Direkt zum Inhalt
Italien zurück im Mittelalter?
ANZEIGE

Italien zurück im Mittelalter? Die Regierung will alle LGBTIQ+-Themen an Schulen verbannen

ms - 17.10.2025 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Die italienische Regierung unter Federführung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will den Sexualkundeunterricht an den Schulen im Land drastisch einschränken, insbesondere jedwede Informationen zum Thema Homosexualität oder LGBTIQ+ sollen künftig zensiert werden. 

Sexualkunde ohne LGBTIQ+

Die italienischen Medien reden von einem „Blitzangriff im Kulturausschuss der Abgeordnetenkammer“: Die Lega von Matteo Salvini hat die Tage kurzfristig einen Änderungsantrag für das betreffende Gesetz vorgelegt und verabschiedet. Die Partei stellt seit 2022 zusammen mit Melonis Fratelli d’Italia und der Forza Italia das rechtskonservative Regierungsbündnis. Künftig soll die Sexualerziehung dabei nicht nur wie bereits schon jetzt an Kindergärten und Grundschulen, sondern auch an allen Mittelschulen im Land verboten beziehungsweise stark zensiert werden. 

Die Richtlinien sind dabei besonders streng ausgelegt, sodass selbst mit Einwilligung der Eltern an den Schulen keine Projekte oder erweiterter Unterricht stattfinden darf, der sich mit Sexualität über die reine Biologie hinaus beschäftigt, auch Informationen über sexuell übertragbare Krankheiten, Verhütung von Frühschwangerschaften oder über die Bekämpfung sexueller Gewalt sind verboten. Geschweige denn natürlich sachliche Berichte über Homosexualität beispielsweise. Erklärtes Ziel sei es so, die „Indoktrinierung durch extrem linke LGBT-Aktivisten“ zu unterbinden, wie Rossano Sasso, Fraktionsvorsitzender der Lega Nord, betonte. 

Konservative feiern „Ende schwuler Märchen“

Jubel kommt aus der Reihe von Konservativen und christlichen Familienverbänden wie Pro Vita e Famiglia, deren Sprecher Jacopo Coghe bekräftigte: „Das Verbot, diese Themen in Grund- und Mittelschulen anzusprechen, ist eine Maßnahme des gesunden Menschenverstands gegen diejenigen, die in den letzten Jahren in die Klassenzimmer gekommen sind, um über Leihmutterschaft, Abtreibungspillen, Geschlechtsumwandlung und schwule Märchen zu sprechen.“ 

„Zurück ins Mittelalter“

Entsetzt reagieren indes liberale Parteien wie beispielsweise die Schulbeauftragte der Demokratischen Partei (PD): „In einem Land, das noch immer unter dem jüngsten Femizid an einer jungen Frau erschüttert ist, besteht die politische Antwort der Regierung darin, den Raum für die Erziehung zu Emotionalität und Respekt gegenüber anderen in den Schulen weiter einzuschränken. Ein zensurähnliches Modell, das Freiraum für Desinformation lässt!“ Und der Europaabgeordnete Alessandro Zan beteuert kurz und knapp: „So kehrt Italien ins Mittelalter zurück.“ 

Ähnlich auch die Einschätzung von Elisabetta Piccolotti von der Alleanza Verdi e Sinistra: „Die Regierung ist von Fundamentalismus und religiösem Extremismus inspiriert. Das ist ein Angriff auf die Säkularität der Schule, auf die Freiheit der Lehre und überdies eine schwerwiegende Verweigerung des subjektiven Rechts aller Schüler und Schülerinnen auf Zugang zu einer umfassenden und qualitativ hochwertigen Bildung.“ Wann das neue Gesetzesvorhaben final in Kraft tritt, ist noch offen, zunächst geben die betroffenen Ausschüsse nun ihre Stellungnahme ab, bevor das Projekt in der Abgeordnetenkammer und im Senat beschlossen werden kann. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

25 Jahre 9/11

Der Anschlag und LGBTIQ+

25 Jahre nach 9/11 zeigt sich: Die Anschläge veränderten auch das Leben von LGBTIQ+-Menschen und machten rechtliche Ungleichheiten sichtbar.
LSU fordert mehr Polizei

Sicherheitslage in Berlin

Die Berliner LSU fordert mehr Polizei, Videoschutz und Notrufsäulen und kritisiert den Umgang von Grünen und Linken mit Sicherheit.
Heated Rivalry Effekt

Castings in der Filmfabrik

Der Erfolg von Hudson Williams in Heated Rivalry bringt laut Heartstopper-Star William Gao mehr asiatische Schauspieler zu Hollywood-Castings.
Spahn bittet um Entschuldigung

Leihmutterschaft löste Debatte aus

Jens Spahn räumt Fehler im Umgang mit seiner Vaterschaft durch Leihmutterschaft ein und bittet die CDU in seinem Wahlkreis um Entschuldigung.
Eklat in Sansibar

Schwules Paar festgesetzt

Zwei schwule Italiener wurden nach Fragen zu ihrer Ehe in Sansibar am Flughafen zurückgewiesen und durften nicht einreisen.
Erzbischof unterstützt LGBTIQ+

Bibel neu lesen, Vorurteile abbauen

Der Erzbischof von Florenz, Gherardo Gambelli, wirbt für mehr Zuhören und weniger Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen in der katholischen Kirche.
Metas extreme Sammelwut

Gefahr gerade für LGBTIQ+-Menschen?

Metas immer extremere Datensammelwut kann intime Informationen erfassen – für LGBTIQ+-Menschen birgt das mitunter Risiken von Outing bis Erpressung.
Infantino stark unter Druck

EU fordert mehr Verantwortung

Die Kritik an FIFA-Chef Infantino wächst – wegen Kommerzialisierung, Führungsstil und der WM-Vergabe an umstrittene, schwulenfeindliche Gastgeber.
Reform der Leihmutterschaft

Schwule Väter kämpfen für Änderung

Ein schwules Paar in England will eine automatische Anerkennung von Wunscheltern erreichen. Die Regierung lehnt eine Reform der Leihmutterschaft ab.