Direkt zum Inhalt
Urteil nach Grindr-Dates
ANZEIGE

Urteil nach Grindr-Dates Erstes Urteil in London gegen Täter, die Schwule ausraubten

ms - 05.01.2026 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

Die bekannte Grindr-Dating-Masche sorgte in neuer Variante in London jetzt zur Verurteilung von zwei jungen Kriminellen: Die zwei Männer hatten über die schwule Dating-App Kontakt zu homosexuellen Männern aufgenommen, um in deren Wohnungen einzubrechen. Jetzt folgte der Urteilsspruch: Das Duo wurde zu insgesamt achteinhalb Jahren Haft verurteilt. 

Mindestens 22 schwule Opfer 

Rahmat Khan Mohammadi (22) und Mohammed Bilal Hotak (21) wurden vom Isleworth Crown Court für schuldig befunden. Sie waren wegen Einbruchs, Betrugs und Diebstahls angeklagt, wie die Metropolitan Police in einer Mitteilung jetzt bekanntgab. Die beiden Männer gehörten zu einer größeren organisierten Gruppe, die zwischen Oktober 2024 und März 2025 tätig war. In diesem Zeitraum wurden 22 homosexuelle Männer gezielt angegriffen, wobei die Polizei das Netzwerk mit 35 Einbrüchen und 20 Betrugsdelikten in Verbindung brachte.

Die Ermittler erklärten, dass die Täter gezielt Grindr genutzt hätten, um den Kontakt zu den Opfern herzustellen und Treffen in deren Wohnungen zu organisieren. Ihre Profile auf der Plattform enthielten meist keine Bilder, und wenn sie gefragt wurden, sendeten sie Bilder, die nicht von ihnen stammten. Nachdem sie in die Wohnungen eingeladen wurden, überredeten die Kriminellen ihre Opfer, ihre Handys zu entsperren und Passwörter preiszugeben, angeblich um Musik auf YouTube abzuspielen. Anschließend lenkten sie die Opfer ab – etwa indem sie sie baten, vor dem Sex zu duschen, das Bad zu benutzen oder Getränke zuzubereiten – und verließen derweil die Wohnungen mit den Handys und anderen Wertsachen wie Pässen, Uhren und Geldbörsen. Die gestohlenen Daten wurden später außerdem dazu genutzt, um Geld zwischen Konten zu transferieren, Bargeld abzuheben und Zahlungen zu leisten.

Schwule Männer gezielt ausgesucht

Staatsanwalt David Patience erklärte, dass die Opfer aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gezielt ausgesucht wurden, was die Delikte als Hassverbrechen qualifizieren könne. „Sie haben keine Frauen oder heterosexuelle Männer ins Visier genommen – sie haben homosexuelle Männer gezielt angegriffen“, sagte Patience vor Gericht. „Sie dachten, sie würden einfacher Straftaten gegen sie begehen können.“

Richterin Adenike Balogun sagte bei der Verurteilung: „Ich habe die psychologischen Traumata und die Unannehmlichkeiten der Opfer zur Kenntnis genommen sowie die Bestürzung, die alle zum Ausdruck brachten, als sie Sie in ihre Wohnungen – in ihre privaten Räume – einluden, nur um verletzt zu werden.“ Sie fügte hinzu, dass die Opfer aufgrund ihrer „wahrgenommenen Verwundbarkeit“ ausgesucht worden seien, jedoch betonte sie, dass die Verbrechen nicht aus „Feindseligkeit“ motiviert gewesen seien. Vielmehr sei Grindr genutzt worden, weil es eine „einfache Möglichkeit“ geboten habe, Zugang zu den Wohnungen der Opfer zu erhalten. „Ich vermute, Sie haben darauf gesetzt, dass die Opfer die Straftaten nicht melden“, fügte sie hinzu. Mohammadi wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, Hotak erhielt eine Strafe von dreieinhalb Jahren.

Forderungen nach mehr Einsatz 

Die Metropolitan Police erklärte, dass sie bei der Untersuchung mit der LGBT+-Beratungsgruppe der Polizei und der Anti-LGBTIQ+-Missbrauchsorganisation GALOP zusammengearbeitet habe. Der Verein erklärte gegenüber der BBC: „Wir wissen, dass Grindr von vielen LGBTIQ+-Menschen nicht nur zum Dating genutzt wird, sondern auch für Gemeinschaft, Verbindung und gegenseitige Unterstützung – besonders für Menschen, die sich sonst isoliert fühlen könnten. Die Kenntnis darüber, wie Grindr gezielt und schädlich genutzt wurde, um LGBTIQ+-Menschen anzugreifen, wird wahrscheinlich das Sicherheitsgefühl unserer gesamten Gemeinschaft beeinträchtigen. Es muss mehr getan werden, um sicherzustellen, dass marginalisierte Opfer von Straftaten echten Zugang zu Sicherheit und Strafjustiz haben.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Eklat um US-Republikaner

Hinrichtungen von LGBTIQ+-Menschen

Der US-Republikaner Marshall Rawson steht wegen Verbindungen zu Nationalisten und seiner Befürwortung der Todesstrafe für Homosexuelle in der Kritik.
Lambda gründet eigene Stiftung

Queere Jugendhilfe vor Finanzlücke

Nach dem Ende der Bundesförderung will das queere Jugendnetzwerk Lambda mit einer Stiftung queere Jugendstrukturen langfristig absichern.
Schließung des Kennedy Centers

Streit um Kulturprogramm eskaliert

Nach monatelangem Streit um Trumps Einfluss und die „woke“ Ausrichtung des Kennedy Centers wird das Kulturhaus vorerst ganz geschlossen.
Verbot in Nordirland

Streit um Schutz der Community

Nordirlands Parlament debattiert erstmals über ein Gesetz zum Verbot von Konversionspraktiken – mit bis zu zwei Jahren Haft.
Razzien in Australien

Polizisten im Gay Village Sydney

Zum wiederholten Mal gab es Razzien in Sydneys Gay Village, der Unmut wächst. Zuletzt wurden 65 Menschen kontrolliert, 28 Drogendelikte festgestellt.
Social Media erst ab 13?

EU betont Altersgrenzen

Die EU-Kommission plant trotz Kritik neue Altersgrenzen für soziale Netzwerke und will Plattformen stärker für den Jugendschutz in die Pflicht nehmen.
Kokainflut in Deutschland

Drogenhandel wird digitaler

Kokainhandel, digitale Vertriebswege und neue Formen des Drogenkonsums beschäftigen Polizei und Politik zunehmend.
Überfälle bei Grindr-Dates

30 Jahre Haft für Täter gefordert

Drei junge Männer sollen neun Schwule in Rom über Grindr in Fallen gelockt und beraubt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert insgesamt 30 Jahre Haft.