Direkt zum Inhalt
Schlussplädoyer gegen Ungarn
ANZEIGE

Schlussplädoyer gegen Ungarn Generalstaatsanwältin bekräftigt alle Anklagepunkte gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Ungarn

ms - 05.06.2025 - 13:20 Uhr
Loading audio player...

Ungarn verstößt mit seinem Anti-Homosexuellen-Gesetz von 2021 gegen Artikel 2 der Europäischen Union, die Vertragsklausel, in der die Grundwerte der EU verankert sind. Zu dieser bahnbrechenden Einschätzung kam heute die Generalanwältin Tamara Ćapeta in ihrem abschließenden Gutachten. Seit Ende letzten Jahres läuft vor dem Gerichtshofs der EU (EuGH) der Prozess gegen Ungarn. 16 EU-Mitgliedsstaaten sowie das EU-Parlament und die EU-Kommission hatten die Klage eingereicht. Die heute erfolgten Aussagen seien ein „historisches Gutachten“, so mehrere queere Vereine.  

Verstoß gegen die EU-Grundwerte

Es ist das erste Mal in der Geschichte der EU, dass ein Land damit offiziell gegen die Grundwerte der Union verstößt, in diesem Fall gegen Demokratie und die Gleichheit der Menschenrechte. Dazu kommen Verstöße gegen die Charta der Grundrechte und gegen die Freiheit der Menschen. Die Richter des EU-Gerichtshofes fällen ihr Urteil in der Sache voraussichtlich bis Ende des Jahres – zumeist stimmen sie dabei allerdings der Einschätzung der Generalanwaltschaft zu.   

„Dies ist ein wichtiger rechtlicher Schritt. Zum ersten Mal wird der Gerichtshof aufgefordert, einen eigenständigen Verstoß gegen Artikel 2 zu bestätigen. Es beweist, dass es sich bei den Maßnahmen Ungarns nicht um eine politische Meinungsverschiedenheit handelt – sie sind ein Angriff auf die Grundlagen der ganzen Union. Ein wichtiger Meilenstein im europäischen Kampf für LGBTIQ+-Rechte und für die Verteidigung der EU-Werte“, so Rémy Bonny, Geschäftsführer der queeren Organisation Forbidden Colours. Nun müsse die EU-Kommission handeln, so Bonny weiter. Ähnlich schätzt das auch Rechtsexperte Vincent Reillon ein: „Diese Stellungnahme sollte ein Weckruf sein. Die Kommission kann nicht schweigen, während Ungarn den Pride verbietet. Sie muss jetzt handeln: ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten, einstweilige Maßnahmen beantragen und EU-Mittel blockieren.“

Die Bedeutung dieses Gutachtens

Esther Martinez, Geschäftsführerin des LGBTIQ+-Vereins Reclaim, hebt dabei die besondere Bedeutung des heutigen Tages hervor: „Dieser Fall ist der größte Menschenrechtsfall in der Geschichte der EU. Der Generalanwalt ist der Ansicht, dass die Klage in allen Punkten begründet ist und schließt sich der Argumentation der EU-Kommission voll an: Ungarns Gesetz verstößt gegen EU-Recht und EU-Werte. Die Generalanwältin ist eindeutig: Die Gleichstellung von LGBTIQ+ steht in der EU nicht zur Debatte. Diskriminierung und Ausgrenzung von LGBTIQ+ Menschen sind nicht zu rechtfertigen – sie verstoßen gegen die Grundwerte der Union!“

Und Bonny betont abschließend: „Hier geht es nicht mehr nur um Ungarn. Es geht um die Glaubwürdigkeit der EU als Union der Werte. Dem Gerichtshof ist ein klarer Weg aufgezeigt worden. Wir fordern die 27 Richter auf, den Schlussanträgen des Generalanwalts zu folgen. Wenn der Gerichtshof die Schlussanträge bestätigt, werden die Kommission und die anderen Mitgliedstaaten keine andere Wahl haben, als zu handeln – politisch und rechtlich.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Tops und Bottoms

Spannende neue Studiendaten

Top oder Bottom? Eine neue Studie mit mehr als 141.000 Dating-App-Nutzern zeigt Unterschiede bei sexuellen Rollen nach Alter und Region.
Dylan Walsh in Nöten

Geheimnisse über Heated Rivalry

Schauspieler Dylan Walsh, der Vater der Serienfigur Shane Hollander, hat in einem Cameo-Video geheime Details zu „Heated Rivalry“ ausgeplaudert.
Tip Toe bei HBO

Zwischen Hass und Hoffnung

Die Drama-Serie „Tip Toe“ erzählt ab heute von wachsender Feindseligkeit gegenüber queeren Menschen und einem tödlichen Nachbarschaftskonflikt.
Schwimmstar Alex Kostich

Neuer Rekord im Lake Tahoe

Der schwule Ex-Nationalschwimmer Alex Kostich schwimmt mit 56 Jahren neue Rekorde im Lake Tahoe und verarbeitet dabei das Ende seiner 26-jährigen Ehe.
Große Bühne für Jordan Lucas

US-Volleyballstar in New York

Nach homophoben Attacken wurde Jordan Lucas zum international bekannten Volleyballstar und Vorbild. Nun wechselt er zur letzten Saison nach New York.
Hass-Attacke in Kalifornien

Im Fokus LGBTIQ+-freundliche Kirche

Eine LGBTIQ+-freundliche Kirche in Kalifornien wurde Ziel von Vandalismus. Die Community ist geschockt über die Hass-Tat im liberalen Bundesstaat.
HIV-Schmutzkampagne

Schwuler Politiker wird angegriffen

Ein schwuler US-Kandidat wurde im Wahlkampf in Florida mit einem falschen HIV-Vorwurf angegriffen. Seine Konkurrenten verurteilen die Kampagne.
300.000 Dollar für LGBTIQ+

Seattle plant zusätzliche Hilfe

Seattle will 300.000 Dollar für LGBTIQ+-Vereine bereitstellen, die angesichts steigender Zahlen vertriebener trans* Menschen Unterstützung leisten.
Neue Sicherheitsregeln für ESC

Mindestalter steigt auf 18 Jahre

Für den Eurovision Song Contest 2027 in Bulgarien gelten neue Regeln zu Sicherheit, Live-Gesang und dem Mindestalter der Teilnehmer.