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Homophobie an Italiens Schulen Situation eskaliert an immer mehr Einrichtungen

Von ms - 04.02.2026 - 15:00 Uhr
Homophobie an Italiens Schulen
Foto: iStock / LeoPatrizi
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Homophobie und Hass auf Schwule und Lesben nimmt an italienischen Schulen immer stärker zu, gleich mehrere neue Fälle wurden allein in dieser Woche bereits publik. Ein Lehrer einer Mittelschule in der italienischen Provinz Padua hat so bei den Carabinieri Anzeige erstattet, nachdem er wiederholt homophob beleidigt worden sein soll. Die Beschimpfungen seien von einem zwölfjährigen Schüler ausgegangen und vor Mitschülerinnen und Mitschülern erfolgt, so der Lehrer. Die Beleidigungen hätten sich über einen längeren Zeitraum wiederholt und ein Klima der Einschüchterung geschaffen.

Schüler verfolgte Lehrer privat

Wie die Zeitung Prima Padova berichtet, soll der Schüler den Lehrer mehrfach sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule verfolgt und ihn verbal angegriffen haben. Dabei sei der Begriff „schwul“ als Beleidigung verwendet worden, und zwar in eindeutig herabwürdigender Absicht vor anderen Schülerinnen und Schülern. Der Lehrer entschloss sich aufgrund der Häufung der Vorfälle und der daraus resultierenden persönlichen Belastung zur Anzeige. 

In einem Video erklärte er online: „Ich habe genug gehabt und sowohl die Schulleiterin als auch die Carabinieri informiert und Anzeige erstattet. Ich habe das getan, weil ich es für einen äußerst schweren Vorfall halte, wenn ein Zwölfjähriger zu seinem Lehrer ‚schwul‘ sagt – auf offener Straße, in der Nähe von Menschen, die an Café-Tischen sitzen, und vor seinen Klassenkameraden. Was wird er mit 14 oder 18 Jahren tun? Ich kann es mir nicht einmal vorstellen.“

Strukturelles Problem in Italien 

Öffentlich gemacht wurde der Fall von Fabrizio Marrazzo, Sprecher der Partei Partito Gay LGBT+. Er bezeichnete den Vorfall als Ausdruck eines grundlegenderen Problems. „Es handelt sich nicht um einen einzelnen Akt der Unhöflichkeit, sondern um das Spiegelbild eines strukturellen Problems in der Art und Weise, wie wir junge Menschen erziehen.“ Er verwies zudem auf das Fehlen einer verpflichtenden sexual- und beziehungsbezogenen Bildung im italienischen Schulsystem. „Wenn diese Themen in der Schule nicht behandelt werden, werden sie durch toxische Modelle ersetzt“, erklärte Marrazzo. Emotionen, Beziehungen, Identität, Respekt und Konsens würden dann häufig über soziale Netzwerke oder verzerrte Darstellungen vermittelt.

Der Fall werfe auch die Frage auf, wie diskriminierendes Verhalten von Minderjährigen zu bewerten sei. Die Anzeige sei nicht als rein strafende Maßnahme zu verstehen, sondern als notwendiger Schutz, betonte Marrazzo weiter. „Die Schule muss vorbeugen, nicht erst eingreifen, wenn der Schaden bereits entstanden ist.“

„Schwuchteln zu Tode“

Wie dramatisch die Lage an vielen Schulen im Land ist, zeigte ein zweiter Vorfall in dieser Woche aus der Provinz Varese: Im Oberstufengymnasium „Giovanni Falcone“ in Gallarate haben Schüler die Wände großflächig mit Hakenkreuzen, Parolen zu Adolf Hitler und Benito Mussolini sowie Hassbotschaften gegen homosexuelle Menschen beschmiert. Unter anderem waren so Parolen zu lesen wie  „Schwuchteln zu Tode“ oder „Schwuchteln, wir kommen zurück, zittert!“ Ein Lehrer des Gymnasiums erklärte gegenüber der Zeitung La Repubblica, er sei in „großer Besorgnis“ und alle Kollegen seien „schockiert.“

Giovanni Boschini, Präsident der homosexuellen Organisation Arcigay Varese, bekräftigte: „Hier geht es nicht um abstrakte Symbole oder ferne historische Bezüge. Es geht um die Gegenwart und um reale Menschen. Ein möglicherweise sehr junger schwuler Junge, der noch versucht, sich selbst zu verstehen und zu akzeptieren, muss solche Sätze lesen. Glauben wir wirklich, dass er darüber lacht?“ Die Hetz-Parolen würden indes Scham und soziale Isolation auslösen.

Dabei betonte er weiter mit Blick auf die Politik: „Schweigen und Verharmlosung sind Teil des Problems. Zu sagen, ‚so etwas gab es schon immer‘ oder es als Streich abzutun, bedeutet, Hass zu normalisieren.“ Auch Boschini spricht von einem strukturellen Problem mit homophoben Hass im Land. Die Schulleiterin Katia Fiocchetta erklärte, die Schule habe bereits Anzeige bei den Carabinieri erstattet und die Reinigung der Schmierereien veranlasst. 

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