Boykott der Community Nach Pentagon-Deal deinstallieren Queere ChatGPT
OpenAI steht vor der größten Boykottwelle seiner Geschichte: Zehntausende queere Nutzerinnen und Nutzer deinstallieren aktuell ChatGPT, nachdem bekannt wurde, dass die KI-Modelle des Unternehmens künftig auch für das US-Verteidigungsministerium weiterentwickelt werden. Diese Entscheidung, geprägt und vertreten von CEO Sam Altman, polarisiert und löst in der queeren Community internationale Empörung aus.
Kritik an Nähe zur Politik
Das Bündnis zwischen OpenAI und dem Pentagon wurde bekannt, nachdem Anthropic, ein Konkurrent aus dem Silicon Valley, einen vergleichbaren Deal explizit aus Ethikgründen abgelehnt hatte. Dessen Gründer Dario Amodei betonte, dass militärische Anwendungsmöglichkeiten für KIs schwer kalkulierbare Risiken bergen. Parallel dazu wird Altman kritisiert, weil er in entscheidenden Momenten zu regierungsnah agiert und Kontakte zu konservativen Entscheidungsträgerinnen und -trägern sucht. Diese Haltung wird von vielen als Verrat an jenen verstanden, deren Rechte unter früheren Regierungen gezielt angegriffen wurden. Zugleich verweisen Menschenrechtsorganisationen darauf, dass Künstliche Intelligenz in repressiven politischen Umfeldern häufig zur Kontrolle und Ausgrenzung missbraucht werde. In einer aktuellen Umfrage geben laut GLAAD 68 Prozent queerer Personen an, sich von Tech-Unternehmen nicht ausreichend geschützt zu fühlen.
Sichtbare Reaktionen in der Queer-Community
Das Hashtag „#QuitGPT“ steht für eine grassierende Abwanderung: Über 700.000 Nutzerinnen und Nutzer weltweit äußerten im Zuge des Protestes die Entscheidung, den Dienst zu meiden. Im App Store erhöhte sich die Zahl der Negativ-Bewertungen innerhalb eines Wochenendes um 775 Prozent, während Alternativdienste wie Claude hohe Downloadraten erzielen. Viele Queer-Personen sehen hinter Altmans Outing und seiner sichtbaren Medienpräsenz keine glaubhafte Fürsprache mehr: Seine Kooperationsbereitschaft mit Akteuren, die trans* Personen systematisch aus öffentlichen Registern löschen oder marginalisieren, wird in sozialen Medien und Fachforen als „politische Bankrotterklärung“ gewertet.
Verantwortung und Konsequenzen
Dass Tech-Unternehmen gesellschaftlich Verantwortung übernehmen müssen, wird zunehmend zur Kernfrage. Immer häufiger ziehen Communities direkte Konsequenzen, wenn ein Unternehmen als unsolidarisch wahrgenommen wird. Bei OpenAI demonstriert der Boykott die Bedeutung digitaler Souveränität – und die Bereitschaft, auf Komfort zugunsten klarer Wertevorstellungen zu verzichten. Ob und wie OpenAI aus der Vertrauenskrise herausfindet, dürfte wegweisend für die ganze Branche werden.