Direkt zum Inhalt
Rechtsruck in Chile
ANZEIGE

Rechtsruck in Chile Drohen mehr Attacken auf LGBTIQ+-Menschen?

ms - 12.03.2026 - 08:30 Uhr
Loading audio player...

In Chile hat der konservative Politiker José Antonio Kast offiziell das Präsidentenamt übernommen. Bei der Zeremonie im Kongress in der Hafenstadt Valparaíso löste der 60-Jährige seinen linkspolitischen Vorgänger Gabriel Boric ab. Mit dem Machtwechsel vollzieht das südamerikanische Land einen deutlichen politischen Kurswechsel nach rechts – queere Verbände befürchten eine mögliche Verschlechterung der Lebensrealität von LGBTIQ+-Menschen. 

Neuausrichtung im Land

Der neue Staatschef und neunfache Vater steht politisch für konservative Positionen und gilt als strenggläubiger Katholik. Kast ist Sohn eines deutschen Wehrmachtsoffiziers und hatte in der Vergangenheit offen seine Bewunderung für den ehemaligen Militärmachthaber Augusto Pinochet geäußert. Nach seiner Wahl sucht er zudem verstärkt die Nähe zu rechtsgerichteten politischen Kräften weltweit. In seiner ersten Rede als Präsident zeichnete Kast dann auch ein düsteres Bild der Lage im Land und kündigte eine grundlegende politische Neuausrichtung an. Die Regierung werde sich auf Sicherheit, Ordnung und wirtschaftliches Wachstum konzentrieren.

„Eine Notstandsregierung ist keine leere Worthülse“, erklärte Kast am Abend im Präsidentenpalast La Moneda in der Hauptstadt Santiago. „Sie schafft Ordnung im Chaos. Sie bringt Erleichterung im Leid. Sie sorgt für ein hartes Durchgreifen, wo Straflosigkeit herrscht. Und sie ist reale, konkrete und mögliche Hoffnung für all jene, die zu lange ignoriert wurden.“ Der Präsident hatte seinen Wahlkampf stark auf Themen wie Migration und Kriminalität ausgerichtet. Kast kündigte an, irreguläre Migranten abzuschieben, notfalls „mit nichts als ihrer Kleidung am Leib“. Rund 300.000 Menschen halten sich derzeit ohne offizielle Papiere im Land auf. 

Wenig Sympathien für LGBTIQ+

Zuvor hatte sich Kast auch immer wieder negativ über LGBTIQ+-Rechte geäußert und unter anderem erklärt, dass er eine Ehe für Homosexuelle ablehne und ein „traditionelles Familienmodell“ bevorzuge. In seinen politischen Positionen kritisierte Kast regelmäßig überdies Feminismus und das, was er als „Gender-Ideologie“ bezeichnet. Außerdem lehnt er staatliche Politik zur Förderung von sexueller Diversität ab. Zwar beteuerte Kast in einem Interview, er habe „kein Problem mit der homosexuellen Welt“, stelle sich aber gegen eine „Gay-Lobby“, die politischen Druck ausübe.

Ob Kast bereits erreichte Rechte für die Community möglicherweise wieder einschränken oder gar rückabwickeln will, ist nicht bekannt. Seit März 2022 gibt es die gleichgeschlechtliche Ehe inklusive eines Adoptionsrechts im Land – über 70 Prozent der Bevölkerung sprachen sich für die Ehe-Gleichstellung aus. Chile hat sich in den letzten Jahren so zu einem der fortschrittlichsten Länder Südamerikas in Bezug auf LGBTIQ+-Rechte entwickelt, zuletzt stiegen allerdings die Fälle von Gewalt gegenüber Schwulen und Lesben deutlich an, mehr als 60 Prozent der Bevölkerung fühlt sich inzwischen auch aufgrund der organisierten Kriminalität unsicher.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Vom Popstar zum Berater

Grammy-Gewinner wechselt Seiten

Der schwule, frühere Clean-Bandit-Musiker Neil Amin-Smith ist vom Grammy-Gewinner zum Wirtschaftsberater aufgestiegen.
Vom Chatroom zur Dating-App

30 Jahre digitale Schwulenszene

Von Gay.com bis Grindr: Das Internet hat die schwule Kontaktkultur grundlegend verändert – und ständig neue Formen des Kennenlernens geschaffen.
Serie setzt Zeichen in Mexiko

Amazon Prime zeigt neues Hit-Format

Die Prime-Serie „No One Will Miss Us“ verändert im Herkunftsland Mexiko den Blick auf schwule Liebe. Hauptdarsteller Alejandro Puente erklärt, warum!
Versteckte Zeichen an Bord

Flirten auf dem Kreuzfahrtschiff

Auf Kreuzfahrtschiffen können Ananas, schwarze Ringe oder Einhornmotive versteckte Hinweise auf lustvolle Interessen sein. Kennst Du dich aus?
LGBTIQ+-Netzwerk gibt auf

Putin zwingt Verein in die Knie

Das Russische LGBT-Netzwerk stellt jetzt seine öffentliche Arbeit ein, nachdem ein Gericht die Organisation als „extremistisch“ eingestuft hat.
Lehrer und LGBTIQ+-Schüler

Rückhalt bringt bessere Noten

Eine neue US-Studie zeigt: Unterstützende Lehrkräfte und Freunde verbessern die Schulerfahrungen und Leistungen von queeren Jugendlichen deutlich.
Venedig zeigt queere Vielfalt

LGBTIQ+-Filmfest feiert Jubiläum

Der Queer Lion wird in Venedig zum 20. Mal vergeben. Zwölf Filme konkurrieren um den LGBTIQ+-Filmpreis beim internationalen Filmfestival.
Nancy Pelosi zieht Bilanz

Kampf für LGBTIQ+-Rechte

US-Politikerin Nancy Pelosi zieht eine Bilanz ihres LGBTIQ+-Engagements und blickt mit kritischem Blick in die Zukunft.
Heated Rivalry auf Blu-ray

Collector’s Edition kommt raus

Freude für die Fans: „Heated Rivalry“ erscheint mit Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray, während die zweite Staffel bereits produziert wird.