Direkt zum Inhalt

Boykott des Weltstrafgerichts Aufstand von drei westafrikanischen Ländern

Von ms - 23.09.2025 - 14:00 Uhr
Boykott des Weltstrafgerichts
Foto: iStock / Milos Ruzicka
ANZEIGE
Loading audio player...

Drei Länder in Westafrika haben nun angekündigt, aus dem Internationalen Strafgerichtshof auszutreten. Damit erkennen Burkina Faso, Mali und Niger die Rechtsprechung und grundlegende Menschenrechte nicht mehr an. Die Lage für LGBTIQ+-Menschen in den drei Ländern dürfte sich damit mit allergrößter Wahrscheinlichkeit weiter dramatisieren. 

Homophobe Staaten radikalisieren sich

Als Begründung für diesen Schritt erklärten die vom Militär regierten Staaten, dass das Gericht in Den Haag Verbrechen nur noch „willkürlich“ verfolgen würde, die Richter seien dabei zu einem „Instrument neokolonialer Unterdrückung“ geworden. Zwei der drei ehemaligen französischen Kolonien haben zuletzt ihre Rechtsprechung gegenüber Homosexuellen radikalisiert. 

In Mali verabschiedete die Übergangsregierung im Dezember 2024 ein Gesetz, das seitdem Homosexualität unter Strafe stellt. Justizminister Mamadou Kassogue hatte den Schritt damit erklärt, dass das Land seine Bräuche und Werte schützen müsse, diese dürften nicht durch „fremde, westliche Einflüsse“ verletzt werden. Im Juli dieses Jahres kündige dann Brukina Faso weitreichende gesetzliche Änderungen an, die im September nun ebenso in Kraft getreten sind: Auch hier verabschiedete das Übergangsparlament einstimmig ein Verbot von Homosexualität – es drohen Geldstrafen sowie Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren.

Einzig in Niger sind gleichgeschlechtliche Handlungen bisher noch legal, allerdings hat sich seit dem Militärputsch 2023 die Lage für Schwule und Lesben radikal verschlechtert. Homosexuelle werden immer öfter zu Freiwild, Gewalttaten gegen Lesben und Schwule werden von der Polizei oftmals nicht verfolgt. Aktuell arbeitet die Übergangsregierung außerdem an einem Gesetz, das Homosexualität ebenso kriminalisieren soll. Seit 2022 wird ein finaler Gesetzestext ausgearbeitet.   

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Mit dem Austritt der drei westafrikanischen Länder verliert die Staatengemeinschaft sowie das Weltstrafgericht auch jedwede Handhabe in Bezug auf Sanktionen oder Urteile zur Wahrung der Menschenrechte. Seit 2002 verfolgt der Strafgerichtshof Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie auch Vorwürfe im Bereich Völkermord und Kriegsverbrechen. Alle europäischen Staaten sind Mitglieder, während Russland, Israel und die USA bis heute keine Vertragsstaaten sind. Zuletzt machte der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Schlagzeilen Anfang 2025, die Richter hatten erstmals Haftbefehle gegen hochrangige Vertreter der Taliban wegen „brutaler Unterdrückung von LGBTIQ+-Personen“ beantragt. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

SWRInwiefern spiegeln Beleidigungen Geschlechterklischees?Hamburger AbendblattEinmal im Leben Cowboy sein – die Breeder‘s Pride Ranch macht‘s möglichBR24Heizkosten: Fernablesbare Zähler werden 2027 PflichtBILDQueerer Volleyball-Star - „Mein Coming-out war einfach an der Zeit“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie stark empfindest du den Schönheitsdruck in der schwulen Community?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gleichheit im Alltag

Hintergrund zum Fall in Gqeberha

Ein Ladenbesitzer sollte LGBTIQ+-Menschen fernhalten. Ein Urteil vom Oktober zeigt, welche Folgen der Ausschluss in Südafrika haben kann.
Nach dem Wahlsieg in den USA

Ein Interview mit konkreter Ansage

Der gewählte US-Senator Chris Pappas kündigt eine klare Prüfung von Richterkandidaten an. Dabei geht es auch um den Schutz seiner eigenen Ehe.
141 Millionen Dollar Umsatz

Prognosen bleiben Erwartungen

Grindr meldet für das dritte Quartal 2026 ein Umsatzplus von 22 Prozent. Was daraus für die App folgt – und was die Zahlen offenlassen.
Pride im November

Ansbach setzt auf Sichtbarkeit

In Ansbach trifft der Winter-CSD auf rechten Gegenprotest. Erste Lokalberichte zeigen Unterstützung und starke Polizeipräsenz.
Aigner vor Kandidatur

Wandel und offene Fragen

Ilse Aigner soll für Schloss Bellevue kandidieren. Ihre Bilanz zu queeren Rechten verbindet frühere Ablehnung mit späteren Zeichen der Solidarität.
Die besten schwulen Filme

Ranking der Top-100 weltweit

Die schwule Filmplattform GFM wählte die besten 100 schwulen Filme. Wer schaffte es in die Top-10? Und sind auch deutsche Filme mit dabei?
Strafen für K.-o.-Tropfen

Fünf Jahre Haft für schwere Taten

Wer K.-o.-Tropfen für Vergewaltigungen oder Raub einsetzt, soll künftig härter bestraft werden. Auch in der Community gibt es immer wieder Opfer.
Geheimsprache schwuler Männer

Als Wörter vor Verfolgung schützten

Mit Polari verständigten sich schwule Männer in Großbritannien und Europa jahrzehntelang unauffällig. Heute wird die Geheimsprache wiederentdeckt.
Schwuler Boxer macht Mut

Mit Regenbogenflagge zum Sieg

Der offen schwule Boxer Oscar Bonifacino gewinnt in Uruguay seinen fünften Profikampf und ermutigt einen anderen Sportler zum Coming-Out.