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Chemsex in der schwulen Community

Chemsex in der Community EU-Drogenbericht registriert steigenden Konsum von Ketamin und GHB

ms - 12.06.2026 - 10:30 Uhr
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Der Konsum psychoaktiver Substanzen im Zusammenhang mit Sexualität – bekannt als Chemsex – bleibt insbesondere in Teilen der schwulen Community ein bedeutendes Gesundheits- und Präventionsthema. Darauf deuten aktuelle Daten des Europäischen Drogenberichts 2026 der EU-Drogenagentur EUDA hin, die die Entwicklung in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und der Türkei untersucht hat.

Das Wichtigste im Überblick

  • Chemsex bleibt insbesondere unter Männern, die Sex mit Männern haben, ein relevantes Phänomen.
  • Experten gehen von mehr als 40.000 Menschen aus, die in Deutschland regelmäßig Chemsex praktizieren.
  • Zu den häufigsten Chemsex-Substanzen zählen GHB/GBL, Crystal Meth, Mephedron und Ketamin.
  • Der europäische Drogenbericht verzeichnet einen deutlichen Anstieg beim Konsum und bei Sicherstellungen von Ketamin.
  • Die EU-Drogenagentur sieht Substitution, Take-Home-Naloxon sowie Nadel- und Spritzenprogramme als wichtige Instrumente zur Verringerung gesundheitlicher Schäden.
  • Deutschland liegt bei drogenbedingten Todesfällen und HIV-Infektionen durch injizierenden Drogenkonsum vielerorts über dem Niveau von Nachbarstaaten.

Chemsex unter Schwulen 

Nach Einschätzung von Fachleuten praktizieren in Deutschland schätzungsweise mehr als 40.000 Menschen regelmäßig Chemsex. Besonders verbreitet ist die Praxis unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Dabei werden bewusstseinsverändernde Substanzen eingesetzt, um sexuelles Verlangen, Ausdauer und Enthemmung zu steigern. Der German Chemsex Survey ergab, dass rund 54 Prozent der befragten Männer grundsätzlich Substanzen im Zusammenhang mit Sexualität konsumieren. Etwa 28 Prozent gaben an, gezielt sogenannte Chemsex-Substanzen zu verwenden.

Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen gehören GHB und GBL, häufig als „G“ bezeichnet. Die flüssigen Stoffe wirken euphorisierend, enthemmend und sexuell stimulierend und werden oft mit anderen Drogen kombiniert. Ebenfalls verbreitet sind synthetische Cathinone wie Mephedron oder 3-MMC. Diese stimulierenden Substanzen werden meist geschluckt oder geschnupft und gelten als stark aufputschend, empathogen und luststeigernd. Eine weitere zentrale Rolle spielt Crystal Meth, in der Szene oft als „Tina“ oder „T“ bekannt. Das starke Stimulans kann Energie, Ausdauer und sexuelles Verlangen über viele Stunden hinweg erheblich steigern.

Zunehmend Bedeutung gewinnt zudem Ketamin. Das ursprünglich als Anästhetikum entwickelte Mittel wird in niedrigen Dosierungen als Rauschmittel eingesetzt und erzeugt dissoziative sowie enthemmende Effekte. Besonders in schwulen Hotspot-Großstädten wie Berlin, Köln und München werden hohe Fallzahlen registriert. Fachleute weisen darauf hin, dass Chemsex mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sein kann. Dazu zählen ein erhöhtes Risiko für HIV- und Hepatitis-C-Infektionen sowie psychische Belastungen wie Depressionen.

Deutlicher Anstieg bei Ketamin-Konsum

Der aktuelle Bericht der EU-Drogenagentur zeigt, dass Ketamin europaweit zunehmend konsumiert wird. Besonders in bestimmten Jugendszenen und im Nachtleben gewinnt die Substanz an Bedeutung. 14 Prozent der knapp 62.000 Teilnehmer einer europaweiten Online-Erhebung gaben an, innerhalb der zwölf Monate vor der Befragung Ketamin konsumiert zu haben. Auch die Marktdaten weisen auf eine steigende Verbreitung hin. Im Jahr 2024 wurden dem europäischen Frühwarnsystem Sicherstellungen von insgesamt 1,6 Tonnen Ketaminpulver gemeldet. Zwar lag die Menge unter den 2,7 Tonnen des Vorjahres, dennoch entfielen 77 Prozent der sichergestellten Gesamtmenge auf Deutschland. Die Zahl der Ketamin-Sicherstellungen hat sich seit 2017 vervierfacht. Zudem meldeten Drug-Checking-Angebote in sieben EU-Mitgliedstaaten zwischen 2023 und 2025 nahezu eine Verdreifachung der als Ketamin eingereichten Proben – von 652 auf 1.587. 

