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Radikale Jugendliche Berliner Projekt im Kampf gegen LGBTIQ+-Hass

Von ms - 01.12.2025 - 10:00 Uhr
Radikalisierung von Jugendlichen
Foto: iStock / sankai
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Jüngste Fälle von Extremismus und Gewalt unter Jugendlichen werfen immer wieder Fragen nach den Ursachen und Risikofaktoren auf. Besonders alarmierend ist dabei die Gruppe der 14-bis-17-Jährigen, hier stieg die Zahl der Tatverdächtigen seit 2019 massiv an. Bereits im Frühjahr warnte der Verfassungsschutz in Brandenburg vor immer mehr gewaltbereiten Jugendlichen, die sich radikalisiert haben – im Zentrum der Angriffe steht dabei immer mehr die LGBTIQ+-Community. 

Gewaltbereite Jugendliche 

Die zahlreichen Angriffe auf CSDs in diesem Jahr haben dabei eine besorgniserregende Entwicklung aufgezeigt: Immer mehr Jugendliche geraten in extremistische Ideologien, was den deutschen Sicherheitsbehörden zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) ist seit 2019 ein deutlicher Anstieg von Gewaltkriminalität unter Jugendlichen zu verzeichnen. Besonders alarmierend ist der Anstieg bei Kindern unter 13 Jahren, deren Zahl in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) um 66 Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung ist nicht nur auf die zunehmende Radikalisierung von Jugendlichen zurückzuführen, sondern auch auf eine Vielzahl von sozialen und psychischen Belastungen, die in den letzten Jahren immer häufiger aufgetreten sind.

Psychische Belastungen und Krisen

Das BKA weist darauf hin, dass psychische Belastungen bei jungen Menschen immer häufiger beobachtet werden, was zwar nicht direkt zu kriminellen Taten führt, aber in Kombination mit anderen ungünstigen Faktoren das Risiko für gewalttätiges Verhalten erhöhen kann. Gewalt in der Familie, Armut, Zukunftsängste und die Auswirkungen von Krisen wie dem Krieg in der Ukraine, dem Klimawandel und der Corona-Pandemie spielen dabei eine zentrale Rolle. Besonders gefährdet sind hier demnach minderjährige Flüchtlinge, die oft ohne familiäre Unterstützung und Perspektiven in einem fremden Land leben und im Internet nach Sinn und Zugehörigkeit suchen.

Radikalisierung im Internet

Im digitalen Raum sind junge Menschen besonders anfällig für extremistische Propaganda. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass viele rechtsextremistische und islamistische Gewalttaten eine Radikalisierung im Internet vorausgehen. Plattformen wie Instagram, TikTok und Telegram bieten jungen Menschen niederschwellige Einstiegsmöglichkeiten, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und radikale Ideologien zu konsumieren. Die Gefahr dabei: Der virtuelle Raum fördert die Bildung von Echokammern, in denen Gewalt und Hass gegen bestimmte Gruppen wie eben die LGBTIQ+-Bewegung verbreitet werden.

Prävention und Deradikalisierung

Die Prävention und Deradikalisierung von Jugendlichen, die in extremistische Milieus abgleiten, ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Das „Violence Prevention Network“ (VPN) in Berlin, das sich seit über zwanzig Jahren mit der Deradikalisierung von jungen Menschen beschäftigt, betont dabei gegenüber der Deutschen Welle die Bedeutung eines Dialogs auf Augenhöhe. Geschäftsführer Thomas Mücke warnt davor, den Kontakt zu radikalisierten Jugendlichen abzubrechen, da dies oft in einer weiteren Isolation und Vertiefung ihrer extremistischen Ansichten führt. Stattdessen müsse ein offener Austausch in einem geschützten Rahmen stattfinden, der es Jugendlichen ermöglicht, ihre Ansichten zu hinterfragen und andere Perspektiven kennenzulernen. „Wenn wir die Fähigkeit zur Kommunikation verlieren, dann haben die Extremisten gewonnen“, so Mücke.

Feride Aktas, Expertin für religiös begründeten Extremismus beim VPN, sieht die Aufgabe darin, junge Menschen nicht sofort zu verurteilen, sondern auf ihre Emotionen einzugehen. Dies sei besonders wichtig, da radikalisierte Jugendliche oft das Gefühl haben, im Leben keinen Halt zu finden – sei es in der Familie, in der Schule oder in der Gesellschaft. Aktas betonte im DW-Interview, dass die Corona-Pandemie noch immer ein prägendes Thema für viele Jugendliche ist, die sich oft verlassen fühlen und in extremistischen Gruppen eine Ersatzfamilie finden.

Familien und Schulen als erste Anlaufstellen

Eine der größten Herausforderungen in der Deradikalisierung sei, dass viele Eltern die Gefahr einer Radikalisierung ihrer Kinder nicht frühzeitig erkennen. Mücke erklärt, dass in solchen Fällen eine sofortige Beratung und ein direkter Dialog mit den Eltern notwendig sind, um frühzeitig gegenzusteuern. Das „Violence Prevention Network“ hat in den letzten zehn Jahren mehr als 400 „gefahrenrelevante“ Fälle betreut, wobei es sich um Personen handelt, die sowohl eine Gefahr für sich selbst als auch für andere darstellen. 

Unter diesen 431 Fällen waren auch 75 „Hochrisiko-Personen“, die eine besonders hohe Gefährdung für die öffentliche Sicherheit darstellen. Die gute Nachricht: Von allen jungen Menschen, die in den letzten Jahren mit Unterstützung des Netzwerks einen Weg aus extremistischen Milieus suchten, sind nur zwei rückfällig geworden. 

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