Direkt zum Inhalt

Jugendmedienschutz 2024 Bundesministerium verzeichnet rund 17.600 Verstöße in einem Jahr

Von ms - 20.05.2025 - 14:30 Uhr
Extremismus und sexuelle Gewalt
Foto: iStock / Javier Zayaz
ANZEIGE
Loading audio player...

Jugendliche in Deutschland und dabei insbesondere vulnerable Gruppen wie die junge LGBTIQ+-Community erleben online beinahe alltäglich Extremismus sowie sexuelle Gewalt. Insgesamt dokumentierte die Seite jugendschutz.net im letzten Jahr 17.630 Verstöße gegen den Jugendmedienschutz, so Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Jugendschutz.net fungiert als gemeinsame Anlaufstelle von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten.

10.000 extreme Fälle in einem Jahr 

In fast 10.000 Fällen musste besonders schnell agiert werden und die Inhalte wurden online gelöscht oder gesperrt. In gravierenden Fällen wie zum Beispiel sexualisierter Gewalt schaltete die Organisation zudem auch Strafverfolgungsbehörden ein. Fälle, die einer weiteren Aufsicht bedürfen, wurden darüber hinaus an die Kommission für Jugendmedienschutz und die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz übermittelt.

Das BMFSFJ hält dazu fest: „Der erfolgreichen Beseitigung von Jugendschutzverstößen stehen strukturelle Mängel hinsichtlich der Vorsorgemaßnahmen vieler digitaler Dienste entgegen. Zentrales Problem bleibt die fehlende Altersprüfung, ohne die Kinder und Jugendliche auf beliebten Plattformen kaum geschützt sind – etwa vor extremistischer Einflussnahme oder sexuellen Grenzverletzungen.“ Zudem würde der Siegeszug der generativen Künstlichen Intelligenz überdies dazu beitragen, dass problematische Inhalte schneller und mehr verbreitet würden. Die Anbieter würden sich dabei hauptsächlich auf Innovationen konzentrieren, die Sicherheit junger User oder auch junger queerer Menschen habe dabei keine Priorität. 

Cybermobbing bei Jugendlichen

Bundesjugendministerin Karin Prien erklärte dazu heute: „Unsere Kinder bewegen sich täglich in einer digitalen Welt, in der sie auf vieles treffen. Wie auf einem riesigen Marktplatz, auf dem tausende Stimmen durcheinanderrufen - manche freundlich, viele aber auch manipulativ, verletzend oder gefährlich. Cybermobbing, sexualisierte Ansprache oder extremistisches Gedankengut – das überfordert junge Menschen (…) Wir dürfen unsere Kinder mit diesen Gefahren nicht alleinlassen. Deshalb müssen wir gemeinsam handeln: Die Plattformen müssen endlich ihre Verantwortung wahrnehmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen konsequent durchgesetzt werden.“ Zudem brauche es informierte Eltern, Lehrkräfte und Fachkräfte, so Prien weiter. 

Islamisten und Rechtsextreme

Und der Leiter von jugendschutz.net, Stefan Glaser, bekräftigte zudem: „Social Media sind weiterhin Einfallstore für sexuelle Belästigung, Gewalt und Extremismus. Rechtsextreme und Islamisten ködern auf TikTok, Instagram und Co. mit hippen Auftritten und Themen, die nah an der Lebenswelt junger Menschen sind. Über Discord erreichen sie spielaffine Jugendliche und führen sie an extremistisches Gedankengut heran.“

Dabei betonte der Fachmann gerade auch noch einmal die Probleme von KI, auch ein zentrales Thema von jungen LGBTIQ+-Personen, beispielsweise beim Online-Dating oder im schulischen Alltag: „Es ist leider inzwischen kinderleicht, Alltagsfotos in Nacktbilder zu verwandeln. Deepnudes werden dann genutzt, um zu mobben oder zu erpressen – eine perfide Dimension der digitalen Gewalt“, warnt Glaser. Dazu ergänzte Dr. Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz: „Viele große Plattformen freuen sich über die Aufmerksamkeit von Kindern und Jugendlichen, zugleich gehen sie fahrlässig mit ihren jungen Nutzerinnen und Nutzern um. Deren Schutz bleibt dabei lückenhaft.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesndQueer | Razzia in Casa Kuá schüchtert Berliner trans* Community eintazRazzia in queerem Community-Ort: Alles wegen ein paar TablettenFrankfurter Allgemeine ZeitungMit Hilfe von Leihmutter: Niederländischer Ministerpräsident und sein Verlobter bekommen ein BabyAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ferran Torres leicht bekleidet

Fußballstar polarisiert mit Fotos

Spaniens Fußballstar Ferran Torres sorgt mit einer freizügigen Unterwäschekampagne für Aufsehen – und entfacht erneut Diskussionen in sozialen Medien.
Türklinke im Hintern

Kuriose Fälle in Notaufnahmen

Mehr als 1.500 Briten suchten binnen eines Jahres in England wegen Fremdkörpern im Hintern eine Notaufnahme auf. Ärzte warnen vor Verletzungsgefahren.
Alfie Watts übers Coming-Out

Familie reagierte mit Ablehnung

„Race Across the World“-Gewinner Alfie Watts spricht über die Ablehnung seiner Familie nach seinem bisexuellen Coming-Out und besondere Unterstützung.
Antidepressiva machen schwul

Neue Theorien aus Russland

Russlands Duma-Abgeordneter Vitali Milonow behauptet, Antidepressiva könnten Homosexualität auslösen, und fordert strengere Verschreibungsregeln.
STI-Welle in Italien

Sehr starker Anstieg bei Männern

In Italien steigen die Meldungen sexuell übertragbarer Infektionen deutlich. Besonders betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben.
Streit um UN-Menschenrechtsrat

Ausschluss von Anti-LGBTIQ+-Länder?

Fünf Staaten, die Homosexualität bestrafen, wurden jetzt in den UN-Menschenrechtsrat gewählt. Die African Human Rights Coalition übt scharfe Kritik.
Sportstreit in Nebraska

Trans* Verbot vor Abstimmung

Das Oberste Gericht Nebraskas lässt eine Abstimmung über ein Verfassungsverbot für trans* Sportlerinnen im Mädchen- und Frauensport zu.
Trauer um Coos Huijsen

Vorreiter der Community ist tot

Der Niederländer Coos Huijsen bekannte sich 1976 als erster Parlamentarier weltweit öffentlich zu seiner Homosexualität. Nun ist er gestorben.
Ted Cruz sorgt für Empörung

„Transgender-Hexen“ als Feindbild

US-Senator Ted Cruz macht mit einer Äußerung über „linke Transgender-Hexen“ Schlagzeilen. Hintergrund ist der Kampf um die Mehrheit im Kongress.