GHB bleibt wichtige Chemsex-Droge

Auch GHB und dessen Vorläuferstoff GBL spielen weiterhin eine bedeutende Rolle im europäischen Drogenmarkt. Insgesamt meldeten 15 europäische Staaten nahezu 1.500 Sicherstellungen von GHB oder GBL. Dabei wurden 34,9 Kilogramm sowie 455 Liter der Substanzen beschlagnahmt. Die Stoffe gelten als besonders risikobehaftet, da die Grenze zwischen gewünschter Wirkung und lebensgefährlicher Überdosierung vergleichsweise gering sein kann.

Kokainkonsum auf hohem Niveau

Neben den klassischen Chemsex-Substanzen bleibt auch der Konsum anderer Drogen in Europa hoch. Nach Angaben der EUDA konsumierten im Jahr 2024 rund 4,3 Millionen Menschen Kokain. Die Droge war an etwa einem Drittel aller drogenbedingten Todesfälle beteiligt. Gleichzeitig nimmt der Konsum von Crack, der rauchbaren Form von Kokain, weiter zu. 

Cannabis bleibt mit geschätzt 25 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten zwischen 15 und 64 Jahren die am häufigsten konsumierte illegale Droge Europas. Die EUDA warnt dabei vor steigenden Gesundheitsrisiken, da viele Produkte mit hochwirksamen synthetischen Cannabinoiden versetzt werden und zunehmend auch als E-Zigaretten-Produkte oder essbare Erzeugnisse auf den Markt gelangen.

Todesfälle in Deutschland

Die häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle in Europa bleiben Opioide. Für das Jahr 2024 registrierte die EUDA mindestens 7.600 Todesfälle durch Überdosierungen. In den meisten Fällen waren mehrere Substanzen beteiligt. In Deutschland starben 2024 insgesamt 2.137 Menschen im Zusammenhang mit Drogenkonsum. In rund 700 Fällen spielte Heroin eine Rolle. Fast 100 Todesfälle standen im Zusammenhang mit dem hochwirksamen synthetischen Opioid Fentanyl. Deutschland verzeichnete damit etwa 35 drogenbedingte Todesfälle je eine Million Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. 

In mehreren Nachbarstaaten lagen die Werte deutlich niedriger. Frankreich meldete 17 Todesfälle je eine Million Einwohner, Portugal 15, Polen 13, Tschechien 10 und Italien 6. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei HIV-Infektionen infolge injizierenden Drogenkonsums. Während Deutschland drei Neuinfektionen pro eine Million Einwohner dokumentierte, lagen die Werte in Frankreich bei 1,1, in Portugal bei 1,9, in Polen bei 0,8, in Tschechien bei 1,6 und in Italien bei 1,5.

EUDA verweist auf wirksame Schutzmaßnahmen

Nach Einschätzung der EU-Drogenagentur lassen sich viele Risiken des problematischen Drogenkonsums durch bewährte gesundheitspolitische Maßnahmen reduzieren. Dazu zählen insbesondere Substitutionsprogramme für opioidabhängige Menschen, die Ausgabe von Take-Home-Naloxon zur Behandlung von Überdosierungen sowie Nadel- und Spritzenprogramme zur Verhinderung von Infektionen. Auffällig sei zudem der Unterschied bei der Zahl der Menschen in Substitutionsbehandlung. Während in Deutschland rund 80.000 Patienten substituiert werden, zählt Frankreich etwa 171.000 Betroffene in entsprechender Behandlung.

Als möglichen Grund nennt die EUDA die Integration der Substitutionstherapie in die reguläre hausärztliche Versorgung in Frankreich. Dies senke die Zugangshürden für Patientinnen und Patienten offenbar deutlich. Der Bericht macht damit deutlich, dass neben Strafverfolgung und Kontrolle vor allem niedrigschwellige Gesundheits- und Präventionsangebote eine wichtige Rolle bei der Verringerung der gesundheitlichen Folgen von Drogenkonsum spielen – auch im Bereich des Chemsex, der in Teilen der schwulen Community weiterhin eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstellt.

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