von drei schwulen Spielern im Trainingslager der Redskins von 1969. Öffentlich sprach er erst kurz vor seinem Tod darüber sowie über seine Aids-Erkrankung.
  • Unterstützung aus der NFL: Frühere Teamkollegen besuchten Smith im Krankenhaus. Rund 300 Menschen nahmen an seiner Beerdigung teil, Tausende Fans würdigten seinen Mut in Briefen.
  • Trotz seiner sportlichen Leistungen gehört Smith nicht der Pro Football Hall of Fame an. 

Sportstar und Wegbereiter

Vier Jahrzehnte später erinnert der US-amerikanische Journalist John Casey an den ehemaligen NFL-Profi. Sein Rückblick zeichnet das Bild eines außergewöhnlichen Sportlers, dessen Tod für viele schwule Männer zu einer einschneidenden Erfahrung wurde. Smith hatte seine gesamte NFL-Karriere bei den Washington Redskins verbracht. In 13 Spielzeiten fing er 421 Pässe und erzielte 60 Touchdowns. Damit gehörte er zu den erfolgreichsten Passempfängern auf seiner Position. Zu einer Zeit, als Tight Ends hauptsächlich eingesetzt wurden, um gegnerische Verteidiger zu blocken, entwickelte sich Smith zu einem wichtigen Bestandteil des Passspiels. Gemeinsam mit John Mackey von den Baltimore Colts gilt er als einer der frühen Wegbereiter des modernen, offensiv eingesetzten Tight Ends. Doch während seine sportlichen Erfolge weithin bekannt waren, blieb ein wesentlicher Teil seines Privatlebens verborgen.

Drei schwule NFL-Spieler 

Smith war schwul. Das erfuhr die Öffentlichkeit allerdings erst im Zusammenhang mit späteren Berichten über sein Leben. Im Trainingslager der Washington Redskins von 1969 befanden sich gleich drei schwule Spieler: neben Smith die Runningbacks Dave Kopay und Ray MacDonald. MacDonald wurde noch vor Beginn der Saison aus dem Kader gestrichen. Smith und Kopay setzten ihre NFL-Karrieren fort. Dass drei homosexuelle Spieler gleichzeitig zum Umfeld eines NFL-Teams gehörten, blieb damals weitgehend unbekannt. Die gesellschaftlichen Bedingungen waren andere als heute. Ein öffentliches Coming-Out konnte für Profisportler erhebliche berufliche und persönliche Folgen haben. Besonders im American Football, einer Sportart mit stark ausgeprägten Vorstellungen von Männlichkeit, galt Homosexualität als Tabuthema. Smith war dennoch eine feste Größe seiner Mannschaft. 

Aidsdiagnose wird öffentlich

Mitte der 1980er-Jahre hatte sich die Aidskrise zu einer weltweiten Gesundheitskatastrophe entwickelt. Wirksame Behandlungsmöglichkeiten, wie sie heute zur Verfügung stehen, existierten damals noch nicht. Eine Aidsdiagnose war für viele Betroffene mit einer sehr schlechten Prognose verbunden. Zugleich wurden Menschen mit HIV und Aids massiv stigmatisiert. Besonders homosexuelle Männer waren von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Vorurteilen betroffen. Als der Schauspieler Rock Hudson 1985 an Aids starb, löste sein Tod weltweit Bestürzung aus. Bilder des schwer erkrankten Hollywoodstars an der Seite seiner früheren Schauspielkollegin Doris Day machten die Folgen der Krankheit sichtbar.

