Direkt zum Inhalt
Stress macht schwul
ANZEIGE

Stress macht schwul Malaysias Religionsbeauftragter klärt auf

ms - 03.02.2026 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Wir haben es schon lange irgendwie heimlich geahnt, jetzt endlich ist es klar: Stress macht schwul. Die jüngsten Äußerungen des stellvertretenden malaysischen Ministers für Religionsangelegenheiten, Zulkifli Hasan, haben erneut eine Debatte über den Umgang des Staates mit homosexuellen und queeren Personen ausgelöst. In einer schriftlichen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage erklärte der Minister, arbeitsbedingter Stress, soziale Einflüsse sowie mangelnde religiöse Praxis gehörten zu den Faktoren, die Menschen zu dem von ihm bezeichneten „LGBT-Lebensstil“ führten.

Stress im Job fördert Homosexualität 

Hasan reagierte damit auf eine Anfrage der Abgeordneten Datuk Siti Zailah Mohd Yusoff (PN–Rantau Panjang), die aktuelle Daten und Statistiken zu „Trends bei LGBTIQ+-Themen“ in Malaysia gefordert hatte. Gefragt wurde unter anderem nach einer Aufschlüsselung nach Altersgruppen und Ethnien sowie nach Ursachen für einen möglichen Anstieg sogenannter „LGBTIQ+-Fälle“.

In seiner Antwort verwies der Minister auf eine Studie aus dem Jahr 2017. Darin heiße es, „verschiedene Faktoren können die Beteiligung einer Person an dem beeinflussen, was als LGBT-Lebensstil beschrieben wurde“, darunter „soziale Einflüsse, sexuelle Erfahrungen, arbeitsbedingter Stress und andere persönliche Faktoren“. Laut Zulkifli habe die Untersuchung gezeigt, „dass eine Kombination dieser Elemente zur Entwicklung von Verhaltensweisen beitragen kann, die LGBT-Personen zugeschrieben werden“. Zugleich räumte der Minister ein, dass es in Malaysia keine verlässlichen offiziellen Zahlen zur Größe der LGBTIQ+-Bevölkerung gibt. Damit sei eine belastbare statistische Einordnung nicht möglich.

Wissenschaft findet kein Gehör 

Internationale wissenschaftliche Organisationen gehen indes davon aus, dass sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität keine Folge von Stress, sozialen Einflüssen oder persönlichen Defiziten sind. Eine neue Studie zu Beginn des Jahres bekräftigte einmal mehr, dass gleichgeschlechtliches Verhalten evolutionär entstanden ist und bis heute wichtige Funktionen innerhalb einer Gesellschaft ausübt. 

Der jüngste Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund eines sehr restriktiven rechtlichen Umfelds. In Malaysia sind gleichgeschlechtliche Beziehungen und Sex sowohl nach dem Strafgesetzbuch als auch nach der islamischen Scharia strafbar und können mit bis zu zwanzig Jahren Gefängnis und Stockschlägen geahndet werden. Die Regierung verfolgt zudem Programme, die auf eine sogenannte „Umerziehung“ abzielen, sowie Maßnahmen zur Einschränkung der Sichtbarkeit von LGBTIQ+. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu Polizeieinsätzen und Razzien in Clubs, Schwulensaunen und Privatwohnungen, zudem werden schwule Männer immer radikaler verfolgt, angeheizt oftmals von geistlichen Führern

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Allein in der Wohnung

Queere Menschen häufig betroffen

Rund 2,1 Millionen homosexuelle und queere Menschen leben allein, besonders ältere Menschen sind häufig davon betroffen.
Kritik an der US-Polizei

Queere Menschen im Fokus?

Eine neue Studie offenbart: In Kalifornien werden Menschen, die als trans* wahrgenommen werden, häufiger von der Polizei durchsucht und festgenommen.
Aktivisten verlassen Kamerun

Community massiv unter Druck

In Kamerun bedrohen Exil, Erschöpfung und sinkende Fördermittel die Strukturen der LGBTIQ+-Community und ihre bisherigen Erfolge.
Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.