Direkt zum Inhalt

Rede zur Lage der Nation US-Präsident attackiert trans*-freundliche Schulpolitik

Von ms - 26.02.2026 - 08:00 Uhr
Rede zur Lage der Nation
Foto: IMAGO / Avalon.red
ANZEIGE
Loading audio player...

US-Präsident Donald Trump hat seine Rede zur Lage der Nation genutzt, um trans* Jugendliche und deren Umfeld scharf zu kritisieren. In der Ansprache stellte er den Fall einer Jugendlichen aus dem Bundesstaat Virginia in den Mittelpunkt und verband ihn mit der Forderung nach einem landesweiten Verbot geschlechtsangleichender Maßnahmen bei Minderjährigen.

Attacke auf Schule in Virginia 

In einer Rede sagte Trump, die USA seien vor seiner erneuten Amtsübernahme im Januar 2025 ein „totes Land“ gewesen und nun das „heißeste“ der Welt. Zudem erklärte er zum Ende der Diversity-Maßnahmen: „Wir haben DEI in Amerika beendet.“ Als Gäste waren die Teenagerin Sage Blair aus Virginia und ihre Mutter Michele Blair auf der Tribüne des Repräsentantenhauses anwesend. Trump sprach von „Sages erschütternder Geschichte“ und warf Schulbeamten in Virginia vor, sie ohne Wissen ihrer Eltern heimlich „sozial zu einem neuen Geschlecht überführt“ zu haben.

Die Familie Blair macht in einer laufenden Klage geltend, Schulverantwortliche hätten Sages Geschlechtsidentität bekräftigt, ohne die Eltern zu informieren. Zudem sei sie von zu Hause weggelaufen und anschließend sexuell ausgebeutet worden; die Handlungen der Schule hätten zu ihrer Traumatisierung beigetragen. Trump leitete daraus eine politische Forderung ab. „Kein Bundesstaat darf Kinder ihren Eltern entreißen und sie gegen den Willen der Eltern zu einem neuen Geschlecht überführen“, sagte er im Kongress. „Wir müssen es verbieten, und wir müssen es sofort verbieten.“

"Erzwungene Outings"

In Virginia ist die Familie eng mit Initiativen für ein sogenanntes „Sage’s Law“ verbunden. Der Gesetzentwurf würde Schulen verpflichten, Eltern zu informieren, wenn ein Schüler oder eine Schülerin offenlegt, trans* zu sein. Zudem würden auch Maßnahmen wie die Verwendung des bevorzugten Namens oder der gewünschten Pronomen ohne elterliche Zustimmung eingeschränkt. Queere Bürgerrechtsorganisationen bezeichnen den Entwurf als Maßnahme des „erzwungenen Outings“, die gefährdete Schülerinnen und Schüler in Gefahr bringen und die Rechte von trans* und nichtbinären Jugendlichen beschneiden könne.

Als bei der Rede überwiegend Republikaner aufstanden, reagierte Trump verärgert auf die ausbleibende Zustimmung der Demokraten. „Niemand steht auf“, sagte er in Richtung der demokratischen Abgeordneten. „Diese Leute sind verrückt. Ich sage Ihnen, sie sind verrückt. Wir haben Glück, dass wir ein Land mit solchen Menschen haben. Die Demokraten zerstören unser Land, aber wir haben es gerade noch rechtzeitig gestoppt.“

Kritik von queeren Verbänden 

Die Organisation Equality Virginia warf Trump vor, die Geschichte der Familie politisch zu instrumentalisieren. „Heute Abend entschied sich der Präsident dafür, seine Bemühungen zu verdoppeln, den Zugang zu evidenzbasierter, lebensrettender Versorgung zu unterbrechen“, hieß es in einer Stellungnahme. „Anstatt Familien und Ärzten zu erlauben, zutiefst persönliche medizinische Entscheidungen frei von bundesstaatlicher Einmischung zu treffen – oder Schulen zu ermöglichen, mit Feingefühl und Mitgefühl zu reagieren, ohne marginalisierte Kinder zu gefährden – plädiert der Präsident stattdessen für eine rücksichtslose politische Einheitslösung.“

Trumps Äußerungen stehen im Zusammenhang mit breiteren politischen Bestrebungen, den Zugang zu geschlechtsangleichender Versorgung für trans* Minderjährige einzuschränken. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA im vergangenen Sommer ein entsprechendes Verbot im Bundesstaat Tennessee für verfassungsgemäß erklärt hatte, wurden in mehreren Bundesstaaten ähnliche Vorstöße unternommen.

