Direkt zum Inhalt
Neue Vorwürfe in England
Foto: iStock / andrewmedina
ANZEIGE

Neue Vorwürfe in England Verhinderte Homophobie die Aufklärung von Angriffen auf Schwule?

ms - 05.12.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die Vorwürfe gegen die britische Polizei reißen nicht ab – letzte Woche erst wurde deutlich, dass es noch immer ein gravierendes Problem mit Homophobie und Sexismus unter den Londoner Beamten gibt, nun sorgt ein neuer Skandal für Schlagzeilen. Mehrere Todesfälle im Umfeld mutmaßlicher Erpressungen über die Dating-App Grindr bringen die britischen Polizeibehörden unter erheblichen Druck. Recherchen der BBC zeigen, dass mindestens fünf Männer ins Visier einer kriminellen Gruppe geraten sein sollen – doch Ermittlungen blieben aus oder wurden nur halbherzig geführt.

Stoppte Homophobie die Ermittlungen?

In einem besonders schweren Fall suchten die mutmaßlichen Täter einen 56-Jährigen zu Hause auf und verlangten, er solle seinen Range Rover herausgeben. Nur einen Tag später nahm sich der Mann das Leben. Die Aufsichtsbehörde IOPC hat den zuständigen Beamten der Hertfordshire Police gravierende Versäumnisse attestiert. Sie prüft nun auch, ob „homophobe Annahmen“ die Arbeit der Ermittler beeinträchtigt haben könnten. Der Partner des Verstorbenen, Cameron Tewson, berichtete der BBC, dass die Stimmung der Beamten spürbar kippte, als er erwähnte, dass sein Partner Grindr genutzt habe: „Es fühlte sich so an, als ob es danach einfach ignoriert wurde“, so Tewson.

Brisant ist zudem ein Schreiben, das die Täter zurückgelassen hatten: Darin standen das Kennzeichen des Range Rovers sowie eine Telefonnummer, die laut internen Unterlagen bereits in einem früheren Erpressungsfall eine Rolle gespielt hatte. Dennoch wurden keine Fingerabdrücke genommen, keine DNA-Spuren analysiert und niemand festgenommen. Die IOPC kritisierte in ihrem Bericht, der Fall sei weder gründlich untersucht noch Beschwerden angemessen behandelt worden. 

Innerhalb von zehn Tagen nach dem Todesfall gingen zwei weitere Anzeigen ein, in denen dieselbe Telefonnummer auftauchte. Die Tätergruppe trat gegenüber ihren Opfern als angebliche „Pädophilen-Jäger“ auf, präsentierte jedoch keinerlei Beweise. Statt sie als Verdächtige zu behandeln, stufte die Polizei die Gruppe als „schutzbedürftige Personen“ ein – auch hier ohne Festnahmen. Die IOPC forderte Hertfordshire Police auf, sowohl den Todesfall als auch das Beschwerdemanagement erneut zu überprüfen.

Ein weiterer Todesfall verstärkt den Druck

Neun Wochen später wurde der 24-jährige Modestudent Liam McHale tot in seiner Wohnung gefunden. Am Vorabend hatte er Freunden erzählt, dass er auf Grindr erpresst werde – ein Date habe ihn unter dem Vorwand, minderjährig zu sein, bedroht. McHale meldete dies der Polizei, erhielt jedoch die Aufforderung, seine Aussage am nächsten Tag einzureichen. Am Morgen darauf wurde er leblos aufgefunden; ob er sich das Leben nahm, blieb ungeklärt. 

Seine Mutter Julie Rice spricht von unerträglicher Ungewissheit. Die Auswertung von Handy und Laptop ihres Sohnes habe über 18 Monate gedauert: „Es fühlt sich an, als ob das Ganze unter den Teppich gekehrt wurde“, sagte sie der BBC. Auch in diesem Fall kam es zu keiner Festnahme. Ob beide Männer von derselben Gruppe bedroht wurden, ist unklar; die Thames Valley Police verweist auf laufende Ermittlungen, äußert sich aber nicht zu einzelnen Fällen.

Debatte über Verantwortung 

Juristinnen und Juristen fordern inzwischen strengere Schutzmechanismen durch Dating-Apps. Natalie Sherborn von der Kanzlei Withers plädiert dafür, mehr Nutzerdaten zu erfassen, um Kriminelle schneller identifizieren zu können – unter Beachtung der Datenschutzregeln. Die schwule Dating-App Grindr betonte, umfassende Identitätsprüfungen seien für viele Nutzer riskant. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man arbeite mit Behörden zusammen und wolle „eng mit der Community zusammenarbeiten, um ein sicheres Umfeld zu schaffen“.

Owen Pyle, Superintendent und Ansprechpartner für die LGBTIQ+-Community bei der Hertfordshire Police, versicherte, man wolle Diskriminierung entgegenwirken und die Arbeit mit queeren Menschen stärken: „Opfer werden ernst genommen und mit Sensibilität behandelt.“ Auch die IOPC erklärte, sie stehe in engem Austausch mit queeren Organisationen, um deren Perspektiven besser zu berücksichtigen. Ihre Anteilnahme gelte den betroffenen Familien und allen, die unter den Vorfällen leiden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

News zu Heated Rivalry 2

Hudson Williams verrät Details

„Heated Rivalry 2“ wird derzeit gedreht und soll 2027 mit neuen Konflikten und mehr Emotionalität starten, verriet jetzt Schauspieler Hudson Williams.
Schwule Juden

Mehr Sichtbarkeit in der Community

Eine LGBTIQ+-Tora-Gruppe in Oregon liest jüdische Texte neu und will LGBTIQ+-Menschen darin als Teil der jüdischen Geschichte sichtbar machen.
Streisand greift Trump an

Streit um das Kennedy Center

Barbra Streisand kritisiert Präsident Trumps Vorgehen beim Kennedy Center, dessen Umbenennung juristisch und politisch umstritten ist.
Zehn Jahre Projekt „WiR*“

Aufklärung gerät unter Druck

Das Kölner Projekt „WiR*“ feiert zehn Jahre Aufklärungsarbeit – und warnt vor zunehmender Queerfeindlichkeit an Schulen.
Kolumbien sagt Nein zu LGBTIQ+

Kritik an neuem Regierungskurs

Kolumbien verlässt eine wichtige internationale LGBTIQ+-Koalition, während Menschenrechtsvereine vor anhaltender Gewalt gegen die Community warnen.
Vapen bei LGBTIQ+-Jugendlichen

Mobbing verstärkt den Trend

Eine neue Untersuchung sieht einen Zusammenhang zwischen der Ausgrenzung und Mobbing von LGBTIQ+-Jugendlichen und ihrem erhöhten Vape-Konsum.
ESC-Krise in Großbritannien

Prüfung des Auswahlverfahrens

Nach dem letzten Platz 2026 beim ESC soll das britische Eurovision-Auswahlverfahren jetzt im Parlament genauer untersucht werden.
Volkszählung in den USA

Neue Regeln sorgen für Kritik

Geplante Regeln für die US-Volkszählung 2030 könnten trans* Menschen zur Offenlegung ihrer Geschlechtsidentität gegenüber dem Staat zwingen.