Direkt zum Inhalt
Hassverbrechen in Berlin
ANZEIGE

Hassverbrechen in Berlin Die Gewalt gegen LGBTI* nimmt an Brutalität und Quantität weiter zu

ms - 15.01.2025 - 16:00 Uhr
Loading audio player...

Die Ansprechperson für LGBTI*-Menschen bei der Berliner Polizei, Hauptkommissarin Anne von Knoblauch, betonte jetzt im Interview mit dem Tagesspiegel, dass die Fälle von Beleidigungen und Körperverletzungen gegen LGBTI*-Menschen in der Regenbogenhauptstadt weiter zunehmen. 

Gewalttaten werden brutaler 

Von Knoblauch betonte so: „Hier können wir beobachten, dass Gewalttaten zunehmen und brutaler werden. Es geht aber auch um Sachbeschädigungen – und um Hasskommentare im Netz, die immer mehr angezeigt werden (…) Der Hass im Netz gegen queere Menschen hat stark zugenommen. Immer noch denken viele Menschen, das Internet sei ein rechtsfreier Raum und man kann dort tun und lassen, was man will.“

Die Hauptkommissarin ist zusammen mi ihrem Kollegen Michael Späth die Queer-Beauftragte der Berliner Polizei und betont überdies, dass seit der Corona-Pandemie auch mehr Nachbarschaftsstreitigkeiten in den Bereich der LGBTI*-feindlichen Hasskriminalität fallen. Viele Bewohner hätten in jener Zeit ihre Nachbarn besser kennengelernt – und das Wissen um die Homosexualität so beispielsweise bei Streitigkeiten gezielt genutzt. 

Keine No-Go-Areas?

Schwerpunkte der Hassverbrechen gegen Schwule, Lesben und queere Menschen bleiben dabei die Bezirke Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg sowie Charlottenburg-Wilmersdorf. Die jüngste Statistik zeigte dabei auf, dass die Fälle von Hasskriminalität zuletzt binnen eines Jahres um 27 Prozent in Berlin zugenommen haben – trotzdem gibt von Knoblauch zu Bedenken: „Wenn wirklich 40 Prozent aller queerfeindlichen Taten in Berlin begangen würden, müsste man tatsächlich Angst haben. Doch so ist es nicht, Berlin ist kein Hotspot der Queerfeindlichkeit (…) Die bundesweiten Zahlen sind diesbezüglich wenig verlässlich, da andere Bundesländer, deren Erfassungen in die Statistik des BKA miteinfließen, diese Straftaten nicht in der Genauigkeit und Spezialisierung ermitteln, wie wir es in Berlin machen.“ 

Dabei möchte die Polizeihauptkommissarin auch nicht von No-Go-Areas sprechen und betont: „Wir haben in Berlin keine No-Go-Areas. Queerfeindliche Kriminalität kann überall geschehen.“ 

Die Täter sind jung und männlich

Zu den Tätern sagt die Polizistin weiter: „Wenn es um queerfeindliche Hasskriminalität geht, sind die Täter überwiegend junge Männer – mehr als 90 Prozent. Die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Taten werden meist aus Gruppen heraus begangen. Sie wollen Mut und ihre Männlichkeit beweisen, wenn sie ein schwules Paar angreifen. Viele machen das nicht zum ersten Mal – häufig handelt es sich um Wiederholungstäter.“ 

Die größte Opfergruppe bleiben dabei nach wie vor schwule Männer. Von Knoblauch geht ebenso wie ihre Kollegen davon aus, dass rund 95 Prozent der Straftaten gegen LGBTI*-Menschen nicht angezeigt werden. „Queerfeindliche Straftaten müssen sichtbar gemacht werden. Wir können zwar nicht alles aufklären. Aber wir haben gute Möglichkeiten, Täter zu ermitteln – wenn eine Straftat etwa auf einem Bahnhof, in einer U-Bahn, einer Tram oder im Bus passiert ist – denn die öffentlichen Verkehrsmittel werden mit Kameras überwacht.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende der Badehaus-Verbote

San Diego streicht alte Vorschrift

San Diego schafft ein seit den 1980er-Jahren bestehendes Badehaus-Verbot ab, das einst zur Eindämmung von HIV eingeführt worden war.
KI und LGBTIQ+

Outing der sexuellen Orientierung

KI kann LGBTIQ+-Menschen diskriminieren oder sensible Identitäten ableiten – zugleich warnt ein Anthropic-Forscher vor weiteren extremen Risiken.
Doppelmoral in Dallas

Grindr und Republikaner

Beim Parteitag der Republikaner war der LGBTIQ+-Kulturkampf ein zentrales Thema. Gleichzeitig vermeldete Grindr Ausfälle wegen Überbelastung der App.
Mit Pride-Flagge ins Ziel

Queerer Läufer schreibt Geschichte

Der nicht-binäre Ryan Montgomery wurde beim Western States Endurance Run zum schnellsten US-Amerikaner über 100 Meilen und schrieb damit Geschichte.
Lesbische Polizistin packt aus

Sexuelle Belästigung von Kollegen

Eine lesbische Polizistin aus New Jersey wirft Kollegen sexuelle Belästigung und ihrem Polizeichef Diskriminierung vor.
Mehr Schutz für Kinder online

Experten legen 56 Empfehlungen vor

Eine Expertenkommission legte heute 56 Empfehlungen für besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vor.
Sexuelle Bildung in Italien

Referendum erreicht wichtige Hürde

Mehr als 500.000 Menschen haben ein Referendum gegen ein Gesetz in Italien unterschrieben, dass sexuelle Bildung und LGBTIQ+ an Schulen untersagt.
Noah Segsy ist tot

Schwuler Adultstar ertrinkt im Pool

Der 22-jährige deutsche schwule Hardcore-Content-Creator Riccardo Staudt alias Noah Segsy ist auf Zypern ertrunken. Die Todesumstände sind noch unklar
25 Jahre 9/11

Der Anschlag und LGBTIQ+

25 Jahre nach 9/11 zeigt sich: Die Anschläge veränderten auch das Leben von LGBTIQ+-Menschen und machten rechtliche Ungleichheiten sichtbar.