Direkt zum Inhalt
Alarm in Namibia
ANZEIGE

Alarm in Namibia Das Parlament arbeitet an einem drakonischem Verbotsgesetz für Homosexuelle

ms - 01.08.2024 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Erst im Juni dieses Jahres feierte die Gay-Community in Namibia einen Entschluss des Obersten Gerichts des Landes, dabei wurde ein Sodomie-Gesetz aus der Kolonialzeit für verfassungswidrig erklärt  – und damit im Gegenzug automatisch homosexuelle Handlungen legal. Ein Befreiungsschlag für alle Schwulen und Lesben im Land. Die Regierung will nun allerdings dagegen vorgehen. 

Drakonisches Gesetz geplant

Bereits bei der Urteilsverkündung hatte der Generalstaatsanwalt der Regierung erklärt, dass die namibische Bevölkerung nicht bereit dafür sei, Homosexualität zu legalisieren. Inzwischen hat das Parlament in aller Eile einen neuen umfassenden Gesetzentwurf vorgelegt. 

„Dieser Gesetzentwurf ist das verfassungswidrigste und drakonischste Gesetz, das Namibia seit seiner Unabhängigkeit eingebracht hat. Es würde das Urteil des Obersten Gerichtshofs rückgängig machen, die Förderung der gleichgeschlechtlichen Ehe verbieten und kriminalisieren und droht sogar damit, Menschenrechtsverteidiger und unsere Verbündeten ins Gefängnis zu werfen“, so die LGBTI*-Organisation Equal Namibia. Nebst dem Verbot der Homo-Ehe würde das neue Gesetz für alle LGBTI*-Menschenrechtsverteidiger Haftstrafen von bis zu sechs Jahren vorsehen. Zudem gäbe es ein Verbot der Meinungs- und Versammlungsfreiheit für Homosexuelle. 

Grausame Morde, steigender Hass

Zudem bemerkt der Verein in den letzten Wochen erneut einen massiven Anstieg von Hassverbrechen gegen Schwule und Lesben, darunter auch Vergewaltigungen, Raubüberfälle und bereits sechs Morde. In einer Petition fordern so inzwischen rund 11.000 Menschen Präsident Nangolo Mbumba dazu auf, mit seinem Veto das neue Gesetzesvorhaben zu stoppen. 

Ferner wird in der Petition erklärt: „Diese Gesetzgebung gefährdet nicht nur die Menschenrechte der LGBTI*-Community, sondern widerspricht auch den verfassungsmäßigen Grundsätzen der Freiheit. Staatlich sanktionierte Homophobie hat eine Welle von Hassreden und Hassverbrechen ausgelöst, die tragischerweise bereits das Leben von sechs queeren Namibiern gefordert hat.“ Die sechs Opfer wurden in den letzten Monaten zumeist grausam verstümmelt, bevor sie nackt und tot aufgefunden wurden. 

Kampf gegen Homosexuelle

Setzt die Regierung Namibias ihr Vorhaben tatsächlich in die Tat um, reiht sie sich in die Liste jener Länder ein, die zuletzt Verbotsgesetze gegenüber Homosexuellen verstärkten oder gänzlich neu einführten – bis hin zur Todesstrafe wie im Fall Uganda. 

Die Ablehnung der Rechte für Homosexuelle im Land ist indes nicht neu, bereits im Juli 2023 verabschiedete das Parlament ebenso ein Anti-LGBTI*-Gesetz. Hintergrund war auch hier eine Entscheidung des Obersten Gerichts. Die Richter hatten festgelegt, dass im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt werden müssen. Das im letzten Jahr beschlossene Gesetz widerspricht dieser Anordnung. 

Equal Namibia dazu: „Dies untergräbt die Demokratie und stellt eine Bedrohung für die Gewaltenteilung dar. Das Amt des Präsidenten ist beauftragt, die Verfassung zu wahren, die Rückkehr der Souveränität der Apartheid-Ära zu verhindern und die in Kapitel 3 hart erkämpfte Grundrechtecharta zu schützen.“ 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Amnesty kritisiert J.K.Rowling

Frauenhilfszentrum im Fokus

Amnesty International UK stuft J. K. Rowlings Krisenzentrum für Frauen als „rechtefeindlich“ ein und löst damit erneut eine Debatte aus.
Eklat bei der L.A. Police

Homophobe Polizisten im Fokus

Ein LAPD-Beamter könnte angeklagt werden, nachdem er Kollegen bei homophoben, rassistischen und sexistischen Aussagen aufgenommen hat.
Sam Neill ist tot

Ein Star mit Haltung

Schauspieler Sam Neill ist mit 78 Jahren gestorben. Neben seiner Filmkarriere wurde er auch für seine Unterstützung der LGBTIQ+-Community geschätzt.
Spätes Urteil nach Jahrzehnten

Mord mit homophobem Hintergrund

Nach mehr als 40 Jahren sind zwei Brüder wegen des Mordes an dem schwulen Beamten Anthony Littler verurteilt worden.
Bromance bei der WM

Freundschaft trotz Viertelfinale

Nach dem WM-Viertelfinale zwischen England und Norwegen sorgen Erling Haaland und Jude Bellingham mit ihrer Freundschaft für Aufmerksamkeit.
Historische Klage in Botswana

Lesbisches Paar kämpft weiter

Zwei Frauen kämpfen vor Botswanas Oberstem Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe – ein Verfahren mit Signalwirkung für ganz Afrika.
Schwerbehindert und LGBTIQ+

Viele leben doppelt benachteiligt

Millionen Menschen leben mit einer Schwerbehinderung. Hunderttausende LGBTIQ+-Personen kämpfen dabei zudem mit mehrfachen Diskriminierungserfahrungen.
Prozess geplanter CSD-Anschlag

Brüderpaar in Wien vor Gericht

Im Prozess um das geplante Attentat auf die Vienna Pride sind vor dem Landesgericht St. Pölten jetzt weitere Zeugen gehört worden.
Brutaler Angriff auf Cruiser

Schwulen Mann bewusstlos getreten

Am Bugasee in Kassel wurde ein 51-jähriger schwuler Mann beim Cruising brutal von drei unbekannten Tätern bewusstlos getreten.