Im August 1986 wurde schließlich bekannt, dass auch Jerry Smith an Aids erkrankt war. Der ehemalige NFL-Profi lag zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank im Krankenhaus. Gegenüber der Washington Post sprach er öffentlich über seine Diagnose. Über den möglichen Infektionsweg oder sein Privatleben wollte Smith nicht sprechen. Stattdessen erklärte er, dass die Menschen verstehen sollten, was er durchgemacht habe und wie schrecklich die Krankheit sei. Er hoffte, mit seiner Offenheit dazu beitragen zu können, die medizinische Forschung voranzubringen. Für einen ehemaligen Footballstar war dieser Schritt angesichts der damaligen gesellschaftlichen Vorurteile außergewöhnlich. Nur wenige Wochen nach seiner öffentlichen Erklärung starb Smith am 15. Oktober 1986. Er wurde 43 Jahre alt.

Warnung an schwule Männer

Mit dem Tod des Sportlers verband sich für Casey eine beängstigende Erkenntnis: Wenn selbst ein kräftiger, furchtloser Spitzensportler wie Jerry Smith an Aids sterben konnte, schien niemand vor der Krankheit sicher zu sein. Diese Angst beeinflusste auch seinen Umgang mit der eigenen Homosexualität. Auch für viele andere schwule Männer wurde sein Tod zur Warnung. Casey beschreibt diese Erfahrung mit einem eindringlichen Bild: Die Tür des Verstecks, in dem viele schwule Männer damals lebten, sei durch Smiths Tod gewissermaßen zur Tür eines Tresors geworden. Der Journalist betonte weiter, wie schwer es sei, jüngeren Generationen das Ausmaß der damaligen Angst zu vermitteln.

Frühere Mannschaftskameraden 

Trotz des von Vorurteilen geprägten gesellschaftlichen Klimas wurde Smith von ehemaligen Kollegen allerdings nicht im Stich gelassen. Frühere Mannschaftskameraden besuchten ihn im Krankenhaus und standen ihm während seiner schweren Erkrankung zur Seite. Zu seiner Beerdigung kamen fast 300 Trauergäste. Auch zahlreiche Fans reagierten auf Smiths Erkrankung und Tod. Seine Familie erhielt Tausende Briefe, in denen Anhänger des Footballspielers ihm für seinen Mut dankten. Für Casey war diese Unterstützung rückblickend besonders bemerkenswert. Ausgerechnet jene Menschen, von denen er damals angenommen hatte, sie würden einen homosexuellen Mann ablehnen, hatten Smith ihre Anteilnahme und Solidarität gezeigt. Ein Jahr nach Smiths Tod starb im Februar 1987 der Entertainer Liberace an den Folgen von Aids.

Keine posthume Ehrung

Vier Jahrzehnte später erinnert Casey daran, wie viele Menschen der Aidskrise zum Opfer fielen. Unter ihnen waren Künstler, Sportler, Lehrer, Freunde und Menschen, deren Namen nie öffentlich bekannt wurden. Viele starben allein. Andere hatten Angst, ihre Erkrankung oder ihre sexuelle Orientierung offenzulegen. Für Casey ist diese historische Erfahrung bis heute eng mit dem Schicksal von Jerry Smith verbunden. Der ehemalige Footballspieler hatte sich wenige Wochen vor seinem Tod dazu entschlossen, öffentlich über seine Erkrankung zu sprechen – zu einer Zeit, in der HIV und Aids mit massiven gesellschaftlichen Vorurteilen verbunden waren. 

Mit seiner Erklärung wollte er nicht nur über sein eigenes Schicksal informieren, sondern auch die Forschung unterstützen. Neben der Erinnerung an Smiths persönlichen Mut beschäftigt Casey auch dessen sportliches Vermächtnis. Bis heute wurde der frühere Tight End nicht in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen. Bereits Smiths sportliche Bilanz mit 421 gefangenen Pässen und 60 Touchdowns in 13 NFL-Spielzeiten spreche für eine Aufnahme. Hinzu komme seine Bedeutung als einer der ersten Tight Ends, die nicht nur als Blocker, sondern auch als herausragende Passempfänger eingesetzt wurden. Für Casey steht fest, dass Smith mehr verdient habe, als lediglich eine Randnotiz in der Geschichte des American Football zu bleiben.

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