Gefährliche Rhetorik 

Kelley Robinson, Präsidentin der queeren Human Rights Campaign, kritisierte Trumps Rede daher ebenso deutlich. „Ob es sich um zusammenhanglose Lügen über seine Agenda, gefährlich rassistische Rhetorik über amerikanische Gemeinschaften, wirre Beschwerden über vergangene Wahlen oder absurde und obsessive Ausfälle gegen transgender Menschen handelt – niemand weiß, wovon dieser Präsident spricht“, erklärte sie. „Der wahre Zustand unserer Union ist durch Trump angeheiztes Chaos, Spaltung und Krise. Wir haben genug – und das wird er im November laut und deutlich hören.“ In den USA stehen im November  die sogenannten „Midterm“-Wahlen an, bei denen viele politische Ämter auf Bundes-, Staats- und kommunaler Ebene neu besetzt werden. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILD„Das Versteckspiel ist vorbei“ - Ex-Bundesliga-Handballer spricht offen über Coming-outndQueerfeindlichkeit | »Autoritäre Staaten versuchen, trans Existenz zu verhindern«Süddeutsche ZeitungHandballer Lucas Krzikalla: „Mein Freund wurde im Gruppenchat der Spielerfrauen aufgenommen“BILDJuden-Hass und Schwulen-Schläger - Traditionsklub versinkt im ChaosAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gewaltvorwurf bei TeBe

U19-Spieler unter Verdacht

Ein TeBe-U19-Spieler soll einen Mann homophob beleidigt und angegriffen haben. Trotz Suspendierung soll er weiter trainiert haben.
„Heated Rivalry“ Staffel 2

Geheime Hinweise am Set

Speakulationen nach geleakten Drehfotos: Fans hoffen, dass Staffel 2 von "Heated Rivalry" zahlreiche Höhepunkte aus den Romanvorlagen aufgreift.
Halloween und schwule Jungs

Warten auf den sexy Priester

Weniger Heterosexuelle suchen nach freizügigen Halloween-Kostümen. Bei Männern indes stieg die Lust auf sexy Outfits zuletzt stark an.
Verbotene Liebe in Spanien

Lorcas schwules Geheimnis

Das schwule Historiendrama „La Bola Negra“ erzählt von Federico García Lorca und seiner tragischen Liebe zu Rafael Rodríguez Rapún.
Cruising in der Kirche

Eklat um schwule Party

Online ist eine Debatte entbrannt um ein queeres Festival in New Orleans, dass schwules Cruising in einer ehemaligen Kirche feierte.
Verbot von Fetisch-Inhalten

Neue Regeln treffen Community

Neue britische Pornografie-Gesetze schränken bestimmte Fetisch-Darstellungen ein. Nun reagierte die erste Plattform mit der Sperrung von 17 Kategorien
Homophobie vor Gericht

Argentinien kämpft um Gerechtigkeit

Nach einem tödlichen Brandanschlag auf vier lesbische Frauen in Argentinien fordert die Staatsanwaltschaft jetzt lebenslange Haft für den Täter.
Sexuelle Gewalt in Irland

Homosexuelle stark betroffen

Sexualisierte Gewalt ist in Irland ein großes Problem. Eine neue Studie zeigt nun auf: Besonders betroffen sind Schwule, Lesben und Bisexuelle.

Grindr-Treffen endet brutal

Schwuler US-Mann schwer verletzt

Nach einem mutmaßlich homophoben, sehr brutalen Angriff auf einen schwulen Mann in Missouri muss sich ein 18-Jähriger jetzt vor Gericht verantworten.